Nein heißt Nein – ein Mädchen im Freibad Tettnang (Bodenseekreis) zeigt, was sich die Frauenbeauftragte der Stadt diesen Sommer ausgedacht hat: Mit einem Klebetattoo auf der Haut sollen potenzielle Grapscher abgeschreckt werden Foto: dpa

Flüchtlinge, die in Freibädern Mädchen begrapschen – ja, das gibt es. Aber zumindest die Stuttgarter Polizei hat in diesem Sommer erstaunlich wenige Fälle auf den Tisch bekommen.

Stuttgart - Auch wenn aufsehenerregende Einzelfälle einen anderen Eindruck erwecken: Sexuelle Übergriffe in Bädern sind trotz des Flüchtlingszustroms nach wie vor die Ausnahme – zumindest in Stuttgart. Nach Informationen unserer Zeitung regis­trierte die Polizei in der Landeshauptstadt aus den acht Freibädern (fünf städtische und drei private) dieses Jahr bis Ende August drei Strafanzeigen wegen sexueller Belästigung. Hinzu kamen seit Jahresbeginn sechs Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in den Hallenbädern der Stadt.

Gegenüber 2015 (insgesamt sieben Fälle) könnte sich somit die Zahl der gemeldeten Fälle in diesem Jahr zwar fast verdoppeln. In absoluten Zahlen aber – und auch angesichts der Fallzahlen bei anderen Delikten – sind sexuelle Übergriffe in Bädern ein geringes Problem. „Bei uns ist das kein großes Thema“, heißt es bei der Stuttgarter Polizei.

Im Land bewegen sich die Zahlen auf Vorjahresniveau

Auch landesweit gibt es offenbar keinen markanten Anstieg. „Die Zahlen bewegen sich bislang in etwa auf Vorjahresniveau“, heißt es im Stuttgarter Innenministerium. Vergangenes Jahr wurden in Baden-Württembergs Bädern insgesamt 89 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung regis­triert – das sind weniger als vor Beginn des Flüchtlingszustroms: Im Jahr 2011 zum Beispiel registrierte man 100 solcher Delikte.

Eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung liegt zum Beispiel vor, wenn ein Mädchen begrapscht wird oder sich ein Mann vor ihr entblößt. Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hatten im ersten Halbjahr einen starken Anstieg solcher Fälle in ihren Bädern gemeldet – und dies auch auf den Flüchtlingszustrom zurück geführt.

In den fünf städtischen Bädern wurde diesen Sommer an Tagen mit vielen Besuchern erstmals ein privater Sicherheitsdienst eingesetzt, um das Aufsichtspersonal zu entlasten. Die ersten Erfahrungen seien gut, heißt es. Insgesamt zählten die städtischen Freibäder diese Saison rund 665 000 Besucher.

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