Die Verlängerung der Alarmstufe II geschah mit gutem Grund. Dass dies allerdings gravierende Folgen für Clubbetreiber, Wirte, Veranstalter und Einzelhändler hat, darf die Politik nicht stillschweigend einpreisen sondern muss dies anerkennen, findet Redakteur Frank Rothfuß.
Stuttgart - Es wird verordnet. Seit zwei Jahren schon. Verordnen, da ist es nicht weit zu befehlen. In der Tat ist es so: Die Regierung verordnet, die Bürokratie setzt um, der Bürger hat es hinzunehmen. Auch wenn nicht alles schlüssig ist. Das ist in einer Pandemie schwer möglich, aber was möglich ist, man kann den Bürgern erklären, was man da treibt. Sonst lässt man diese ratlos zurück. Wie im Dezember, als man sich mehrmals selbst korrigieren musste. Oder nun mit der Alarmstufe II. Obwohl die Hospitalisierungsinzidenz von 6,0 oder 450 mit an Covid-19 Erkrankten belegten Intensivbetten unterschritten war, blieb das Land in der Alarmstufe II. Es gibt gute Gründe dafür. Versprochen war anderes. Begleitet von nicht wenig Eigenlob hatte man Kennzahlen entwickelt und Konsequenzen daraus abgeleitet, eben dass die Bürger Verlässlichkeit erhalten.
Gelten die Grenzwerte? Oder nicht?
Nun fühlen sich nicht wenige verlassen. Was spricht dagegen, Betreiber von Clubs und Gastronomen, Einzelhändler und Veranstalter direkt anzusprechen, zu sagen, wir sehen, was dieser Schritt für Sie bedeutet, dass Ihre Existenz gefährdet ist, wir werden alles tun, um die Folgen abzufedern. Und wir danken Ihnen dafür, dass Sie erneut dieses Opfer bringen. So entsteht der Eindruck, da werkle eine Kaste von Politikern und Beamten vor sich hin und sei sich der Nöte der Menschen nicht bewusst. Man kann und muss verordnen, aber man kann und muss sich auch mal bedanken.