Der in Bad Cannstatt geborene Özcan Cosar tritt seit 2008 als Comedian auf. Foto: pilaupictures

Seine Auftritte in der Stuttgarter Rosenau sind ausverkauft, die Show am 5. Februar in der Liederhalle so gut wie. Die Hallengröße ist egal, sagt Comedian Özcan Cosar, so lang das Lachen nicht darunter leidet.

Stuttgart - 1981 ist Özcan Cosar in Bad Cannstatt geboren und in Zazenhausen aufgewachsen. Gerade tourt der 38-jährige Vater von zwei Kindern mit seinem vierten Programm „Cosar Nostra“.

Özcan Cosar, Sie haben im Herbst den Deutschen Comedypreis in der Kategorie „Bester Newcomer“ bekommen. Ein Grund zur Freude, aber auch zum Lachen. Immerhin sind sie ein alter Hase.

Das mit dem alten Hasen ist relativ. Neulich saß ich mit Atze Schröder zusammen und habe ihn gefragt, am wievielten Programm er gerade arbeitet. Er sagte, es müsse wohl das zehnte oder elfte sein. So genau wisse er das gar nicht. Da bin ich mit meinem sieben Bühnenjahren als Comedian noch ein echter Jungspund.

Immerhin gehen Sie gerade mit Ihrem vierten Programm auf Tour.

Was heißt das schon? Bei der Preisverleihung war auch der ehemalige „Monty Python“ John Cleese dabei. Das ist schon toll, so einen Star auf der Bühne erleben zu dürfen. Ich bin mit „Ritter der Kokosnuss“ und „Leben des Brian“ groß geworden. Ganze Generationen von Komikern hat so ein Mann inspiriert und Millionen Menschen zum Lachen gebracht. So was finde ich eine tolle Lebensleistung.

Auch Sie sind auf dem Weg zum Star. Die vielen Shows sind ausverkauft, kleine Hallen reichen Ihnen nicht mehr. . .

Es läuft gerade gut, das ist wahr, und dafür bin ich auch dankbar. Aber nur weil man mal von ein paar Leuten auf der Straße erkannt wird, ist man noch lange kein Star. Ich sage mir immer: Nach der Show ist vor der Show. Man kann sich in dem Job nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern muss jeden Tag aufs Neue Vollgas geben.

Als ich Sie vor ein paar Wochen gefragt habe, was wir von Ihrem neuen Programm „Cosar Nostra – Organisierte Comedy“ erwarten dürften, sagten Sie: „Ich habe es noch gar nicht geschrieben.“ Schaut‘s inzwischen besser aus?

Klar. Aber das ist bei mir immer so. Ich bin der Tesla unter den Comedians. Bei mir beginnt bereits der Vorverkauf, wenn das Programm noch gar nicht steht. Mein Vater sagt immer: Du wartest, bis das Ei am Arsch vom Huhn ist. Das ist ein altes türkisches Sprichwort und meint so viel wie: Du produzierst immer auf den letzten Drücker.

„Womöglich machen Computer eines Tages die besseren Witze“

Darf man erfahren, was das Huhn gelegt hat?

Ich werde mich wieder auf eine Reise durch mein Leben begeben. Und ich werde mich mit dem Lachen beschäftigen. Warum lachen wir Menschen? Wie hat das mit dem Lachen in der Steinzeit angefangen? Und vor allem: Wie lachen wir in der Zukunft? Womöglich wird es irgendwann Roboter geben, die man mit Wörtern füttert und die bessere Witze als wir Comedians machen.

Jetzt hören Sie aber auf! Eine Maschine kann einem Özcan Cosar doch nicht das Wasser reichen?

Wer weiß das schon. Aber bis es so weit ist, mache ich weiter.

Der Musiker und Komiker Roland Baisch, der unlängst 65 wurde, sagt: Je älter ich werde, desto schwerer tue ich mich mit einem neuen Programm.

