Der Mann im Mittelpunkt: Jermaine Guynn ist neuer Cheftrainer der Stuttgart Scorpions. Foto: StZN

Jermaine Guynn wird neuer Trainer des American-Football-Erstligisten Stuttgart Scorpions, bei dem es einen Monat nach der hitzigen Mitgliederversammlung weiterhin brodelt.

Stuttgart - Die Stuttgart Scorpions haben viel aufzuarbeiten. Hinter dem Team liegt die schlechteste Saison in der German Football League (GFL) in diesem Jahrtausend mit dem knappen Klassenverbleib. Und weil sich kein Nachfolger für den ausgeschiedenen Markus Würtele fand, steht der Club seit der Mitgliederversammlung Mitte September auch ohne Vorsitzenden da. Damals gab es hitzige Diskussionen um die künftige sportliche Ausrichtung des Vereins – und es ist einen Monat später immer noch keine Ruhe eingekehrt.

Das heftigste Brodeln dreht sich um die Personalie Gunther Braschler. Der U-19-Trainer zählte bei der Mitgliederversammlung zu denjenigen, die Kritik an den Plänen des Vorstands äußerten. Künftig wird er das Nachwuchsteam nicht mehr coachen. Ein „beschädigtes Vertrauensverhältnis“ wurde als Grund für die Trennung angegeben. Gegen den Trainerwechsel protestieren etliche U-19-Spieler offen. „Wenn Menschen mit Veränderungen zu tun haben, ist das am Anfang immer schwierig. Manche Jungs konnten mit ihm, andere nicht“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Sebastian Putz, der mit Erwin Schmidt, Carolin Wenzelburger (beide ebenfalls stellvertretende Vorsitzende) und Michael Hulsmann (Schatzmeister) das Scorpions-Führungsteam bildet. „Ich kann jedem versichern, dass ein Großteil des Vereins nicht brodelt.“ Den Posten von Gunther Braschler übernimmt Mario Campos Neves (zuletzt in den USA tätig).

Ex-Coach Fabian Birkholz wäre „gerne länger geblieben“

Die GFL-Mannschaft wird nach der Trennung von Fabian Birkholz künftig von Jermaine Guynn trainiert. Er soll sie zurück in ruhigeres Fahrwasser lenken. „Er ist ein alter Scorpion und kennt unsere Belange von Grund auf“, sagt Sebastian Putz. Jermaine Guynn lief in den vergangenen zwei Spielzeiten für die Swarko Raiders Tirol als Verteidiger auf und war zuletzt schon als Assistenzcoach Teil des Stuttgarter Trainerstabs. „Ich bin natürlich nicht zufrieden damit, ich wäre gerne länger geblieben“, sagt Fabian Birkholz zu seinem Abschied, „das Vertrauen in mich als Trainer war nicht mehr da. Mit ein paar Entscheidungen, die der Vorstand getroffen hat, war ich nicht einverstanden.“

Es geht dabei vor allem auch um die Einstellung eines hauptamtlichen Offensive Coordinators. Das ist die rechte Hand des Cheftrainers für die Angriffsbemühungen, wobei der „Feierabendcoach“ Fabian Birkholz diese Funktion selbst mit ausfüllte. Das sollte künftig nicht mehr der Fall sein. Die gesamte neue Ausgestaltung seiner Rolle missfiel ihm, weshalb es zu der Trennung kam. Seine Zukunft ist noch offen, er hat jedoch Angebote und wird wohl weiter in der GFL-Südstaffel coachen.

Kommt Anthony Gardner als Offen­sive Coordinator oder nicht?

Für die Rolle des hauptamtlichen Offen­sive Coordinators haben die Scorpions nach Informationen unserer Zeitung Anthony Gardner verpflichtet, der bisher als Quarterback für die Ljubljana Silverhawks spielte. Sebastian Putz möchte den Namen weder bestätigen noch dementieren, da der Deal trotz gültigen Vertrags noch platzen könnte. „Er hat ein super Angebot aus Ohio bekommen. Wir können und wollen ihn nicht zwingen, nach Deutschland zu kommen“, sagt er. „Wir sind an einer Lösung dran.“

Gleiches gilt für die Lücke, die Ex-Boss Markus Würtele hinterlassen hat. Seine Aufgaben werden verteilt, der eine oder andere neue Helfer ist schon dazugekommen. Fakt ist: Die Arbeit geht den Scorpions nicht aus. „Wir haben noch viele weitere ehrenamtliche Posten zu vergeben“, sagt Sebastian Putz.

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