Zwei Deutsch-Iraner aus Stuttgart engagieren sich gemeinsam mit anderen jungen Menschen für einen demokratischen Iran. Jetzt organisieren sie eine Großdemo in Berlin.
Als Arwin und Rubin Mirzaie die Bilder aus dem Iran sehen, werden sie von Gefühlen überwältigt. In einem Zeitungsbericht geht es um ein Brüderpaar, 17 und 20 Jahre alt, die beide zeitgleich vom Teheraner Regime erschossen wurden. Das Schicksal der jungen Männer wühlen die iranischstämmigen Stuttgarter auf: „Wir sind auch Brüder, im ähnlichen Alter wie die beiden. Nur weil sie sich für Freiheit eingesetzt haben, mussten sie sterben“, sagt Arwin Mirzaie.
Die Parallelen sind in der Tat vorhanden – mit einer großen Ausnahme. Auch die beiden Brüder aus Stuttgart, 17 und 25 Jahre alt, setzen sich für Freiheit und Demokratie im Iran ein. Auch sie gehen dabei ein Stück weit ins Risiko. Doch während man im Iran sein Leben aufs Spiel setzt, engagieren sie sich in Deutschland für den Widerstand gegen das Regime.
Geboren sind die beiden Deutsch-Iraner in Stuttgart. Ihre Eltern sind vor rund 30 Jahren aus dem Iran geflohen. Rubin ist 17 und geht aufs Wilhelms-Gymnasium. Der 25-jährige Arwin studiert an der Universität Stuttgart Wirtschaftsinformatik. „Ich schreibe gerade meine Masterarbeit, bin gewissermaßen im Endspurt“, sagt er und lacht.
Großdemo für Demokratie im Iran
Doch beiden muss dennoch Zeit für eine wichtige Aufgabe bleiben. Sie sind aktiv im Verein „Junge Stimmen Iran“. „Das ist ein Zusammenschluss vieler junger Deutsch-Iraner, die sich für eine freie demokratische Republik einsetzen“, so Arwin Mirzaie. Dort engagiere man sich schon lange, sei durch die Familie quasi vorbelastet. „Aber gerade erfährt das Thema wahnsinnig viel Dynamik“, sagt der junge Mann.
Grund dafür sind die anhaltenden Proteste im Iran, wo zuletzt vor allem viele junge Menschen wochenlang auf die Straße gegangen sind. Die Stuttgarter Brüder haben noch Verwandte dort, die „Jungen Stimmen Iran“ halten Kontakte zum Widerstandnetzwerk, das dort die Proteste organisiert. „Aufgrund der Internetblockade ist es kaum möglich, die Verbindung zu halten“, sagt der Student. Man bekomme alles nur stückchenweise mit. Was aber durchdringt, sei erschreckend: „Die Bilder von Leichensäcken gehen unter die Haut. Es gibt Razzien selbst in Krankenhäusern. Die Brutalität der Mullahs gegen das eigene Volk ist grenzenlos.“
Stuttgarter Deutsch-Iraner gegen Rückkehr zur Monarchie
Auch in Deutschland gehen immer wieder Iraner auf die Straße, die zum Sturz des Regimes aufrufen. Dabei werden von manchen auch die früheren Zeiten mit dem Schah gefeiert. Damit haben die beiden jungen Aktivisten allerdings nichts am Hut. Bei den Demos stelle man teilweise Aggressivität fest, sagt Arwin Mirzaie, manche Teilnehmer leugneten die ethnische Diversität des Landes: „Eine Rückkehr zur Monarchie wäre falsch. Die Verfolgung von Minderheiten durch sie ist bei vielen noch im historischen Gedächtnis.“
Die beiden Brüder organisieren selbst Protestaktionen und Infostände in Stuttgart. Und an diesem Samstag gemeinsam mit anderen eine bundesweite Großkundgebung mit erwarteten 10000 Teilnehmern in Berlin. Die Leute reisen dazu mit Bussen aus ganz Deutschland und anderen Ländern an. Das Motto lautet: „Nein zur Diktatur, weder Schah noch Mullahs. Free Iran.“
Hoffnung macht den Brüdern die internationale Diskussion über die Lage im Iran. „Teil unserer Arbeit ist auch, mit der deutschen Politik zu reden“, sagt Arwin Mirzaie. Dort sehe man, dass sich die Stimmung gedreht habe: „Man hat jetzt den gemeinsamen Nenner, dass es sich in Teheran um ein Terrorregime handelt. Die Menschen haben deshalb das Recht, es zu stürzen.“
Aktivisten in Stuttgart sehen auch Zeichen der Hoffnung
Mut schöpfen die Stuttgarter Aktivisten auch aus der Tatsache, dass sich die Demonstranten vom Regime nicht unterkriegen lassen. „Die iranische Jugend zeigt, dass sie selbst in der Lage ist, die Proteste aufrecht zu erhalten und teils sogar die Revolutionsgarden zu entwaffnen.“ Dass die jetzt als Terrororganisation gewertet werden, sei ein wichtiger und überfälliger Schritt.
Arwin Mirzaie betrachtet ein Foto der beiden erschossenen Brüder aus dem Iran. Die Erschütterung ist ihm anzumerken. Ihr Tod soll nicht umsonst gewesen sein, sondern die Welt aufrütteln. Und den Weg bahnen zu Frieden, Freiheit und Demokratie.