Stuttgarter Ballett Tamas Detrich stellt seine Pläne vor

Von Andrea Kachelrieß 

Tamas Detrich hat in Stuttgart seine Pläne für die Ballettsaison 2018/19 vorgestellt. Foto: dpa
Tamas Detrich hat in Stuttgart seine Pläne für die Ballettsaison 2018/19 vorgestellt. Foto: dpa

Das lange Warten hat ein Ende: Tamas Detrich, der künftige Intendant des Stuttgarter Balletts, hat die Pläne für seine erste Spielzeit vorgelegt. Gleich zu Beginn will er an die Cranko-Tradition anknüpfen, aber es gibt auch jede Menge Neues und Novitäten zu entdecken.

Stuttgart - Die Anspannung der letzten Monate ist vergessen, Tamas Detrich wirkt erleichtert, nachdem er endlich die Katze aus dem Sack lassen durfte. Vor zwei Tagen hat der designierte Intendant des Stuttgarter Balletts, der im Herbst die Nachfolge von Reid Anderson antreten wird, die Tänzer über das informiert, was er in seiner ersten Saison plant. Nun ist die Öffentlichkeit an der Reihe. Dass Detrich die Pressevertreter im Sitzungszimmer im ersten Rang des Opernhauses empfängt, also quasi in der Ahnengalerie der Stuttgarter Staatstheater, gibt dem Termin, der weit vor der üblichen Spielplankonferenz im Sommer liegt, zusätzlich Bedeutung. „Zwei Jahre lang habe ich an dieser Spielzeit gearbeitet“, sagt Tamas Detrich, um gleich zu korrigieren: Arbeit sei eigentlich das falsche Wort für eine Zeit, in der er mit Begeisterung künstlerisches Neuland und neue Menschen kennengelernt habe.

Fünf Premieren, drei Uraufführungen und fünf Erstaufführungen plant Tamas ­De­trich mit dem Stuttgarter Ballett. Er holt den Bühnenbildner Jürgen Rose und den Choreografen Jirí Kylián zurück; und er bringt neue Namen ins Spiel: Akram Khan, international gefeierter Star der britischen Tanzszene, und der Schwede Johan Inger sind mit bereits bestehenden Stücken vertreten, die scheidende Heidelberger Tanzchefin Nanine Linning wird eine Uraufführung erarbeiten. Vor allem die Zusammenarbeit mit Akram Khan und Nanine Linning soll der Anfang einer längeren Beziehung sein, von der sich Tamas Detrich auch Impulse für die Interimsspielstätte erhofft. „Mit Begeisterung ist vieles möglich“, betont er.

Jirí Kylián und Jürgen Rose kehren nach Stuttgart zurück

Nicht Neues, sondern durch und durch Klassisches wird zum Spielzeitauftakt auf dem Programm stehen. „Es war mir wichtig, mit einem Ballett John Crankos zu beginnen, wenn sich der erste Vorhang für mich als Intendant des Stuttgarter Balletts hebt“, sagt Detrich. Mit „Romeo und Julia“ hatte Reid Anderson 1996 seinen Einstand als Stuttgarter Ballettintendant gegeben, Tamas Detrich setzt auf das „Konzert für Flöte und Harfe“. Dem von Männern dominierten Stück stellt er mit „Das Königreich der Schatten“ viele Damen in einem weißen Akt aus „La Bayadère“ gegenüber, der in Natalia Makarowas Version bereits beim Gastspiel des Tokyo Ballet hier zu sehen war. „Shades of White“ heißt der Abend, der die Schönheit des klassischen Balletts feiern soll – als drittes Stück wird Balanchines „Symphony in C“ wieder aufgenommen.

Ein Ballett in drei Akten für Solocello und Tonband ist Jirí Kyliáns „One of a kind“, das 1998 für das Nederlands Dans Theater entstand und als erstes abendfüllendes Stück des tschechischen Choreografen im Winter 2019 das Stuttgarter Kylián-Repertoire erweitern soll. Als Koproduktion mit dem von Hasko Weber geleiteten Deutschen Nationaltheater Weimar entsteht ein Abend zum 100. Geburtstag des Bauhauses, der im Frühjahr 2019 Uraufführungen von Katarzyna Kozielska, Edward Clug und Nanine Linning erst in Stuttgart, dann in Weimar zeigen wird.

In einer neuen Ausstattung von Jürgen Rose wird kurz darauf Kenneth MacMillans „Mayerling“ den Habsburger Kronprinzen Rudolf auch in Stuttgart zum Tanzen bringen. „Atem-Beraubend“ soll dann die Saison ausklingen; so lautet der Titel des letzten Ballettabends, der Johan Ingers „Out of ­Breath“ und Akram Khans „Kaash“ als Erstaufführungen zeigt und Itzik Galilis Perkussionsballett „Hikarizatto“ wieder aufnimmt. Eine Kooperation mit dem Kunstmuseum Stuttgart im Rahmen der Ausstellung „Ekstase in Kunst, Musik und Tanz“ im Herbst sowie eine Koproduktion mit den beiden anderen Staatstheatersparten Oper und Schauspiel, die Louis Stiens choreografisch verantworten soll, sind noch im Planungsstatus. Ziemlich konkret ist dagegen der Umbau der Kompanie. Die Veränderungen seien nicht so groß wie zu Andersons Start, erklärt Detrich, „aber es wird ein paar Änderungen geben“.

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