Am Karsamstag geht es los, das Stuttgarter Frühlingsfest. Für die Sicherheit der Besucher werden die Zugänge mit Pollern und Blöcken abgesperrt. Das lässt sich die Stadt einiges kosten.
Man könnte vor so einem Fest über vieles reden. Etwa über den Bierpreis. Oder die neuen Fahrgeschäfte. Oder ob die Weltlage den Besuchern aufs Gemüt schlägt. Doch vor dem Auftakt des Stuttgarter Frühlingsfestes am Karsamstag ist wie so oft in den vergangenen Jahren das bestimmende Thema: Wie schützt man die Gäste?
Nach den Anschlägen von Magdeburg und München hat sich die Stadt noch einmal den Wasen genau angeschaut. Wo könnte Gefahr drohen, wenn nach ähnlichem Muster jemand mit einem Auto einen Anschlag begehen will? Fünf Zugänge gibt es, drei davon sind mit dem Auto befahrbar. Die Zufahrt über die Stadtbahngleise hat man bereits in den Vorjahren gesichert. Ordnungsamtschef Albrecht Stadler sagt, man habe nach 2016, nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin, die städtischen Flächen überprüft, wie sie baulich zu sichern sind. Augenfällig sind ja die Poller auf der Planie und überhaupt in der Innenstadt.
Lieferanten müssen auf den Platz können.
„Nun haben wir noch einmal jede Veranstaltung überprüft“, sagt Stadler. Und kam zum Schluss, auf dem Wasen muss man etwas tun. Vom Parkplatz her und der Hall of Fame unter der König-Karls-Brücke gibt es zwei Zugänge, über die man auf den Wasen fahren können muss: Schließlich bauen die Schausteller auf, bringen Lieferanten Bier, Essen, Trinken, Waren aller Art. Also brauchte man eine Mischung aus stationärer und temporärer Sperre. Mit Pollern, Beton und beweglichen Sperren wird sie diese Woche errichtet, „sodass die Zufahrt während der Öffnungszeiten nicht möglich ist“. Das kostet die Stadt 120 000 Euro für den Bau und das Betreiben der Anlagen.
Doch Infrastruktur ist nicht alles, 100 Polizisten werden jeden Tag auf dem Wasen unterwegs sein. Und dafür sorgen, wie es der Leiter der Wasenwache, Jörg Schiebe, ausdrückt, „dass wir ein schönes und friedliches Fest haben“. Womöglich ein so friedliches wie 2024. War das Frühlingsfest mal das Sorgenkind unter den Stuttgarter Festen, hat es sich ganz schön gemausert. Die Rückkehr nach den Coronajahren war glanzvoll mit vielen Besuchern und wenig Bambule. Das hat sich fortgesetzt. 2024 war die Zahl der Straftaten von 452 auf 324 Fälle gesunken. Ein Trend, der sich fortsetzen soll. „Wir sind vorbereitet“, sagt Schiebe. Es gilt wie beim Volksfest ein Waffen- und Messerverbot.
Zur Sicherheit trägt seit einiger Zeit die Wasenboje bei. Sie sorgt neben Hilfe für Frauen und Mädchen dafür, dass Sprüche, Belästigung und Grapschen als das wahrgenommen werden, was sie sind: eine Straftat. Beim Volksfest im Herbst 2024 hatten sie dort 150 Hilfeleistungen, das ging vom vermissten Kind übers Handy aufladen, verlorenen Handtaschen, Trunkenheit bis zu 50 Fällen von sexualisierter Gewalt.
Man muss zugeben, der Vergleich ist schwer. Das Volksfest hat mehr als 4 Millionen Besucher. Beim Frühlingsfest würde man sich trotz der drei Wochen Dauer sehr über 1,4 Millionen Besucher und damit so viele wie im Vorjahr freuen. Wenn wir schon bei den Zahlen sind: 230 Beschicker bauen ihre Karussells und Buden auf. Mit dem Wasenwirt, Göckelesmaier, Marcel Benz im Hofbräu-Zelt und der Almhütte Royal gibt es vier Festzelte. Dort kostet die Maß Bier bis zu 14,40 Euro. Billiger als beim Volksfest, aber bis zu 60 Cent teurer als beim Frühlingsfest vor einem Jahr.
Wie der Bierpreis wächst und gedeiht auch das Albdorf. 75 Prozent der Speisen dort kommen aus dem Land. Die Heimat als Verkaufsschlager. Das will man ausbauen. So wird ein Maibaum aufgestellt und drumrum getanzt. Wer sich lieber rumschleudern lassen will, als sich selbst im Kreise zu drehen, der kann dies etwa im neuen V-Maxx tun. Hoch-Rundfahrgeschäft heißt das in Amtsdeutsch und bedeutet, nur mit robustem Magen einsteigen. Wer es betulicher mag, für den gibt es die Rückkehr eines Klassikers: Die Super-Rutsche ist wieder da.
Wann geht es los?
Los geht es am Karsamstag um 11.30 Uhr, dann sticht Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann beim Wasenwirt das erste Fass an. Seit jeher gebührt dem Kämmerer diese Ehre, vielleicht weil man hofft, er sei auch mit den Schlägen sparsam. Den Schaustellern kann es nicht früh genug losgehen, dies ist für sie der Start in die Saison. „Für uns ist das eine ganz wichtige Veranstaltung“, sagt Schaustellervertreter Mark Roschmann. Sie setzt den Ton. Die Aussichten scheinen gut. Die Wirte melden ordentlich Reservierungen. Der VfB kickt zweimal zuhause während des Wasenrummels, schwäbische Festspiele gegen Heidenheim und Augsburg. Mit entsprechend viel Andrang. Und hoffentlich guter Laune. Auf dass man nach dem Fest über Freudvolles reden darf. Und nicht wieder über die Sicherheit reden muss.
Das 85. Stuttgarter Frühlingsfest
Öffnungszeiten
Samstags ist von 11 Uhr bis Mitternacht geöffnet, sonntags 11 bis 23 Uhr, montags bis donnerstags 12 bis 23 Uhr. Am Sonntag, 20. April, ist von 12 Uhr bis Mitternacht geöffnet, ebenso am Mittwoch, 30. April. Am Montag, 21. April, und am Donnerstag, 1. Mai, von 11 bis 23 Uhr.