Sten Brandenstein überzeugte bei seinen ersten Einsätzen im Nationalmannschaftstrikot. Foto: IMAGO/foto2press

Ausgerechnet das polnische Team von Kickers-Coach Tin Matkovic lässt den deutschen Titel-Traum des Stuttgarters Sten Brandenstein platzen. Warum seine Zukunft nun ungewiss ist.

Es hätte der Höhepunkt eines ganz besonderen Hockey-Märchens sein sollen, doch der Europameistertitel blieb den deutschen Hallenhockey-Männern um den Stuttgarter Sten Brandenstein beim Heim-Turnier im Heidelberger SNP Dome verwehrt. Nach einer bitteren 5:6-Niederlage in der letzten Minute gegen Spanien blieb dem großen Favoriten am Ende nur Platz vier. Damit beendeten die deutschen Männer zum ersten Mal seit 2010 eine Europameisterschaft ohne Medaille. „Es ist insgesamt schon sehr bitter gewesen. Alle haben sich etwas anderes vorgestellt“, sagt Brandenstein.

 

Der 28-Jährige war im vergangenen Sommer vom Zweitligisten HTC Stuttgarter Kickers zum deutschen Feldmeister Crefelder HTC gewechselt. Vor dem Turnier wurde der Angreifer dann erstmals für die Nationalmannschaft nominiert und spielte auf großer Bühne ein gutes Turnier. Direkt in seinem ersten offiziellen Länderspiel zum Auftakt gegen Irland traf Brandenstein mit seinem ersten Nationalmannschaftstor zum 7:3-Endstand. „Das war mega“, blickt Brandenstein zurück. Vor der Partie hatte er noch etwas mit Nervosität zu kämpfen gehabt, der Treffer habe ihm dann ein bisschen mehr Selbstvertrauen gegeben, berichtet er. Dennoch agierte Brandenstein im zweiten Gruppenspiel gegen die Schweiz (7:3) etwas unglücklich und vergab freistehend mehrere Chancen.

Angefeuert von Familie und ehemaligen Stuttgarter Mitspielern traf der Sohn des 26-fachen Nationalspielers Harald Brandenstein dann im nächsten Spiel gegen den Mitfavoriten Belgien nach fünf Minuten zum wichtigen 1:0. Später legte er beim 13:2-Sieg einen weiteren Treffer nach. Auch im abschließenden Gruppenspiel gegen Spanien (5:4) war das DHB-Team nicht zu schlagen und verdeutlichte den Eindruck, das spielerisch beste Team des Turniers zu sein.

Der Traum vom EM-Titel platzte jedoch im Halbfinale mit 3:4 gegen Polen. „Wenn du das Spiel gegen Polen noch zehnmal spielst, gewinnst du wahrscheinlich zehnmal“, sagt Brandenstein. Doch der Plan, den sich die Polen gegen den Gastgeber gemacht hatten, ging voll auf. Offensiv nutzte das polnische Team ihre wenigen Chancen eiskalt aus und machte es defensiv dem starken deutschen Angriff schwer. Ausgerechnet Kickers-Coach Tin Matkovic ist einer der Assistenztrainer Polens. „Der Traum wurde wahr“, sagt der gebürtige Kroate Matkovic über den Sieg gegen den Weltmeister und damit den Einzug ins Endspiel. „Der Druck war mehr auf Deutschland, als auf Polen. Wir waren die Außenseiter“, sagt Matkovic.

Auch im Finale waren die Polen nahe an einer Überraschung und führten gegen Österreich zeitweise mit zwei Toren. Letztlich sicherten sich die Österreicher im Shootout ihre vierte Hallen-Europameisterschaft. Ein bisschen Pech und die Erfahrung hätten am Ende den Ausschlag gegeben. „Wir haben ein geiles Turnier gespielt. Ein bisschen mehr Glück und wir sind Europameister“, sagt Matkovic, der sich jetzt wieder voll auf den Klassenverbleib in der Bundesliga konzentriert. Auch für Brandenstein geht es direkt am Dienstagabend mit dem Crefelder HTC wieder um Punkte in der Liga. Matkovic hofft, dass der gebürtige Stuttgarter im Sommer wieder zu seinem Heimatverein zurückkehrt. „Sten hat für das erste Mal auf diesem Niveau ein wirklich fantastisches Turnier gespielt“, attestiert er seinem möglichen, künftigen Schützling.

Sein bestes Spiel zeigte Brandenstein dann in der Partie um Platz drei. „Ich hatte in dem Spiel tatsächlich das erste Mal das Gefühl, dass ich zeigen konnte, was ich eigentlich drauf habe“, berichtet Brandenstein. Drei technisch anspruchsvolle Tore gelangen dem Angreifer, der damit im gesamten Turnier siebenmal traf. Entsprechend wurde er in dieser Partie zum besten deutschen Spieler gekürt. „Das Problem war, dass wir eigentlich im ganzen Turnier immer zwei ungleiche Blöcke hatten“, erzählt er. Gegen Spanien kam dann der vermeintlich stärkere erste Block nur schwer in die Partie, weshalb die zweite Garnitur um den Stuttgarter mehr Verantwortung übernehmen musste. „Zum Ende haben wir einfach nicht mit letzter Konsequenz verteidigt“, sagt Brandenstein. Pablo Roman traf fünf Sekunden vor Schluss zum Sieg der Spanier.

Brandensteins ungewisse Zukunft

Dennoch ist Brandenstein insgesamt glücklich: „Ich bin einfach sehr, sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte.“ Weil das nächste Hallen-Turnier erst wieder in zwei Jahren stattfindet, sind weitere Nationalmannschaftseinsätze des 28-Jährigen fraglich. „Auf dem Feld ist es noch schwieriger, in den Kader zu kommen, deshalb kann es schon sehr, sehr gut sein, dass das mein erstes und letztes Turnier war“, konstatiert Brandenstein.