Esther Weeber mag natürlich sehr gerne das Eis des Familienbetriebs Pinguin am Eugensplatz Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Einige Eiscafés der Stadt haben die familienfreundliche Preisgestaltung im Blick, andere berufen sich auf die besondere Qualität ihres Produkts. Wir vergleichen vier Eisdielen und erklären, was bei den Schleckermäulern gut ankommt.

Diese Nachricht erfreut viele, jung und alt: Der Pinguin hat wieder geöffnet. Das ist das schon sehr ehrenwerte Eiscafé mit seiner aufwendig und liebevoll gestalteten Fassade an einem besonderen Ort, dem Eugensplatz. Das ist zusätzlich zum Eis auch noch einer der qualitätsvollsten Aussichtspunkte der Stadt, da gibt es dazu noch eine herausragende Brunnenanlage. Und da ist ja noch eine steinerne Säule, die daran erinnert, dass hier einmal der Humorist Loriot gelebt hat. Und ein Mops ist auch noch drauf auf der Säule.

 

Das ist ein Familienbetrieb

Und was die jungen wie die älteren Eisesser ebenfalls freuen wird: Der Preis für eine Kugel Eis ist gleich geblieben wie im letzten Jahr bei 1,70 Euro. Da verlangt manche Eisdiele im Stuttgarter Speckgürtel inzwischen mehr. „Wir wollen, dass sich nach wie vor jedes Kind und jede Familie ein Eis kaufen kann“, so die Geschäftsführerin Kerstin Weeber. Dennoch muss die Kalkulation stimmen. „Wir sind ein Familienbetrieb, da ist manches möglich, was bei anderen nicht geht. Deshalb geht diese Rechnung bei uns gut auf.“ Und ein Blick auf das Organigramm zeigt, dass da in der Tat gleich vier Weebers aufgelistet sind. Und wie Kerstin Weeber kann man die auch ganz unmittelbar bei der Eisarbeit antreffen.

Der Mops und der Pinguin

Und Ideen haben die auch, um auf sich aufmerksam zu machen: In diesem Jahr wieder mit dem Mops-Eis, bestehend aus Mandarine, Orange, Passionsfrucht und Sanddorn. Aus den jeweilige Anfangsbuchstaben wird eben der Mops, der mit dem Pinguin auf dem Dach des Eiscafés den guten Verlauf der Dinge auf dem Eugensplatz überwacht. Und eine weitere Spezialität für dieses Frühjahr ist Eis aus weißer Schokolade und aus Karamell. Jetzt müssen als weitere Säule der Kalkulation halt noch viele sonnige und warme Tage kommen.

Gamba mitten in Bad Cannstatt

Eine ähnliche familienfreundliche Firmenphilosophie pflegen auch die Gambas, seit mehr als 50 Jahren im Herzen von Bad Cannstatt in der Marktstraße nahe dem Rathaus. Auch hier ist ein Familienbetrieb am werkeln, inzwischen in der dritten Generation, auch hier bleibt es beim Preis von 1,70 Euro pro Kugel. „Man darf es bei der Preisgestaltung nicht übertreiben“, so Paolo Gamba, „wenn eine Familie 60 Euro oder mehr bezahlen soll, damit jeder ein Eis bekommt, dann ist das total übertrieben und unsportlich“.

Als Institution in Sachen Eis in Bad Cannstatt mitten in der Fußgängerzone kennen die Gambas natürlich die Wünsche ihrer Kunden ganz genau. Und dennoch wagen sie immer wieder was Neues. Im vergangenen Jahr war es etwa Eis für Hunde. Das wurde ohne große Werbetrommel quasi nebenbei verkauft. Nicht allen Vierbeinern hat das geschmeckt, anderen dafür so sehr, dass sie sich vor lauter Gier den Magen verdorben haben. Wie auch immer, viele Hundebesitzer wollten dies auch selbst ausprobieren. Und siehe: Es schmeckt auch dem Menschen ganz gut. „Im Prinzip ist das ein Diabetiker-Eis“, so Paolo Gamba: „Kein Zucker, kein Fett, Frucht pur eben“.

