Die Stuttgarter Buchmesse gibt es erst seit drei Jahren – sie ist so erfolgreich, dass die Fellbacher Schwabenlandhalle beim nächsten Mal nicht mehr ausreichen wird.
Junge Leute hängen nur noch am Handy? Von wegen. Dieses Klischee hat am Wochenende die Stuttgarter Buchmesse eindrucksvoll widerlegt. In der Schwabenlandhalle in Fellbach drängten sich die meist jungen Besucher und frönten dem breiten Angebot an Büchern und diskutierten über ihre Lieblingslektüren. Wir waren dabei und haben uns umgehört. Was macht das Bücher-Event derart beliebt?
Seit ihrer ersten Ausgabe vor gerade einmal drei Jahren hat sich die Stuttgarter Buchmesse vom Geheimtipp zur drittgrößten Messe ihrer Art gemausert. Und damit nicht genug: Stefan Zeh und Ann-Katrin Zellner, beide selbst Buchautoren, organisieren inzwischen auch eine Münchner Ausgabe der Messe. Auch sie waren natürlich mit einem Stand vertreten und nutzten die Chance, mit den Fans ihrer Bücher ins Gespräch zu kommen und signierte Exemplare zu verkaufen.
Stuttgarter Buchmesse: Literatur-Boom dank Booktok und Co.
Auch dank Booktok und Co. sind Bücher im Jahr 2026 längst aus ihrem Nischendasein geholt worden. Zumal die Messe echten Eventcharakter hat. Einen aufwendig gestalteten Aufsteller und prächtig designte Buchumschläge hatte jeder Autor – aber um aus der Masse herauszustechen, brauchte es riesige Drachenfiguren, leuchtende Büchertruhen, einen Krieger in Rüstung, Merchandise-Artikel und blinkenden Haarschmuck. Die „Töchter des Nordwinds“ etwa, ein Autorinnenkollektiv aus drei von der germanischen Mythologie inspirierten Schriftstellerinnen, hatten sich in nordische Gewänder gehüllt.
Der Fokus bei den Ausstellern lag klar auf Fantasy- und Romantikromanen: Zusammen machten diese Genres fast zwei Drittel der Aussteller aus. Aber auch Fans von Krimis, Jugendbüchern und Science-Fiction hatten eine große Auswahl. Die meisten der Stände, die überall in der Schwabenlandhalle aufgestellt waren, gehörten zu freien Autoren und Selfpublishern – aber auch kleinere Verlage, Kollektive und Buchhändler waren vertreten.
Insgesamt kamen rund 300 Aussteller. Der Ansturm war so groß, dass die Anmeldung bereits im Juni 2025, also nur etwa vier Monate nach der letzten Ausgabe der Messe, geschlossen worden war. Die Autorin Melanie Baumann aus Bad Hersfeld war – nach der Premiere – nun zum zweiten Mal dabei. „Mit vielen Leuten, die herkommen, bin ich schon über Instagram in Kontakt. Es ist wirklich schön, sie mal persönlich kennenzulernen“, sagt die 40-Jährige, die sich dem Abenteuer-Fantasy-Genre verschrieben hat.
Auf dem Programm: 28 Lesungen und eine große Überraschung
Der Mix bei den Ausstellern gehört fest zum Konzept der Messe: Die Macher wollen vor allem kleinen Verlagen und bislang eher unbekannten Autoren eine Bühne bieten, wo sie auf den etablierten Großmessen oft wegen hoher Standgebühren schlechte Chancen gehabt hätten. Aber auch für das Publikum sollte die Hürde nicht zu hoch sein: Die Organisatoren legen auch Wert auf Barrierefreiheit und einen erschwinglichen Eintrittspreis (rund zwölf Euro Normalpreis, Kinder bis einschließlich zwölf Jahren zahlen nichts).
Die rund 4500 Besucher konnten nicht nur schmökern und persönlich mit den Autoren sprechen, auf dem Programm standen 28 Lesungen sowie Vorträge rund ums Thema Schreiben und Literatur. Die Buchhandelskette Osiander zeigte ihre Ausbildungsberufe, Kinder machten eine Rätsel-Rallye – und wer selbst Autor werden will, konnte seine literarischen Fähigkeiten in einem der Workshops verbessern.
Und einen Preis gab es auch noch zu vergeben: Aus mehr als 100 Einsendungen in den vier Kategorien New Adult, Krimi, Fantasy sowie Kinder-/Jugendbücher hatten sich zwölf Finalisten herauskristallisiert. Am Ende konnten sich Julia Bultmann, Roland Hebesberger, Yvonne Wundersee und Anna Lummfeld über je einen der mit 500 Euro dotierten Preise freuen. Wer weiß, vielleicht sind sie ja eines Tages als Stargast wieder mit dabei. Die dritte Stuttgarter Buchmesse dürfte jedenfalls nicht die letzte ihrer Art gewesen sein.
Die Buchmesse wandert 2027 aus Fellbach in die Messe Stuttgart ab
Allerdings wird sie das nächste Mal nicht mehr in der Schwabenlandhalle stattfinden, am Samstagabend ließ Ann-Katrin Zellner die Bombe platzen: „Beim nächsten Mal sind wir in der Messe Stuttgart“, verkündete sie den jubelnden Zuhörern. Der Schritt ist nicht nur wegen des Namens konsequent: Seit ihrer Premiere ist die Messe kontinuierlich gewachsen. „Im ersten Jahr hatten wir nur zwei der Säle, inzwischen belegen wir komplett alle Räume“, sagte Zellner.
Auch wenn die Besucher angesichts des Trubels wohl kaum zum ruhigen Schmökern kamen: Viele gingen mit Taschen voller Bücher nach Hause. Etwa das Trio Kevin Kraus, Sarah Käfer und Patrick Beurer, das sich den Saal mit ihrem Lieblingsgenre – Fantasy – bis ganz zum Schluss aufgehoben hat. „Ich finde es klasse, dass es hier auch veganes Essen gibt“, meinte der 31-jährige Kevin. Patrick war die Warteschlange vor dem Tiktok-Phänomen „Bücherbüchse“ zu lang. Insgesamt waren die Drei aber sehr angetan. „Die Aussteller hier sind wirklich gut, es macht richtig Spaß“, befand die 28-jährige Sarah.