In Duisburg sind im Jahr 2010 wegen mangelhafter Fluchtwege 21 Menschen bei der Loveparade gestorben. Foto: dpa

Auf dem Cannstatter Wasen werden erneut die Fluchtwege verbessert. Auch fürs Lichterfest 2013 gibt es ein neues Sicherheitskonzept.

Stuttgart - „Die Risikobetrachtungen haben sich in den letzten Jahren geändert“: Mit diesem Satz hat OB Fritz Kuhn (Grüne) begründet, warum er den Stuttgarter Fernsehturm gut 57 Jahre nach der Eröffnung für Besucher sperrte. Dabei erwähnte er auch Duisburg, wo 2010 wegen mangelhafter Fluchtwege 21 Menschen bei der Loveparade gestorben waren – was den dortigen Oberbürgermeister das Amt kostete.

Duisburg hat viele an ihre Verantwortung für die Vermeidung von Katastrophen erinnert und die Furcht vergrößert, dass man im Fall der Katastrophe zur Rechenschaft gezogen wird. Auch in Stuttgart zieht dieses Unglück bis heute teure Nachrüstungen beim Brandschutz sowie bei den Rettungs- und Fluchtwegen nach sich.

Auf dem Cannstatter Wasen werden in diesem und im kommenden Jahr mit einem Aufwand von knapp einer Million Euro die Fluchtwege verbessert und die Stadtbahnhaltestelle sicherer gemacht – dort, wo sich die Besucherströme von und zum Volksfest sowie manchmal bis zu 500 wartende Stadtbahnfahrgäste treffen.

Zusätzlicher Fluchtweg vom Wasen in Richtung Talstraße

Der Überweg über die Stadtbahngleise von und zum Wasen wird mit einem Aufwand von 300.000 Euro um sechs auf 18 Meter verbreitert. Um Platz zu schaffen, soll die komplette Stadtbahnhaltestelle samt der Verkaufsstelle für Fahrkarten um etwa 25 Meter in Richtung König-Karls-Brücke rücken. Das kostet 380.000 Euro. Nur für den Not- oder Katastrophenfall wird zwischen der Haltestelle und der Feuerwehrzufahrt zum Wasen ein weiterer, 24 Meter breiter Fluchtweg über die Stadtbahngleise hinweg geschaffen. Im Normalfall soll er mit acht Toren von je drei Meter Breite geschlossen sein. Die Kosten: rund 260.000 Euro. Die Stadt wird der Stuttgarter Straßenbahnen AG dafür 750.000 Euro zur Verfügung stellen, wenn die Stadträte dies Mitte April ­genehmigen.

„Das ist das vorläufige Ende der Nachrüstung, aber wahrscheinlich nicht für alle Zeiten“, sagt Andreas Kroll, Chef der städtischen Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. Gleich nach der Katastrophe von Duisburg hatte er zunächst einen zusätzlichen Fluchtweg vom Wasen in Richtung Talstraße einrichten lassen. Auf dem Festgelände selbst wurden Fluchtwege, etwa beim Krämermarkt anlässlich des Volksfestes, um bis zu sechs Meter verbreitert.

2011 wurden bei der Stadtbahnhaltestelle mit einem Aufwand von 440.000 Euro zwei provisorische Treppenanlagen gebaut, die im Notfall freigegeben werden sollten, falls Besuchermassen vom Wasen flüchten müssen und in Richtung Mercedesstraße streben. Beim Volksfest 2013 wird es nur noch eine dieser Treppen geben, weil der zusätzliche Überweg von 24 Meter Breite zur Verfügung stehen dürfte. Die andere Treppe wird es beim Volksfest weiterhin geben – nach den Berechnungen eines Sachverständigen kann sie künftig aber etwas schmaler sein. „Die Verbreiterung des bestehenden Übergangs kann erst 2014 realisiert werden“, sagt Kroll.

Breitere Gänge auf dem Weihnachtsmarkt

„Nach Duisburg wurden die Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen auf den Kopf gestellt“, resümiert der Chef der Veranstaltungsgesellschaft. Nicht nur auf dem Wasen gab es Korrekturen. Schon beim Weihnachtsmarkt 2010 achtete man strenger als früher auf die Einhaltung von drei Meter breiten Gängen zwischen den Verkaufsständen. Zur Eröffnung im Hof des Alten Schlosses kamen rund 100 Gäste nicht durch. Der Sicherheitsdienst hatte den Auftrag, beim Stand von 750 Besuchern das Tor dichtzumachen.

Beim Sommerfest wurden 2011 hinter dem Neuen Schloss Tische und Sonnenschirme für bessere Fluchtmöglichkeiten ­geopfert.

2013 wird für das Lichterfest im Höhenpark Killesberg das Sicherheitskonzept überarbeitet, sagt Kroll. Das sei nötig, weil sich die Verhältnisse durch den Bau des Stadtteilzentrums und der neuen Wohnblöcke neben dem Park verändert haben.

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