Die meisten Besucherinnen und Besucher des Frühlingsfests sind jünger als 30 Jahre. Foto: Ferdinando Iannone

Jedes Jahr zieht das Stuttgarter Frühlingsfest hunderttausende Besucher an. Doch wer sind diese Menschen eigentlich – und wie erleben sie das Fest?

Die 23-jährige Jodie ist aus den USA fürs Frühlingsfest angereist. Mit Freundinnen und Freunden reist sie zwei Wochen lang mit dem Zug durch Deutschland, besucht Verwandte in Heidelberg – und macht für ein langes Wochenende Halt in Stuttgart. Für ihren Besuch hat sich Jodie extra ein Dirndl gekauft, ein „Vintage dress“, wie sie es nennt.

 

Dass das Stuttgarter Frühlingsfest Besucher aus aller Welt anzieht, zeigt sich nicht nur an Beispielen wie dem von Jodie. Eine Analyse anonymisierter Mobilfunkdaten von O2 Telefónica, ausgewertet durch Invenium Data Insights, gibt erstmals genaueren Einblick: Sie zeigt, wer sich in die Funkzellen rund um den Wasen einwählt und sich dort länger als eine Stunde aufhält. Für unsere Redaktion wurden die Daten der Frühlingsfest-Besucher aus 2025 und 2026 auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.

Mehr Männer als Frauen auf dem Frühlingsfest

Unter den Besuchern des Frühlingsfests sind mehr Männer als Frauen. Männer machten in diesem Jahr mit im Schnitt 57 Prozent die meisten Besucher aus, vergangenes Jahr waren es 58 Prozent. Am größten ist der Unterschied in der jüngsten Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen.

Die Grafik zeigt nach Geschlecht und nach Altersgruppen, wie viel Prozent der gesamten Besucher jede Gruppe ausmacht:

 Am Familientag mittwochs gleicht sich das Geschlechterverhältnis etwas mehr an: Dort machen Frauen immerhin 46 Prozent der Besucher aus.

Trotz des insgesamt höheren Männeranteils berichten Besucherinnen sehr unterschiedlich über ihr Sicherheitsgefühl auf dem Frühlingsfest. Die US-Amerikanerin Jodie fühlt sich auf dem Frühlingsfest sicher, „weil ich mit meinen Freunden unterwegs bin“, wie die 23-Jährige erklärt. Neben ihr und zwei weiteren Freundinnen sind zwei junge Männer Teil der Gruppe. Negative Erfahrungen mit Männern habe sie auf dem Wasen noch nicht gemacht, sagt sie. Auch wenn viele Betrunkene unterwegs seien. Sprüche gebe es da schon immer mal wieder.

Und dennoch wenden sich immer wieder Frauen an die Wasenboje, die es seit Herbst 2023 auf dem Wasen gibt und in Notsituationen Hilfe leistet. Seit ihrer Einführung wurden rund 200 Fälle erfasst. Bis Donnerstag, 30. April, kamen in diesem Jahr bereits 133 Fälle hinzu. Etwa 20 Prozent davon stufen die Mitarbeiterinnen als kritisch ein – darunter Fälle von sexueller Belästigung, körperlicher Gewalt, psychischen Krisen sowie Orientierungslosigkeit infolge von Alkoholkonsum.

Unter 30-Jährige am stärksten auf dem Frühlingsfest vertreten

Die meisten Besucher sind jünger als 30 Jahre. Diese Altersgruppe war sowohl in diesem als auch im vergangenen Jahr besonders stark an Samstagen vertreten – mit mindestens 36 Prozent stellte sie mehr als ein Drittel aller Besucher.

