Die Jury hat neuen Kandidatinnen und Kandidaten für den Ehrenamtspreis Stuttgarter/in des Jahres ausgewählt – und diese Aufgabe war so schwierig, dass es jetzt außer dem Jurypreis für Schülergruppen noch einen Sonderpreis der Jury gibt
Die Einsendungen zum Preis für das freiwillige Engagement in Stuttgart zeichnen sich in diesem Jahr durch eine erstaunlich vielfältige Palette der Aktivitäten der Kandidatinnen und Kandidaten aus. Die sechsköpfige Jury hat also keine leichte Aufgabe vor sich. Sie besteht aus Joachim Dorfs (Chefredakteur Stuttgarter Zeitung), Christoph Reisinger (Chefredakteur Stuttgarter Nachrichten), Andreas Haas vom Vorstand der Volksbank Stuttgart, die das Preisgeld stiftet und Gastgeberin ist, Petra Xayaphoum (Leiterin der Stadtkind-Redaktion) sowie zwei jeweils für die aktuelle Preisvergabe gewählten Jurymitgliedern.
In diesem Jahr sind das Menja Stevenson, die Leiterin der Jugendkunstschule, und Leona Efuna, Autorin und Musikerin. Auch für sie war die Entscheidung nicht leicht: „Ich bin gespannt, wie wir uns einigen wollen“, sagt Menja Stevenson, und auch Leona Efuna spricht davon, dass ihr die Wahl unter den vielen berührenden Einsendungen sehr schwer gefallen sei.
Weil die Qual der Wahl so groß war, sorgte Andreas Haas kurzerhand für eine Überraschung: Es wird neben dem neu ins Leben gerufenen Schülerpreis einen zusätzlichen Sonderpreis geben; dafür legt die Volksbank weitere 3000 Euro zum Preisgeld dazu. Dieses beträgt somit in diesem Jahr insgesamt 15 000 Euro. „Aus den vielen guten Sachen die allerbesten herauszusuchen, ist sehr schwierig“, hatte Joachim Dorfs die Aufgabe der Jury umrissen. Christoph Reisiger betonte, dass ihm die Einsendungen zum Ehrenamtspreis gerade in diesen Zeiten den Glauben an das Gute wieder zurückbrächten.
Mit dabei ist Sarah Feik. Sie näht Glücksbringer, Traumfänger und Betthimmel, sie schneidert Pumphosen, die Schlitze für Infusionskabel haben,und spendet damit auf der Intensivstation und der Kardiologie des Olgäle kranken Kindern und deren Eltern Trost. Sarah Feik musste in diesem Jahr selbst am Grab ihres Kindes stehen, das Patient im Olgäle war. Trotz dieses unermesslichen Leids bringt sie die Kraft auf, genau dort mit ihrer Kreativität für andere Familien da zu sein. Martin Lipp trainiert seit über 30 Jahren geistig behinderte Menschen im Treffpunkt der Caritas in Bad Cannstatt. Für fußballbegeisterte und sportliche, aber geistig behinderte Jugendliche und Erwachsene ist es unmöglich, in einem Sportverein aufgenommen zu werden. Lipp war mit seiner Fußball-Mannschaft 2023 sogar bei den Special Olympics World Games in Berlin. Dort holten sie sich eine Silbermedaille.
Um die verbindende Wirkung von sportlichen Aktivitäten geht es Anette Spitzenpfeil. In der Frauenselbsthilfe Brustkrebs hat sie eine Pink-Paddling-Gruppe gegründet. Gemeinsam sind die Frauen in einem zwölf Meter langen Drachenboot auf dem Neckar unterwegs und sind in diesem Jahr beim Drachenboot-Cup in Heilbronn gegen Teams aus ganz Deutschland angetreten.
Sportlich ist auch Frida Kraus unterwegs. Sie leitet seit zwölf Jahren die Laufgruppe im Stadtteil Giebel – und das im stolzen Alter von 89 Jahren. Einmal in der Woche wird eine Stunde lang gelaufen, eine Viertelstunde ist für Bewegungsübungen reserviert. Außerdem ist sie in weiteren Sportgruppen aktiv und fördert so auch die Kommunikation im Stadtteil.
Elka Edelkott und Katja Walterscheid haben den Verein Just Human gegründet, der Menschen in Afrika, in Afghanistan, in der Ukraine, in Griechenland, Italien, Belgien und auch hierzulande unterstützt. Unter den 20 Projekten des Vereins sind zum Beispiel Hilfen für Geflüchtete in griechischen Lagern, ein Schutzhaus für Frauen und Kinder in Athen, die Unterstützung von LSBTTIQ-Geflüchteten sowie medizinische Hilfe für Schwerkranke in Sierra Leone.
Peter Grohmann ist mit seinen 87 Jahren ein politisch aktives Urgestein. Er bezeichnet sich selbst als Kabarettist und Schriftsteller, als Alt-Linken und Kämpfer gegen Obrigkeitsglauben, Gehorsam und Standesdünkel. Bekannt ist sein Bürgerprojekt Die AnStifter. Diese verleihen den Stuttgarter Friedenspreis und den Jugendpreis für das Engagement von Schülern und Schülerinnen gegen Rassismus, Ausgrenzung und gegen rechte Strömungen. Claudia Hauger regelt seit fünf Jahren alle Belange der Kinder- und Jugendfarm Weilimdorf e.V. Sie organisiert die Vereinsgeschäfte, kümmert sich um Spenden insbesondere für den Neubau der Werkstatt und hält die Farm finanziell stabil. Sie hilft aktiv bei Instandhaltungsarbeiten und packt auch sonst mit an.
Franz Bühler engagiert sich seit über 20 Jahren in der Gesellschaft für Mobile Jugendarbeit in den Stadtteilen Sillenbuch, Heumaden und Riedenberg. So wird die Lebenssituation von Jugendlichen verbessert, die in der Gefahr stehen, sozial benachteiligt zu werden oder schon sind. Außerdem gibt er seit Jahren Nachhilfeunterricht in Mathematik.
Elke Müller ist im Verein Inferenzen aktiv und bringt Menschen miteinander in Kontakt, die sich sonst nie begegnen würden, zum Beispiel den Bänker und den Polizisten. Sie will so Vorurteile abbauen und wirbt für Toleranz und gegenseitiges Verständnis. Außerdem können durch diese Begegnungen neue Sichtweisen entstehen.
Alle Nominierten werden zu Beginn des kommenden Jahres in Videoporträts und in der Zeitung ausführlich vorgestellt, bevor Sie, liebe Leser und Leserinnen, im Online-Voting die drei Sieger/innen bestimmen können.
Weitere Informationen im Internet: https://www.stuttgarter-des-jahres.de/