Ellen Lincke, Traude Stabenow und Gudrun Erlewein (v.l.) sind im Vorstand des Vereins der Stuttgarter Frauen Foto: Michael Steinert

Der Verein Stuttgarter Frauen ist aus dem Hausfrauenbund heraus entstanden und steht vor vielen Herausforderungen. Eine davon: Wenig jüngere Frauen sind im Verein.

S-Süd - Das Ehrenamt stirbt aus. Keiner will heute noch unentgeltlich arbeiten. Das meint Traude Stabenow, die sich seit mehr als vier Jahrzehnten im Stuttgarter Frauenverein engagiert, zurzeit als Schriftführerin. Während sie diese gesellschaftliche Entwicklung weg vom Ehrenamt bedauert, freut sie sich darüber, wie sich der Frauenverein, der 1954 als „Hausfrauenbund Stuttgart“ gegründet wurde, verändert hat. „Wenn ich heute erzähle, wie wichtig damals politische Weiterbildung für uns war, kommt es mir so vor, als sei das in der Steinzeit gewesen“, sagt Stabenow. Viele Errungenschaften wie die berufliche Selbstbestimmung seien heute für Frauen so selbstverständlich, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen könnten, wie ihre Mütter und Großmütter gelebt hätten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich in Stuttgart Frauen zusammengefunden und einen Bund gegründet. Das Ziel war, dass Hausfrauen sich weiterbilden konnten. Und zwar überparteilich und überkonfessionell. Die Frauen beschäftigten sich auch mit Politik oder Literatur, damals noch klassische Domänen der Männer. „Der Bund sollte die Frau aus ihrem Alltag mit Kindern und Haushalt holen“, erzählt Stabenow.

Angebote für den Stadtbezirk

Heute haben junge Frauen eine bessere Schul- und Berufsausbildung und wollen in der Regel auch in der Ehe weiter arbeiten. Um die Veränderung nach außen hin zum Ausdruck zu bringen, haben die Frauen konsequenterweise ihren Verein vor vier Jahren umbenannt. Stuttgarter Frauen heißen sie seitdem. Sie bieten in erster Linie eine Begegnungsstätte für Menschen aus dem Stadtbezirk Süd an. Einmal wöchentlich treffen sich Senioren im Fangelsbachtreff zu einem Nachmittag mit Kaffee, Bewegung und Gedächtnistraining.

Zusätzlich stehen weiterhin Kurse zur Weiterbildung und Freizeitgestaltung auf dem Programm: von Französisch und Englisch bis hin zu Computerkursen oder politischen Gesprächskreisen. Doch das Angebot findet nicht nur im Haus statt. „Regelmäßig nehmen wir gemeinsam an einer Stadtrundfahrt teil oder sind bei einer Gemeinderatssitzung dabei“, erzählt Gudrun Erlewein, die seit einigen Jahren nicht nur Vorsitzende des Vereins, sondern auch Leiterin des Fangelsbachtreffs ist. „Um die 100 Leute haben wir jede Woche hier, die unsere Angebote nutzen“, sagt sie.

Am Nachwuchs fehlt es

Heute haben die Stuttgarter Frauen vor allem das Problem, Nachwuchs zu finden: Das Interesse an ihrem Angebot ist besonders bei den Jüngeren gering. Zudem haben berufstätige Frauen tagsüber in der Regel keine Zeit, Kurse zu besuchen. „Unsere Mitglieder werden deshalb immer älter“, sagt Erlewein. Rund 90 Prozent der Mitglieder seien bereits im Rentenalter. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Inzwischen nehmen auch Männer an den Ausflügen der Stuttgarter Frauen teil. „Zwei sind auch schon Mitglied im Verein geworden“, sagt Gudrun Erlewein stolz.

Neben dem Kursangebot sehen die Stuttgarter Frauen ihre Aufgabe besonders in sozialem und politischem Engagement sowie im kulturellen Austausch. Sie kooperieren mit dem türkischen Frauenverein und sind im Landesfrauenrat Baden-Württemberg vertreten. Noch immer setzen sie sich für die Interessen von Frauen ein, heute jedoch sowohl für Erwerbstätige als auch für Nicht-Erwerbstätige.

Steckbrief:

Anschrift: Fangelsbachstraße 19 Telefon: 0711/60 60 50 Mail: stuttgarterfrauenev@yahoo.de Homepage: www.stuttgarterfrauenev.de

Vorsitzende: Gudrun Erlewein Gründungsjahr : 1954 Mitgliederzahl: 150

Weitere Informationen gibt es im Vereinswegweiser der Stadt Stuttgart.

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