Bernd Klingler muss sich des Verdachts erwehren, dass er für finanzielle Unregelmäßigkeiten in der FDP-Fraktion verantwortlich ist Foto: Peter Petsch

Die eigene Fraktion im Stuttgarter Rathaus hat den bisherigen Vorsitzenden Bernd Klingler in schwere Bedrängnis gebracht. Wegen „Unregelmäßigkeiten“ bei der Führung der Fraktionsfinanzen hat sie Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) um Aufklärung gebeten.

Stuttgart - Nach dem Rücktritt des FDP-Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Rathaus wird dort untersucht, ob sich Bernd Klingler an Fraktionsgeldern vergriffen haben könnte.

Ein Sprecher der Stadtverwaltung sagte unserer Zeitung, die FDP-Fraktion selbst habe den für Rechtsfragen zuständigen Bürgermeister Martin Schairer (CDU) schriftlich über Unregelmäßigkeiten bezüglich der Fraktionsfinanzen informiert und ihn gebeten, tätig zu werden. Daraufhin habe man das Rechnungsprüfungsamt und das Rechtsamt der Stadt eingeschaltet. Der Sachverhalt werde unter allen rechtlichen Gesichtspunkten, auch in strafrechtlicher Hinsicht, betrachtet. Einzelheiten könne man aus Rücksicht auf das laufende Verfahren nicht mitteilen. OB Fritz Kuhn (Grüne) ist über den Sachverhalt informiert.

Nach Informationen unserer Zeitung wird Klingler von Parteifreunden zur Last gelegt, dass der die Fraktionskasse nicht im Rathaus geführt habe, sondern in seinem Geschäftsbüro in Stuttgart-Weilimdorf. Auch der Verdacht, dass er Gelder zumindest vorübergehend zu anderen Zwecken entnommen haben könnte, steht im Raum. Klingler, der eine Werbeagentur hat, beteuerte gegenüber unserer Zeitung seine Unschuld: „Mein Gewissen ist rein.“ Die Kasse habe er in seinem Büro geführt, weil es einfacher gewesen sei. Jeden Kassenvorgang habe er aber „penibel genau“ in einem Kassenbuch notiert, das im Rathaus deponiert gewesen sei. Er habe „mit Sicherheit nichts für andere Zwecke entnommen“. Das Schreiben der Fraktion an Schairer kenne er nicht.

Klingler beklagt, dass man versuche, ihm Fehler anzukreiden, weil man die Art und Weise seiner Fraktionsführung nicht möge. Er behalte sich vor, Anzeige wegen übler Verleumdung zu erstatten.

Die FDP kommt durch den Vorgang in immer schwereres Fahrwasser. Die vierköpfige Fraktion soll jetzt vom stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Heinz Lübbe geführt werden, der allerdings gesundheitlich schwer angeschlagen ist. Deswegen werde hier Stadtrat Matthias Oechsner helfen, sagte Lübbe den Stuttgarter Nachrichten.

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