Marcel Benz war der Vorreiter. Nun führen auch die anderen Wirte die App „Safe Now“ in ihren Zelten ein. Ein Knopfdruck – und es kommt Hilfe.
Sicher sein, das bedeutet nicht immer, sich auch sicher zu fühlen. Zwei Millionen Besucher, 400 Straftaten, so ist das Verhältnis beim Stuttgarter Frühlingsfest. Doch eine Statistik beruhigt halt niemanden. Festwirt Marcel Benz hat deshalb vor zwei Jahren die App „Safe Now“ in seinem Zelt eingeführt. Nun ziehen die anderen Wirte nach.
Wie funktioniert das? In ihren Zelten weisen Benz und seine Kollegen Karl Maier, Fritz Weeber und Nina Renoldi auf die App hin. Die kann jeder kostenlos herunterladen. Im Zelt werden sogenannte Beacons aufgehängt, handflächengroße Kästen, die das Signal orten und die Ordner im Zelt alarmieren. „Wir wissen dann bis auf den Meter genau, woher das Signal kommt“, sagt Benz. Man könne so noch schneller Hilfe leisten als bisher. Und kritische Situationen unterbinden zu können, bevor sie eskalieren. „Die Erfahrungen sind durchweg positiv“, sagt Benz. Es gehe nicht nur um Straftaten, betont Benz. Medizinische Notfälle, Menschen trinken mehr als ihnen gut tut, Kinder gehen verloren, bei zigtausenden Menschen auf engem Raum passiert vieles.
Um Schlimmes zu verhindern
Die App „Safe Now“ wurde von Tilman Rumland entwickelt und vertrieben. Nach einem furchtbaren Vorfall. Seine Freundin war auf der Toilette in einem Club von zwei Männern sexuell missbraucht worden – obwohl Security-Mitarbeiter nur wenige Meter entfernt war. Aber sie konnte nicht auf sich aufmerksam machen. Damit das anderen nicht passiert, entwickelte Rumland die App.
Und sie funktioniert. Wie etwa die Bahn an einem Pilotprojekt in Berlin erkundete. Eine Frau fuchtelte mit einem Messer herum. Und drohte am Bahnhof Südkreuz in Berlin einen Lokführer zu attackieren. Eine Kollegin sah das, öffnete die „Safe-Now“-App auf ihrem Smartphone, drückte auf einen blauen Alarmknopf auf dem Gerät, ließ ihn los, im selben Moment schrillten die Handys bei Polizisten und Mitarbeitern der Bahn. Fast auf den Meter genau sahen die Helfer auf ihren Telefonen, wo der Alarm ausgelöst worden war. Drei Minuten später war die Polizei da, nahm die Frau fest. Dem Zugführer ist nichts passiert.
Dieses Beispiel findet sich im Abschlussbericht der Bahn dieses drei Monate währenden Pilotprojekts am Bahnhof Südkreuz. Die Erfahrungen mit der App „Safe Now“ waren so positiv, dass sie am Bahnhof Hamburg eingeführt wurde. Ebenso wird sie in Festzelten beim Oktoberfest, in Freibädern, bei CSD-Paraden sowie in New York, der Türkei, dem Iran, dem Irak und der Ukraine heruntergeladen – mittlerweile deutlich häufiger als in Deutschland. Denn man kann sich auch untereinander vernetzen mit Personen seiner Wahl – und so aufeinander aufpassen.
Wenn Marcel Benz sich etwas wünschen dürfte, dann, dass man auch den Festplatz und den Cannstatter Bahnhof mit einbezieht. Dass also auch dort Security mit der App alarmiert werden kann, dass auch dort sich die Menschen sicher fühlen.