Fans der Brycke (von links): Jessi Schmitt (Duschbrocken), Robin Stelter (Supergut), Johannes Lutz (Duschbrocken) und Wirtschaftsförderer Bernhard Grieb. Foto: Torsten Ströbele

Aktuell haben rund 30 Gründerinnen und Gründer die Chance, ihre Produkte im Rahmen des städtischen Projekts Brycke zu präsentieren. Mit dabei ist auch die Duschbrocken GmbH, die den Plastikflaschen im Bad den Kampf angesagt hat.

Johannes Lutz und Christoph Lung: Zwei junge Männer, der eine aus Stuttgart, der andere aus Würzburg. Beide gehen 2017 unabhängig voneinander ein Jahr lang auf Weltreise, treffen sich zufällig in Myanmar und werden auf dem Weg nach Mexiko Freunde. In Kolumbien haben sie schließlich eine Idee, die ihr Leben verändern wird. Bei einer Tour durch den Amazonas-Regenwald wird ihnen bewusst: „Shampoo und Duschgel in flüssiger Form und Plastikverpackung nerven, sowohl uns Reisende als auch die Umwelt. Warum gibt es dafür also noch keine gute Lösung?“ Die beiden Jungs fangen an, an einem festen Shampoo inklusive Duschgel zu tüfteln. Mit einer Pizzaknetmaschine und einer Handpresse geht es in Stuttgart los. Das Produkt kommt bei den Nutzern an. Bis heute sind mehr als 1,5 Millionen Duschbrocken verkauft. Der Erfolg spricht sich herum. Lutz und Lung bekommen eine Einladung in die Gründershow „Die Höhle der Löwen“, die auf dem Fernsehsender Vox zu sehen ist. Der Unternehmer Ralf Dümmel steigt ins Geschäft ein und hilft den beiden beim Vertrieb. Einen eigenen Laden haben Lutz und Lung noch nie angemietet. „In Stuttgart sind die Mieten wahnsinnig hoch“, sagt Johannes Lutz. „Wir haben uns schon überlegt die Stadt zu verlassen.“

 

Auch ein Quadratmeter kann angemietet werden

Bei solchen Aussagen wird Wirtschaftsförderer Bernhard Grieb hellhörig. Ein neues, aufstrebendes Unternehmen, das noch nicht viel Geld zur Verfügung hat, aber seine nachhaltigen Produkte gerne mal im stationären Handel ausprobieren möchte? Da hat er in Stuttgart seit Dezember 2022 eine Lösung parat: die Brycke (gesprochen „Brücke“). In dem städtischen Gebäude Schmale Straße 9 bis 13 bekommen Gründerinnen und Gründer mit neuen Ideen die Chance, ihre nachhaltigen und regionalen Produkte in der Innenstadt an den Mann und die Frau bringen zu können, ohne sich langfristig an eine Ladenfläche und einen Vermieter binden zu müssen. Für einen Quadratmeter Brycke bezahlt man 30 Euro pro Monat. „Da orientieren wir uns an den üblichen Mieten. Wir wollen auf gar keinen Fall eine Konkurrenz zu anderen Geschäften aufbauen“, betont Grieb. Knapp 25 Quadratmeter hat die Duschbrocken GmbH angemietet. Ihre aktuell knapp 30 Mitmieter brauchen weniger Fläche.

Bei einem Rundgang durch die Brycke sieht man unter anderem den E-Bike-Verleih „Sky Team Bike“, handgemachten Goldgras-Schmuck der Brasilianerin Giselle Brito de Carvalho Härer, Naturkosmetikprodukte oder aber auch Mode – beispielsweise von der Ukrainerin Vlada Dizik, die aktuell Dirndl kreiert. Die Vielfalt ist groß. Auch die Footballer von Stuttgart Surge nutzen die Brycke, um Werbung für sich zu machen.

Das alles findet im Ladenbereich des Erdgeschosses statt, im Untergeschoss ist eine sogenannte „Vision Hall“ zu finden – ein großer Raum für Vorträge, Workshops, Treffen und Veranstaltungen. „Hier besteht die Möglichkeit zum Netzwerken – bei regelmäßigen Formaten zu Zukunfts- und Gründungsthemen“, sagt Bernhard Grieb. Auch das bringt Frequenz in die Brycke.

Stelters Café ist Frequenzbringer in der Brycke

„Für uns ist es wichtig, dass wir mit Kunden direkt in Kontakt kommen“, sagt Johannes Lutz. Wie fällt die Resonanz aus, wenn die Kunden am Duschbrocken riechen? Das haben die beiden Gründer vor der Brycke in dieser Form noch nicht widergespiegelt bekommen. Der Umsatz im Laden sei erst einmal zweitrangig. „Wir haben nichts erwartet. Aber im Juli 5000 Euro vor Ort eingenommen“, sagt Lutz. Er ist zufrieden. Vor allem auch, weil die Zusammenarbeit in der Brycke eine Bereicherung ist. Niemand muss von Montag bis Samstag, 10 bis 19 Uhr, im Laden stehen. „Man teilt sich die Präsenzzeiten auf“, sagt Grieb. Jeder weiß über die Produkte und die Firma des anderen Bescheid und kann helfen.

Doch einer ist eigentlich immer da: Robin Stelter. Sein Café ist ein Frequenzbringer in der Brycke. „Hier sind ein richtig guter Vibe und Freundschaften entstanden. Man spürt die Aufbruchstimmung und dass alle an einem Strang ziehen“, betont Stelter. Er ist von Anfang an dabei. Einige ziehen nach drei Monaten wieder aus, andere bleiben ein halbes Jahr. „Die meisten halten aber Kontakt zur Brycke, kommen immer mal wieder vorbei. Das sind Hardcore-Bryckies“, sagt Stelter und lacht. Er erzählt von einer älteren Dame, die regelmäßig 45 Minuten mit der Bahn in die Brycke fährt, „um zu quatschen“. Jeder sei hier willkommen.