Entweder sind die meisten Bewertungen gefälscht oder werden von Google gelöscht. Wem soll man noch vertrauen? Unsere Kommentatorin meint: Einfach drüber lachen.
Eine hippe Neueröffnung, vor der Stuttgarterinnen und Stuttgarter in langen Schlagen anstehen: Entweder war hier gerade eine der Stuttgarter Food-Influencerinnen und hat ein Säuselstimmen- oder Gabelwedel-Video veröffentlicht – oder die Google-Bewertungen sind sofort auf 4,8 Sterne geklettert. Doch was, wenn eine große Anzahl schlechter Bewertungen einfach verschwunden ist, und nur noch Lobpreisungen, die womöglich eingekauft wurden, im Netz zu finden sind?
Google-Bewertungen haben ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem. Unsere Redaktion berichtet seit langem über Fälle, in denen teils massenhaft schlechte Bewertungen von Google Maps verschwinden. Nun kann man es auf der Plattform selbst nachvollziehen, Google blendet einen Hinweis ein, wie viele Bewertungen entfernt wurden. In Stuttgart sind bei jeder zehnten unter mehr als 2000 untersuchten Gastros im vergangenen Jahr Bewertungen gelöscht worden. Wenn es alle machen, muss man dann mitziehen?
Es scheint ganz einfach zu sein. Kanzleien und Agenturen werben auf ihren Webseiten damit, unter den Bewertungen ihrer Kunden „aufzuräumen“, eine bietet ihre Dienste ab 49 Euro pro Bewertung an. Manche betonen, gerade Bewertungen ohne Text angreifen zu können.
Wem kann man noch vertrauen?
Was bedeutet das für die Gäste? Entweder vertraut man seinem Menschenverstand und versteht, dass man an einem Sonntagvormittag im angesagtesten Frühstückscafé der Stadt eventuell etwas länger auf sein Omelett warten muss (Überraschung) – oder man brät sich seine Eier eben zu Hause. Wer sich für Variante eins entscheidet und sich während der Warterei ein bisschen amüsieren möchte, kann schlechte Google-Bewertungen lesen, die (noch) nicht gelöscht wurden – und herzlich darüber lachen. Oder man vertraut eben doch den Profis und liest die wöchentlichen Kritiken unserer erfahrenen Gastro-Testerinnen und -Tester. Die bekommen nämlich kein Anwaltsschreiben zugeschickt, sobald sie ihre ehrliche Meinung kundtun.