Dieses große EnBW-Gelände in Möhringen soll künftig von der Stuttgarter Feuerwehr genutzt werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Jahrelang hat die Stadt Stuttgart vergeblich nach einem großen Gelände für das Aus- und Fortbildungszentrum der Feuerwehr gesucht. Jetzt besteht nach zähen Verhandlungen offenbar Gewissheit: Die Lösung ist gefunden.

Der Stuttgarter Feuerwehr dürfte es vorkommen wie eine verfrühte Bescherung. Doch schließlich hatte sie zuvor lange genug gewartet. Jahrelang hatte die Stadt vergeblich nach einem rund 15 000 Quadratmeter großen Grundstück gesucht, auf dem ein dringend benötigtes neues Aus- und Fortbildungszentrum für knapp 2000 haupt- und ehrenamtliche Feuerwehrleute entstehen könnte. Im dicht bebauten Stuttgart ein schwieriges Unterfangen. Die Verzweiflung wuchs, eine Interimsunterbringung in der maroden alten Feuerwache 5 in Degerloch wurde noch einmal verlängert. Zwar ist die frohe Kunde noch nicht offiziell, aber offenbar gibt es jetzt eine Lösung.

 

Die kommt von der Energie Baden-Württemberg (EnBW). Sie verfügt direkt neben der neuen Feuerwache 5 an der Sigmaringer Straße in Möhringen über ein entsprechendes Gelände. Dass der Energiekonzern verkaufsbereit ist, steht im Grunde bereits seit Sommer vergangenen Jahres fest. Seit damals verlautete von beiden Seiten allerdings immer wieder nur, man sei in Gesprächen. Bis jetzt. Nach Informationen unserer Zeitung hat man sich geeinigt. Der Kaufpreis soll bei rund 10,5 Millionen Euro liegen. Der Vertrag ist offenbar noch nicht unterschrieben. Es geht noch um Details – etwa die Frage, was passiert, falls die Stadt das Gelände jetzt kaufen, aber dann doch nicht für die Feuerwehr verwenden sollte. Sowohl bei EnBW als auch Stadt heißt es offiziell immer noch: „Wir sind weiterhin in Gesprächen.“

Weil die Verhandlungen sich so lange hinzogen und zudem von der Stadt keinerlei Zwischenstände verlauteten, waren viele Stadträte zuletzt nervös geworden. Noch vor wenigen Tagen gab es deshalb einmal mehr diverse Anträge von fast allen Fraktionen im Gemeinderat, in dem sie mit Nachdruck forderten, sich intensiv um das EnBW-Grundstück zu bemühen und das Gremium noch vor Weihnachten zu informieren. Das ist jetzt offenbar erfolgt.

Die Erleichterung ist allenthalben groß. „Das ist ein gigantisches Weihnachtsgeschenk für die Stuttgarter Feuerwehr“, sagt SPD-Stadträtin Maria Hackl, die seit Jahren auf eine Lösung drängt. Ebenso wie Friedrich Haag von der FDP. „Die Einigung ist ein großer Erfolg und ein entscheidender Schritt für unsere Feuerwehr und die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger“, sagt er. Es handle sich um ein „starkes Signal für die Feuerwehrleute, die tagtäglich für uns im Einsatz sind“.

Direkt neben dem EnBW-Gelände ist die Feuerwehr im Mai in die neue Wache 5 gezogen. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Aktuell nutzt die Netze BW das Areal als Bezirksstelle für den Netzbetrieb. „Ab Januar werden die Flächen ausschließlich von Stuttgart Netze genutzt. Die Laufzeit ist bis zum 30.06.2025 vereinbart“, sagte zuletzt eine EnBW-Sprecherin unserer Zeitung. Zudem unterhalte dort eine Baufirma ein kleines Außenlager für Materialien, die für die Netzinstandhaltung genutzt würden. Wann das Gelände für die Stadt nutzbar sein wird, ist derzeit noch offen. Für die Feuerwehr aber steht ohnehin die wichtigste Erkenntnis im Vordergrund: Es zeichnet sich endlich eine Zukunft für die Ausbildung der Retter in der Landeshauptstadt ab.