Dass die Innenstadt Anziehungskraft hat, zeigen auch Veranstaltungen wie „Stuttgart leuchtet“. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Die Stuttgarter Innenstadt hat ihre Probleme, aber die Voraussetzungen sind gut, um den Transformationsprozess erfolgreich zu gestalten, findet unser Redakteur Torsten Ströbele.

Was ist los mit der Stuttgarter Innenstadt? Ist sie noch attraktiv genug? Muss man sich Sorgen um ihre Zukunft machen? Immer wieder wird über das Image der Landeshauptstadt diskutiert. Wer hinein will, klagt zuweilen über eine schwierige bis bescheidene Anfahrt. Etliche Baustellen, zu viele Staus, keine Parkplätze, unzuverlässige öffentliche Verkehrsmittel. Hinzu kommen Themen wie Sicherheit und Sauberkeit. Nun ist auch der Einzelhandel beziehungsweise der Leerstand rund um die Königstraße als potenzielles Problem ausgemacht worden. In jüngster Vergangenheit wurde von immer mehr Insolvenzen und Schließungen von alteingesessenen Geschäften berichtet.

 

Doch liegen die Ursachen dafür ausschließlich an den oben genannten Gründen? Wie viele weitere Einzelhändler wird es treffen? Und was muss passieren, dass die Stuttgarter Innenstadt nicht verwaist?

Jede Schließung kann auch eine Chance sein

Dass die großen Einkaufsstraßen in Deutschland vor großen Herausforderungen stehen, ist wohl unbestritten. Auch in Stuttgart ist der Transformationsprozess zu sehen. Die großen Filialisten brauchen im stationären Handel weniger Flächen als noch vor einigen Jahren. Die inhabergeführten Geschäfte haben es schwer, sich auf dem Markt zu behaupten. Der florierende Online-Handel, die Auswirkungen der Pandemie, die Kaufzurückhaltung der Kundinnen und Kunden aufgrund der gestiegenen Lebenserhaltungskosten: All das macht die Situation nicht einfacher.

Doch so bitter jede Schließung eines Traditionsgeschäfts ist, sie birgt auch eine Chance, neue Ideen umsetzen zu können – wie zum Beispiel auf dem Marktplatz, nach der Schließung des Kaufhauses Breitling. Dort entsteht nun mitten in der Stadt das Haus des Tourismus, das ein Anziehungspunkt sowohl für Gäste von außerhalb als auch für Einheimische werden soll. Für Oktober dieses Jahres ist die Einweihung geplant – leider wesentlich später, als zunächst gehofft. Dass sich Projekte erheblich in die Länge ziehen, ist in Stuttgart kein Einzelfall. Auch das ist ein Grund, warum es zu Leerständen rund um die Königstraße kommt. Die Nachfrage nach Flächen in der Stuttgarter Innenstadt ist laut Immobilienexperten weiterhin da.

Daher ist es ein Unding, dass es bei der Stadtverwaltung auch mal ein Jahr dauern kann, bis eine Baugenehmigung oder die Erlaubnis für eine Um- oder Zwischennutzung von Flächen vorliegt. Die Flexibilität muss größer und die Verfahren beim Baurechtsamt müssen schlanker werden, um den Transformationsprozess nicht zu gefährden. Eine Innenstadt ist weitaus mehr als ein reiner Konsumraum. Es braucht verschiedene Nutzungen – Gastronomie, Dienstleister und kulturelle Angebote. Um die Attraktivität zu steigern, braucht es Erlebnisse und kurze Wege. Auch das Thema Wohnen direkt in der Innenstadt wird immer wieder als Option angeführt. Aber macht es Sinn auf diese Karte zu setzen, um potenziellen Leerstand zu vermeiden?

Die Stadtverwaltung muss schneller werden

Da ist man auch im Stuttgarter Gemeinderat unterschiedlicher Meinung. Die einen sind davon überzeugt, damit Probleme zu lösen. Die anderen gehen davon aus, dass dadurch neue Probleme geschaffen werden. Allein strenge Lärmschutzregeln könnte vieles, was heute möglich ist, künftig verhindern.

Ein Patentrezept für eine lebendige und vitale Innenstadt gibt es nicht. Aber es braucht auf jeden Fall gute Ideen, die für Frequenz sorgen und den Mut der Stadtverwaltung und Immobilieneigentümer, diese auch zeitnah umzusetzen. Stuttgart ist attraktiv und hat viel zu bieten. Und das soll auch so bleiben. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben.