Die Tanzdemo auf dem Karlsplatz war mehr Kundgebung als Party. Foto: Lg/Iannone

Die Demonstration gegen das landesweite Tanzverbot auf dem Karlsplatz war ein zwangloses Treffen.

Stuttgart - Punkt 17 Uhr läuteten an Karfreitag die Glocken am Karlsplatz. Nicht jene der Stiftskirche, sondern die „Hells Bells“, der Hit der Rockband AC/DC, und zwar aus einer mobilen, 12 000 Watt starken Musikanlage. Das war der Auftakt der Demonstration gegen das landesweite Tanzverbot an bestimmten Feiertagen wie eben am Karfreitag.

Tanzen gegen das Tanzverbot, das ist natürlich eine naheliegende Idee, die an diesem sommerlichen Spätnachmittag zunächst allerdings nicht wirklich zünden wollte. Auch nicht die folgende Musik von ausgebufften Profis wie James Brown oder Michael Jackson, die sonst zuverlässig die Massen elektrisiert: Niemand traute sich wirklich, hier auf dem Kopfsteinpflaster mal so richtig loszulegen. Den Leuten ist mehr nach einem zwanglosen Treffen, nach gemütlicher Unterhaltung und einigen nach Fachsimpeleien zumute.

Zahl der Teilnehmer war zunächst eher gering

Anfangs war auch die Menge an Demoteilnehmern übersichtlich. Doch es wurden immer mehr, die den Karlsplatz als Treff mit Protestbannern, einem Infostand und einigen Parteifahnen bei gediegener Musiklautstärke wahrnahmen. Getanzt werden durfte auch gar nicht zu diesem Zeitpunkt, schon gar nicht mit entsprechendem Sound, Demonstration hin oder her. Der Grund war ein Kirchenkonzert, das zur gleichen Zeit in der Stiftskirche störungsfrei stattfinden sollte.

So hatten die Organisatoren und Redner, unter anderem der Piratenpartei, der Jungsozialisten und der Giordano-Bruno-Stiftung, viel Raum, ihre über die Forderung nach Abschaffung des Tanzverbots hinaus gehenden Vorstellungen zu präsentieren. So ist für viele Teilnehmer aus der Demonstration wohl doch noch eine gemütliche Party geworden. Und wem dann noch nach Tanzen war: Ein Privatsender zeigte bis Mitternacht Ausschnitte eines Tanzwettbewerbs, bei dem Promis und Profis ihr Können zeigten.

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