Pistazien aus Sizilien

Wenn es um die Geschmacksfrage geht, wo es in Stuttgart das beste Eis gibt, dann spielen die zwei Niederlassungen von old bridge in der Bolz- sowie in der Eberhardstraße immer ganz vorne mit. Das gilt auch für den Preis: Los geht es bei 2,50 Euro. Der Geschäftsführer Marc Westlein spricht da aber nicht von einer Kugel, sondern von einer Portion Eis. „Die ist größer als eine Kugel“, so Westlein. Und man kann für eine Portion zwei Geschmacksrichtungen auswählen. Und wer will, bekommt als Service obendrauf auch noch Sahne. „Es gibt auch Kunden, die zu uns sagen, wir seien zu günstig“, so Westlein. Das sind freilich Leute, die nicht nur nach der Menge Eis für ihr Geld schauen, das sind dann schon richtige Gourmets des Eisgenusses. „Wir verwenden keine Hilfsmittel und keine künstlichen Aromen“, sagt Westlein und weiß, dass das heute so ziemlich jeder Eisverkäufer erklärt. Deshalb ergänzt er: „Unser Eis hat einen Fruchtanteil von 50 bis 60 Prozent und wir nehmen nur qualitativ herausragende Früchte, damit man das auch richtig rausschmeckt.“ Üblicherweise liege der Fruchtanteil bei 20 bis 25 Prozent.

Was das konkret bedeutet, erklärt Westlein am Beispiel Pistazien, aus denen das Lieblingseis der Stuttgarter beim Old Bridge gemacht wird: „Die besten Pistazien gibt es auf Sizilien, die wachsen auf Lavaerde. Und dafür bezahlt man Kilopreise zwischen 60 und 70 Euro. Aber man kann auch Pistazien für zehn Euro aufs Kilo kaufen. Den Unterschied schmeckt man aber auch.“ Die Kirche will Westlein aber dennoch im Dorf lassen. Denn wer derzeit besonders angesagt sein will, kauft seine Pistazien ausschließlich in der sizilianischen Kleinstadt Bronte. Da beginnen die Kilopreise allerdings bei 110 Euro.

„Bei der Qualität darf man keinerlei Abstriche machen, sonst verliert man Kunden“, so Westleins Credo, „deshalb befragen wir regelmäßig unsere Kunden nach ihrer Zufriedenheit. Und sie kommen zu uns wegen der Qualität unseres Eises und sind bereit, etwas mehr zu bezahlen.“ Aber auch da will kalkuliert sein. Auch deshalb haben die beiden Verkaufsstellen schon seit dem 6. Februar geöffnet: „Wir machen auch deshalb eine kurze Winterpause, damit wir unsere Festangestellten nicht entlassen müssen“, so Westlein, „und die letzten drei Wochenenden liefen schon fantastisch. Aber wir müssen dennoch möglicherweise preislich nachjustieren“, so Westlein.

Viele Überraschungen in der Schleckerei

Ein anderes Eiscafé, das mit 2,30 Euro in dieser Liga spielt, ist die Schleckerei im Osten mitten in der alten Arbeitersiedlung. Die hat jetzt allerdings noch gar nicht geöffnet. „Sicherlich im März, Anfang April“, verkündet die Geschäftsführerin Joëlle Massen, „das Wetter spielt da für uns die wichtigste Rolle“. Massen: „Wenn wir aufmachen, muss sich das auch lohnen. Denn wir produzieren das Eis nur für den jeweiligen Verkaufstag, wir machen nichts auf Vorrat“. Und dann stehen die Leute auch gerne Schlange vor dem kleinen Laden am Eduard-Pfeiffer-Platz, an besonderen Tagen auch mal an die hundert Meter lang. Das Eis ist perfekt, und es ist faszinierend, der lebenslustigen Belgierin beim Verkauf und bei der Zubereitung zuzuschauen. Da noch nicht geöffnet ist, hält sich Massen auch mit weiteren Informationen zurück. Wann wird geöffnet? „Hängt vom Wetter ab.“ Bleibt es bei 2,30 Euro? „Wissen wir noch nicht, das ist der Preis vom vergangenen Jahr.“ Welche Überraschungen gibt es? „Verraten wir noch nicht. Aber im Winter sammeln wir immer viele Ideen für neue Eiskreationen.“