Das war bei mir schon immer so. Der Kollege Volker Pispers macht das clever. Der spielt seit Jahren sein Programm „Bis neulich“. Neue Nummern kommen dazu, alte fliegen raus – ein steter Wandel. Ich habe alle zwei Jahre das Bedürfnis, ein komplett neues Programm zu machen – und stehe dann jedes Mal vor einer Monsteraufgabe. Anfangs denke ich immer: Oh Gott, das schaffst Du nie! Aber dann kommt ein Mechanismus in Gang, so dass am Ende eine Show steht. Die spiele ich so lange, bis sie perfekt ist. Dann kommt eine Neue.

Auf der Bühne wirken Sie unglaublich ruhig und entspannt.

Es ist schön, wenn das so wirkt. Aber das ist natürlich nur eine Fassade. Dahinter schaut es manchmal anders aus, vor allem, wenn man das Gefühl hat, dass ein paar Gags nicht zünden. Dann bekommt man innerliche Schweißausbrüche, und im Hinterkopf arbeiten etliche Özcans mit Hochdruck daran, bis der Laden wieder läuft.

Sie haben mal gesagt, wenn man die Leute zum Lachen bringen wolle, müsse man eigentlich nur aus seinem Leben erzählen – und leicht überziehen.

Dazu stehe ich nach wie vor. Die Geschichten, die ich erzähle, müssen was mit mir zu tun haben. Sonst nehmen mir die Leute sie nicht ab. Ich mag es, über Dinge des täglichen Lebens eine Lupe zu halten und sie so zu vergrößern, bis das Komische an ihnen zu Tage tritt.

„Die Größe des Publikums ist egal, so lange das Lachen nicht darunter leidet“

Kommt der Newcomer in „Cosar Nostra“ auf seine Anfänge zurück und bringt eine Break-Dance-Einlage?

Bei „Old School“ habe ich das nicht gemacht, aber im neuen Programm werde ich das tun. Das ist ja das Schöne am Comedian-Dasein: Wenn man blöd rüberkommt, denken die Leute: „Ach, der macht halt Quatsch. Das muss wohl so sein.“

Im Februar treten Sie im Beethovensaal der Liederhalle auf. Eine neue Dimension?

Auf der Bühne stand ich schon mal, etwa bei einer Veranstaltung der Zigeunerinsel. Aber noch nie mit Soloprogramm. Der Saal ist natürlich wunderschön, und ich sehe es als eine Ehre an, dort spielen zu dürfen. Hin und wieder ist es mir schon passiert, dass ich in einem großen, leeren Konzertsaal stand und dachte: „Hier aufzutreten, das wäre der Hammer“. Der Beethovensaal gehört dazu.

Nimmt mit der Größe der Hallen die Nervosität zu?

Etwas schon. Aber als Comedian kannst Du auch vor 14000 Leuten einen guten Auftritt haben. Die Größe des Publikums ist egal, so lange das Lachen nicht drunter leidet.

Es heißt, Sie würden ungern politische Fragen zur Türkei beantworten. Ich wäre da gar nicht daraufgekommen, eine zu stellen.

Das ist nett, aber manche Ihrer Kollegen tun das dennoch – und das wurmt mich. Warum soll ich etwas über den Einmarsch der Türken in Syrien sagen? Nur weil meine Eltern aus der Türkei kommen? Ich bin in Stuttgart aufgewachsen und schwäbischer als so mancher Schwabe. Mein Nachbar ist öfter in der Türkei als ich, der weiß über die Zustände dort vermutlich besser Bescheid. Ich habe es noch nie erlebt, dass man einen deutschen Comedian zur Politik von Angela Merkel befragt hat. Ich mag vielleicht manchmal in meinen Shows den einen oder anderen sozialkritischen Satz losgelassen haben. Aber im Grunde versuche ich unpolitisch zu sein. Die Weltlage sollte man besser mit den Kollegen Georg Schramm oder Urban Priol besprechen. Das sind kluge, belesene Kabarettisten. Ich versuche, die Leute woanders abzuholen.

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