Der Drang, im Netz Privates von sich preiszugeben, nennt sich „Oversharing“. Dies ist gut für Klicks. Wohin Offenheit führen kann, zeigt ein Rosenkrieg, der vor Gericht geschlichtet wird. Die frühere Miss-Germany Anahita Rehbein äußert sich erstmals zu Compliance-Vorwürfen um ihren Freund.
Im Fitness-Studio Puls von Jörg Echtermann in Stuttgart-Vaihingen hängt noch immer ein großes Farbfoto von Anahita Rehbein an der Wand. Darauf ist die frühere Miss Germany zu sehen, wie sie ihre Armmuskeln trainiert. Seit August vergangenen Jahres sind der Gym-Chef und die Influencerin – sie sind Eltern eines kleinen Sohnes – offiziell getrennt. Im Puls fragen sich die Mitglieder, wann dieses Foto ersetzt wird.
Puls-Inhaber Jörg Echtermann, 56, hängt das Foto seiner 31-jährigen Ex-Frau vorerst nicht ab. Damit macht er zum einen klar, dass er keine Hassgefühle gegen die Mutter seines Sohnes hegt. Und zum Zweiten, dass ihm anderes viel wichtiger ist. Es gehe ihm um das Wohl des Kindes, unterstreicht er, weshalb er sich gegen die Zurschaustellung des Kleinen bei Instagram-Posts mit dem neuen Freund von Anahita Rehbein zur Wehr gesetzt habe.
Die Offenheit der Influencer empfinden die Fans als Nähe
Fachleute nennen das Geschäftsmodell „Oversharing“: Wer im Internet möglichst viel Privates von sich preisgibt, schafft eine enge Verbundenheit zu den Usern. Die Offenheit empfinden die Fans als Nähe zu ihren Vorbildern. Das sorgt dafür, dass sie weiterhin neugierig bleiben, als wäre die Influencerin Teil der eigenen Familie. Je höher die Follower-Zahlen sind, desto höher sind die Einnahmen für jene, die private Einblicke gewähren. Gute Influencer, so heißt es, verdienen mit Werbung zwischen 20 000 und 30 000 Euro im Monat.
Die Trennung des einstigen Glamour-Paars von Stuttgart rauscht seit Wochen mit bösartigen Begleiterscheinungen bundesweit durch die Medien. Eine Folge ist, dass Jörg Echtermann seitdem „sehr viele Mails von Frauen“ bekommt, wie er sagt, die ihn gern daten würde. Doch der Puls-Chef versichert: „Ich bin Single!“ Daran ändere sich auch nichts, wenn er gelegentlich mit einer Stammkundin Clubs wie das Zubrovka besuche, worauf er danach immer wieder zum Klatschthema der Stadt werde.
Gütetermin vor dem Familiengericht
Mit seiner Anwältin ist Jörg Echtermann gegen seine Ex-Frau vorgegangen, damit diese nicht mehr das gemeinsame Kind bei Instagram postet. Und wenn, dann nur verpixelt. Gemeinsame Filme mit dem Sohn und dem neuen Partner sollten nicht mehr veröffentlicht werden. Auch um das Sorgerecht haben die beiden gestritten. Inzwischen hat sich das Jugendamt eingeschaltet, und beide Seiten trafen sich vor dem Familiengericht. „Ein Urteil musste nicht gesprochen werden, weil wir uns gütlich geeinigt haben“, berichtet Echtermann. Man werde sich künftig jeweils zur Hälfte um den Sohn kümmern. Dass diese Einigung gelungen ist, freut ihn sehr.
Auch Anahita Rehbein ist „sehr dankbar“, wie sie sagt, da man den öffentlich ausgetragenen Streit nun beenden wolle. „Das Wohl unseres Sohnes hat für mich absolute Priorität“, unterstreicht die frühere Miss Germany.
Erstmals äußert sich die Influencerin gegenüber unserer Zeitung zu den Anschuldigungen, die ihren neuen Partner Sascha H. betreffen. Denn jetzt gehe es nicht mehr nur um den Ruf ihrer Person, sondern auch um den Ruf ihres Freundes, weshalb sie nicht mehr schweigen könne.
Die „Bild“-Zeitung verbreite die Unwahrheit, wenn behauptet werde, sie habe dem neuen Lebensgefährten über ihre Beziehungen zu einem gut bezahlten Job bei Porsche Digital verholfen. Mit Olivia von Platen, der Frau des inzwischen entlassenen Porsche-Vorstandsmitglieds Detlev von Platen, ist Anahita Rehbein befreundet. Ihr gemeinsamer Podcast pausiert momentan, „um Schaden abzuwenden“.
Der neue Partner habe seinen Job „nicht durch Vitamin B“ bekommen
Ihr neuer Partner Sascha H., der zuletzt bei der Unternehmensberatung Achtzig20 gearbeitet hat, habe seinen Job „nicht durch persönliche Beziehungen (Vitamin B) erhalten“, erklärt die 31-Jährige, „sondern er hat den regulären Bewerbungsprozess durchlaufen“. Nach den Spekulationen habe Porsche „selbstverständlich“ kontrolliert und geprüft, ob die Einstellung gegen Compliance-Regeln verstoße. Das Ergebnis sei gewesen, dass an den Vorwürfen nichts dran sei.
Anahita Rehbein hofft nun, „dass sich die Situation beruhigt und weiteres künftig ausbleibt“. Ihre Fans auf Instagram freuen sich derweil über die Postings, die das Liebespaar zeigen, wie es Zärtlichkeiten austauscht. „Es ist so schön, dich so glücklich zu sehen“, ist zu lesen. Und: „Man merkt, wie gut er dir tut.“ Wie „Oversharing“, das Preisgeben ganz privater Dinge, auf Dauer guttut, ist freilich ungewiss.