Das Warenangebot auf dem Krämermarkt ist vielfältig. Foto: Mierendorf

Von Anfang an dabei: Auf dem 75. Krämermarkt des Stuttgarter Frühlingsfests werden vom 20. April bis zum 12. Mai traditionelle Waren gehandelt.

Stuttgart - Sie sind schon im frühen 14. Jahrhundert als feste Einrichtung auf städtischen Märkten nachgewiesen: die Krambuden auf dem Frühlingsfest, bei denen man sich mit allerlei Kleinwaren für das tägliche Leben eindecken konnte. Kram stammt vom althochdeutschen chrâm und steht für eine Ansammlung kleiner Teile unterschiedlichster Herkunft. Jene Geschäftsleute, die von Markt zu Markt reisten und damit handelten, wurden daher Krämer genannt, im Gegensatz zu den Holz- und Viehhändlern.

Auch auf dem Canstatter Wasen werden traditionell Waren gehandelt. Historische Schriften zeigen, dass es bereits im Jahr 1835 Verbindungen zwischen einigen Krämern und dem Volksfest gab. Und auf dem Frühlingsfest findet heuer der Krämermarkt bereits zum 75. Mal statt, war er doch schon beim allerersten Frühlingsfest mit dabei. Und damals wie heute sind dort Artikel in enormer Bandbreite zu finden, die sonst nicht allenthalben feilgeboten werden.

Vom Tee bis zu den Socken

Ein Spaziergang durch die Gänge ist ein wahres Feuerwerk für die Sinne. Da entführt der Duft von allerlei exotischen Gewürzen und Tees in andere Gefilde, dort bieten Parfüms, Cremes und Naturheilmittel Wellness für zu Hause. Etwas weiter wiederum locken Sonnenbrillen, Lederwaren oder Kleidung jeglicher Couleur. Auch Edelstahlschäler, Pfannen und Töpfe, Schafwolldecken- und Kissen, Schmuck, Halbedelsteine, Haarbürsten und Glaskunst sind zu entdecken, genauso wie besondere Putzutensilien und Reinigungsmittel.

Warteliste bei den Händlern

„Der Krämermarkt ist sehr gut sortiert, darauf achten die Veranstalter“, sagt Peter Wermescher, Vorstandsmitglied des Landesverbandes Schausteller und Marktkaufleute Baden-Württemberg e. V.. Beim Frühlingsfest sind auf dem Wasen etwa 30 Marktkaufleute mit ihren Ständen vertreten und die Stellplätze über Jahre hinaus ausgebucht. Für Neuzugänge gibt es eine nicht gerade kurze Warteliste, denn bei manchen Händlern kommt es erst zu einem Wechsel, wenn einer von ihnen altershalber aufhört. So handelte die Familie von Peter Wermescher – wie viele andere Kollegen auch – bereits in den fünfziger Jahren auf dem Wasen mit Heilmitteln und Kosmetika. „Es gibt Quereinsteiger“, so Wermescher, „aber die meisten Marktkaufmänner und -frauen haben Traditionsbetriebe. Man wird in das Geschäft hineingeboren. Wenn man mit diesem besonderen Vertriebsweg von Waren von klein auf aufwächst, dann tut man dies mit Herzblut.“

Marktkaufleute sind Spezialisten auf ihrem Gebiet

Ein solcher Markt biete kleineren Geschäften die Möglichkeit, sich in größeren Städten zu präsentieren. „Es kommt viel Stammkundschaft, aber so lernt uns auch neue Laufkundschaft kennen – und viele bleiben kleben.“ Die fragen denn auch nach, auf welchen Märkten sonst die Händler noch ihre Artikel anbieten, oder sie bestellen diese dann online. „Das Geschäft im Internet nimmt ständig zu“, betont Wermescher und schmunzelt. „Wir Marktkaufleute schlagen die Brücke zwischen der virtuellen Welt und dem alten traditionellen Krämermarkt.“ Letzterer spiele dabeimit seiner einzigartigen Atmosphäre eine wichtige Rolle. „Dort können Kunden auf überschaubarem Raum unterschiedlichste Waren anschauen, ausprobieren und tief in die Materie eindringen, da sie beste Beratung bekommen. Jeder der Marktkaufleute ist ein Spezialist auf seinem Gebiet.“

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