Da Kinder unter 18 Jahren aus Datenschutzgründen nicht gezählt werden, waren am Familientag (mittwochs) im letzten Jahr vor allem die 30- bis 50-Jährigen stärker vertreten – möglicherweise Eltern. In diesem Jahr wurde der erste Familientag offenbar weniger besucht, denn anders als im Vorjahr waren die 18- bis 29-Jährigen mit Abstand die größte Gruppe, wie diese Grafik zeigt:

Laut Veranstalter in.Stuttgart liege das daran, dass der betrachtete Familientag – an dem günstigere Preise, Kindermenüs und Familienprogramme locken – im letzten Jahr in die Osterferien fiel. „Grundsätzlich waren wir auch dieses Jahr sehr zufrieden und hatten eine sehr gute Besucherresonanz“, sagt Sprecher Dennis Hamann.

Neben dem Alter und dem Geschlecht verraten die Mobilfunkdaten auch im Detail, woher die Besucher kommen. Die meisten von ihnen leben in der Region Stuttgart und Umgebung, aber auch aus Frankfurt, Nürnberg und vom Bodensee reisen Besucher an. In dieser Tabelle können Sie nach Ihrer Kommune suchen:

Doch nicht nur aus der Region strömen die Besucher aufs Frühlingsfest. Wie Jodie kommen immer wieder Besucher aus den Vereinigten Staaten aufs Frühlingsfest. Letztes Jahr stellten sie an mehreren Tagen, darunter dem Eröffnungstag am 19. April, den größten Anteil der internationalen Besucher. Traditionell stark vertreten sind dabei neben den Vereinigten Staaten, Großbritannien sowie Italien und die Schweiz.

Europäische Nachbarn reisen immer wieder aufs Frühlingsfest

Traditionell sind zudem Schweizer, Österreicher, Italiener und Franzosen laut Veranstalter in.Stuttgart sowie den Festzeltwirten stark vertreten. Die folgende Grafik zeigt die Anteile der internationalen Besucher am Eröffnungs-Tag sowie am zweiten Samstag dieses und letztes Jahr:

Dan, Fred und Phil sind aus dem österreichischen Tirol für ein Wochenende in Stuttgart, weil DJ Ötzi nebenan in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle auftritt. Die drei Männer Ende 30 wollen erst das Konzert besuchen und dann noch weiter ins Festzelt. „Wir kommen nicht regelmäßig, aber immer mal wieder aufs Frühlings- oder Volksfest“, erzählen sie.

Dan, Fred und Phil sind aus Tirol zum Frühlingsfest angereist. Foto: Nina Scheffel

Laura und Rosario aus der Nähe von Mailand sind extra fürs Stuttgarter Frühlingsfest aus der Lombardei angereist. Die beiden Mitte 20-Jährigen verbinden den Besuch mit einer Woche in Süddeutschland und Bayern, unter anderem mit Stopps in Tübingen, Heidelberg und München. „Wir sind das erste Mal hier“, sagen sie. Sie schätzen die „familiäre“ Atmosphäre – es sei nicht so groß wie das Oktoberfest in München, aber trotzdem sehr unterhaltsam und eine gute Gelegenheit, schon im Frühjahr zu feiern.

Über die Besucher

Mobilfunkdaten
Die Informationen über die Besucher der Frühlingsfeste 2025 und 2026 in Stuttgart liefert der Telekommunikationsanbieter O2 Telefónica gemeinsam mit dem Analysespezialisten Invenium Data Insights auf Basis anonymisierter und aggregierter Mobilfunkdaten. Betrachtet wurde dafür jeweils die gesamte erste Woche der Feste, inklusive dem Eröffnungs-Wochenende. Rückschlüsse auf Einzelpersonen sind nicht möglich. Aus Datenschutzgründen sind zudem unter 18-Jährige aus den Daten ausgeschlossen.

Herkunft der Besucher
Um anzugeben, woher die Besucherinnen und Besucher angereist sind, wird jeweils betrachtet, an welchem Ort eine Person die letzte Nacht verbracht hat. Welche Nationalität die Besucher haben, ermitteln Telefónica und Invinium über die IMSI – eine eindeutige Nummer, die auf jeder SIM‑Karte gespeichert ist und einen Ländercode enthält, der angibt, in welchem Land die Karte registriert ist.