Stuttgarter Hafen Containerhandel soll sich bis 2018 verdoppeln

Von Konstantin Schwarz 

Die Fläche für den Containerumaschlag soll erweitert werden Foto: Arnim Kilgus
Die Fläche für den Containerumaschlag soll erweitert werden Foto: Arnim Kilgus

Die Stuttgarter Hafengesellschaft will ihren Containerumschlag in wenigen Jahren von rund 80 000 auf 160 000 Stück pro Jahr steigern. Dazu werden für den Partner Stuttgarter Containerterminal Flächen freigeräumt. Sorgen macht Hafendirektor Carsten Strähle der ungeklärte Schleusenausbau.

Die Stuttgarter Hafengesellschaft will ihren Containerumschlag in wenigen Jahren von rund 80 000 auf 160 000 Stück pro Jahr steigern. Dazu werden für den Partner Stuttgarter Containerterminal Flächen freigeräumt. Sorgen macht Hafendirektor Carsten Strähle der ungeklärte Schleusenausbau.

Stuttgart - Das privat betriebene Stuttgarter Containerterminal (SCT) im Hafen arbeitet an der Kapazitätsgrenze. Zwei große Krananlagen am Hafenbecken 2 hieven jährlich inzwischen rund 80 000 Standardcontainer (20 Zoll Länge) von und auf Schiff, Schiene oder Lkw. Die 1996 von der Ludwig und Jakob Götz GmbH + Co KG in Betrieb genommene Anlage wurde 2005 erheblich erweitert, ist aber schon wieder zu klein.

„Wir sind in Stuttgart fast wieder am Anschlag“, sagt Dirk Götz, einer der beiden Geschäftsführer des in Neckarsteinach ansässigen Familienbetriebs. Götz: „Es wäre gut, wenn wir den großen Seereedereien sagen könnten, dass wir bald Kapazitäten haben.“ Das Unternehmen Götz gibt es seit 1920. „Mein Urgroßvater und dessen Bruder haben mit einem Steinbruch angefangen, dann kamen Steinhandel und Schiffsverladung, Kiesgewinnung und Schifffahrt. Heute sind wir ein Logistikunternehmen“, umreißt Götz die Entwicklung. Das SCT und das Schwesterterminal in Mannheim partizipieren vom international ungebrochenen Aufschwung der Containerschifffahrt. Allenfalls Wirtschaftskrisen sorgen zwischendurch für einen leichten Knick.

„Der Container ist ein brillantes Medium, um Defizite der Schifffahrt und der Eisenbahn zu kompensieren“, sagt Hafendirektor Carsten Strähle. Früher taugten Schiffe vor allem für Massentransporte. Kohle, Kies und Sand, sogar Waschpulver kamen in den im März 1958 eröffneten Neckarhafen. Statt lose in Laderäumen wird „vom Klopapier bis zum Maybach“ (Dirk Götz) inzwischen alles in die 20 oder 40 Fuß langen genormten Blechboxen gepackt.

Die Hafengesellschaft (HSG) ist für die Stadt ein Gewinnbringer. 2013 wurden 3,265 Millionen Tonnen umgeschlagen, wobei die Bahn mit 2,139 Millionen Tonnen vorn liegt. Die HSG schüttete 5,2 Millionen Euro Gewinn aus Verpachtungen und Ufergeld-Einnahmen aus.

Der Ausbau des heute 30 000 Quadratmeter großen Containerterminals soll in zwei Schritten erfolgen. Zunächst soll 2015 am Ostkai eine ehemalige Sand- und Kieshandlung für den dritten Kran weichen, 2017 dann eine Halle. „Unser Ziel ist ein fairer Wettbewerb im Hafen“, sagt Strähle. Wo nötig, will er Umsiedlungen im 100 Hektar großen Gelände unterstützen.

Mit am Ende 25 000 Quadratmeter Zusatzfläche soll im SCT der doppelte Umschlag bewerkstelligt werden. Weil die Gleislänge am Kai dann 800 Meter betrüge, könnte ein Güterzug komplett aufgestellt werden. Allein kann Götz die Erweiterung aber nicht stemmen. Allein die Krananlage koste um die vier Millionen Euro, ohne Platzbefestigung, Fundamente, Gleise, Zäune. Der Bund, hofft der 46-jährige Unternehmer Götz, werde aus dem Förderprogramm für den kombinierten Verkehr einen Zuschuss geben.

Vom Bund wird 2015 auch eine Entscheidung über den Ausbau der Wasserstraße erwartet. Wenn Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den neuen Verkehrswegeplan vorlegt, so die Forderung von IHK, Politikern und Unternehmen, soll der Ausbau aller 27 Schleusen von Mannheim bis Plochingen von 105 auf 135 Meter drinstehen.

Bisher ist die Verlängerung nur bis Heilbronn (elf Schleusen) gesichert. Die Sanierung und bisher beschlossene Streckung weiterer 16 Kammern auf 110 Meter würden deutlich teurer als geplant, sagt Klaus Michels, der Leiter des Amts für Neckarausbau in Heidelberg, am Freitag unserer Zeitung.

Michels rechnet nach inzwischen detaillierter Untersuchung der mindestens 50 Jahre alten Bauwerke mit „dem Faktor zwei bis drei“. Allein die Sanierung in Lauffen werde 17, die in Aldingen an die 13 Millionen Euro kosten. Die Schäden seien erheblich. Im Bundeshaushalt sind für den Abschnitt Heilbronn-Stuttgart 51,2 Millionen Euro eingeplant. Michels warnt eindringlich, den Komplettausbau der Wasserstraße für die heute üblichen 135-Meter-Schiffe zu verschleppen. Bleibe es zwischen Heilbronn und Plochingen bei nur 110 Metern, werde das Neckar-Teilstück „zum Auslaufmodell“.

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