Der FSV Waldebene Stuttgart-Ost steht kurz vor dem Aufstieg in die Bezirksliga. Coach Rocco Cesarano verrät, wie er das einst undisziplinierte Team auf Spur gebracht hat.
Vor dem Endspurt um den Aufstieg in die Fußball-Bezirksliga sammelt Rocco Cesarano noch einmal die nötigen Kräfte. Der Trainer des FSV Waldebene Stuttgart-Ost verbringt die Zeit bis zum Heimspiel des Kreisliga-A2-Spitzenreiters am Sonntag (15 Uhr) gegen die Spvgg Stetten im Kurzurlaub in Hamburg. „Ich muss nicht immer Fußball um mich herum haben, es ist ja auch nur ein Hobby“, sagt Cesarano. In seiner Abwesenheit leitet der Co-Trainer Deniz Kumas das Training. Den 23-Jährigen sieht Cesarano nicht als seinen Assistenten, sondern „als meinen Trainerkollegen“. Er selbst ist zwar der Chef, aber keiner, der sich in den Vordergrund drängt, vielmehr versteht er sich als Teil eines großen Ganzen.
Was freilich unstrittig unter Cesaranos Verantwortung fällt: Unter ihm ist auf der Waldebene der Erfolg eingekehrt. Und er wird mit ziemlicher Sicherheit der Erste sein, dem es gelingt, ein Männerteam des Vereins ins Stuttgarter Fußball-Oberhaus zu führen. Bei aktuell zwölf Punkten Vorsprung sollte in dieser Hinsicht nichts mehr schief gehen.
Das Erfolgsrezept? Wie es gelungen ist, aus einer als Chaoshaufen verschrienen Mannschaft einen Titelanwärter zu formen? Cesarano erkennt ein Zusammentreffen von mehreren „glücklichen Umständen“. „Die Mannschaft, das Trainerteam und die Verantwortlichen im Verein, das ist einfach ein super Match“, sagt er.
Nach zwölf Trainerjahren bei der Sportvg Feuerbach (Jugend und Aktive), die mit einer Entlassung im Abstiegskampf endeten, zog es Cesarano im vergangenen Sommer vom Stuttgarter Norden hinauf in den Osten. „Das war eher ein ungeplantes Ding“, sagt der Coach, der die Offerten des Fusionsvereins (SV Gablenberg, Spvgg Stuttgart-Ost und 1. FV Stuttgart 1896) zunächst ausgeschlagen hatte. Letztlich fanden beide Seiten aber doch zusammen. „Ich bin generell jemand, der viel auf junge Spieler und eigene Talente setzt. Da hat der Verein ein unfassbares Potenzial. Das hat mir sehr gefallen, und das war einer der entscheidenden Faktoren“, sagt der Coach.
Ansonsten betraten er und sein Trainerteam in der Staffel 2 und auf der Gablenberger Höhe Neuland. „Wir kannten die Begebenheiten dort nicht, wussten aber, dass wir uns auf etwas Neues einstellen mussten“, sagt Cesarano. Mittlerweile sei eine eingeschworene Einheit entstanden. Nicht mit Drill, sondern indem der Trainer die Spieler in Entscheidungen einbezieht und den Spaß in den Vordergrund stellt. „Ich will, dass die Jungs mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Deshalb erlaube ich ihnen auch viele Freiheiten und die Möglichkeit, sich einzubringen“, berichtet Cesarano. Er habe verstanden, dass sich die Gesellschaft und die Bedürfnisse der Spieler verändert haben und sein eigener Ansatz sich anpassen musste. Der Trainer Cesarano von heute ist ein anderer als vor 15 Jahren.
Die Ergebnisse geben ihm recht. Zuletzt haben die Seinen elfmal in Serie gewonnen. In der Liga sind sie seit Mitte Oktober unbesiegt. Mit einem weiteren Dreier am Sonntag wäre ihnen mindestens die Relegationsteilnahme schon sicher. Am Spieltag darauf könnte der erste Matchball zum Meistertitel folgen.
Cesarano: „Das ist nicht mein Naturell“
Trotzdem nimmt Cesarano die Wörter „Aufstieg“ und „Meisterschaft“ nicht in den Mund. „Das ist einfach nicht mein Naturell, Dingen vorwegzugreifen“, sagt der Coach, der im Beruf für städtische Unternehmen arbeitet. Trotzdem hat der ehemalige Bezirksligaspieler intern bereits versucht, einige Dinge anzustoßen, damit der Verein für die höhere Spielklasse gewappnet ist. Im Drumherum sieht er teilweise noch Steigerungspotenzial. „Das ist noch ein bisschen meine Sorge, ob uns das alles gelingt“, sagt der Coach. Von den Spielern haben bereits alle für eine weitere Saison zugesagt.