Lola Weippert ist Radiomoderatorin und Model. Über 110 Tausend Menschen folgen ihr auf Instagram. Foto: Frank Schneider Photo

Eine 14-Jährige kritisiert Lola Weippert für ihre scheinbar hängenden Brüste – die Stuttgarter BigFM-Moderatorin ist fassungslos. In einem emotionalen Appell greift sie das Thema Body Shaming auf.

Stuttgart - Wer früh am Morgen zwischen 5 und 9.30 Uhr die Morning Show auf BigFM hört, weiß: Moderatorin Lola Weippert ist nicht auf den Mund gefallen. Im Studio in der Stuttgarter Kronenstraße wird morgens gelacht, geplappert und gescherzt.

Am Mittwoch war der 22-jährigen Blondine allerdings nicht nur nach Lachen zumute. Anlass war der Kommentar einer Instagram-Nutzerin, die auf ein Video reagiert hatte, welches Weippert zuvor auf dem sozialen Netzwerk gepostet hatte.

„Die hängen aber ganz schön“

„Die hängen aber ganz schön“, hatte ein 14-jähriges Mädchen unter ein Instagram-Posting der Moderatorin geschrieben. Gemeint waren Weipperts Brüste, die auf dem Urlaubsvideo in einem Badeanzug zu sehen waren.

Die Radiomoderatorin traut ihren Augen nicht: „Ich bekam einen kleinen Wutausbruch und konnte es nicht fassen, dass eine 14-Jährige in der Lage ist, so eine Nachricht zu verfassen“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie fügt hinzu: „Am meisten stört mich die verzerrte Realitätswahrnehmung des Mädchens.“ Weippert konterte auf Instagram: „Wir werden von der überperfekten Social-Media-Welt im Kopf so kaputt-gephotoshoppt, dass viele den Bezug zur Realität komplett verloren haben.“ Im Hinblick auf viele andere schrieb sie: „Nicht jeder hat ne dicke Haut und beim ein oder anderen platzt das Selbstbewusstsein schneller als ne Seifenblase.“

Doch der Instagram-Post ist ihr nicht genug. Am Mittwochmorgen bringt die Moderatorin das Thema mit in die Morgenshow, berichtet vom beleidigenden Kommentar und spricht offen über „Body Shaming“. So wird das Phänomen genannt, bei dem Menschen nur aufgrund ihrer körperlichen Eigenheiten kritisiert und beleidigt werden. „Das Thema wird so unterschätzt“, findet sie, „deshalb ist es wichtig, dass wir diesem Möchtegern-Perfektionsimus ein Ende setzen.“

Prompt erreicht das Studio ein Anruf von einem Mädchen, das Weipperts Reaktion bestärkt. Eine junge Frau erzählt von ihren eigenen Körperproblemen und davon, wie ihr Leben von Mobbing beeinflusst wurde, bis sie es selbst beenden wollte. „Das war die krasseste Reaktion“, sagt Weippert, „da sind mir echt ein paar Tränen gekullert.“

Instagrams „überperfekte Social-Media-Welt“

Trotzdem schätzt Weippert das soziale Netzwerk Instagram: „Ich habe eine gewisse Reichweite und kann Menschen damit ermutigen.“ Das Problem sei nur, dass Kommentare oft zu leichtfertig geschrieben würden, sagt sie. „Nutzer geben oft oberflächliche Beurteilungen ab und für denjenigen, der kritisiert wird, bricht eine Welt zusammen. Es fehlt an Weitsicht.“

Mit über 110 Tausend Fans auf Instagram steht Weippert mitten in der Öffentlichkeit. Und obwohl sie bei ihren Followern nur selten auf Kritik stößt, kommt sie gut damit klar. Das kann nicht jeder von sich behaupten.

„Unperfektionismus macht uns perfekt“

Jungen Mädchen, die mit Body Shaming zu kämpfen haben, möchte Weippert eines mit auf den Weg geben: „Der Körper ist wie eine Wohnung. Man muss sich darin wohl fühlen und zwar in jeder Ecke“, rät sie, „dabei ist es wichtig auf sich selbst zu hören und nicht auf das, was andere sagen.“

Vor allem im Netz kann das schwer fallen, weiß die 22-Jährige aus Erfahrung. Dort sei der Druck für junge Frauen besonders hoch: „Bei den ganzen Photoshop-Bildern verliert man so schnell den Bezug zur Realität. Ich ertappe mich selbst oft dabei, wie ich mich mit anderen vergleiche.“ Doch das ist nicht gut für die Seele. „Lieber einmal mehr das Handy weglegen und die Zeit mit Freunden verbringen.“

Weippert erinnert an die Erdanziehungskraft

Der kritischen Instagram-Kommentatorin hat die Moderatorin übrigens geantwortet: „Danke für deine überaus liebevolle Nachricht. Google doch mal das Wort Erdanziehungskraft. Es gibt Mädels, die sich wegen Nachrichten wie deiner unters Messer legen lassen. Viel Spaß beim Älterwerden.“ Mehr habe sie ihr nicht zu sagen, meint Weippert.

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