Der auf die Aktionäre entfallende Verlust lag bei rund zwei Milliarden Euro. Foto: Daimler AG/Mercedes-Benz AG - Global Commun

Dieselaffäre, Airbag-Rückrufe und die Corona-Krise: Der Stuttgarter Autobauer stürzt tief in die roten Zahlen. Im zweiten Quartal fuhr Daimler wie erwartet auch unter dem Strich ein dickes Minus ein.

Stuttgart - Die Corona-Krise stürzt den Autobauer Daimler tief in die roten Zahlen. Im zweiten Quartal fuhr der Konzern wie erwartet auch unter dem Strich ein dickes Minus ein. Der auf die Aktionäre entfallende Verlust lag bei rund zwei Milliarden Euro, wie Daimler am Donnerstag mitteilte. Er war damit sogar noch deutlich größer als vor einem Jahr, als Daimler wegen milliardenschwerer Rückstellungen für die Dieselaffäre und Airbag-Rückrufen vorübergehend in die Miesen rutschte. Auch der Umsatz ging deutlich um 29 Prozent auf 30,2 Milliarden Euro zurück.

„Aufgrund der beispiellosen Covid-19-Pandemie mussten wir ein herausforderndes Quartal durchstehen“, sagte Vorstandschef Ola Källenius. Insbesondere bei den Pkw gebe es jetzt aber erste Anzeichen einer Absatzerholung. Källenius betonte erneut, dass der Konzern seine Kosten dauerhaft senken müsse, zugleich aber an seinen strategischen Zielen in Sachen Digitalisierung und Elektrifizierung festhalte.

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Für das gesamte Jahr 2020 rechnet der Konzern trotz allem mit einem positiven Ergebnis im operativen Geschäft - vorausgesetzt, dass sich die wirtschaftliche Erholung fortsetze und es keine weiteren größeren Corona-Infektionswellen in den wichtigen Absatzmärkten gebe, hieß es.

In Folge des Stillstands in vielen Werken und Autohäusern hatte die Stammmarke Mercedes-Benz im zweiten Quartal mit insgesamt 457 711 Autos weltweit 20,2 Prozent weniger Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert als ein Jahr zuvor. Konzernweit schrumpfte der Absatz um 34 Prozent auf rund 541 800 Pkw und Nutzfahrzeuge.

Unruhe in der Belegschaft

Erste Zahlen zum zweiten Quartal hatte Daimler schon vor einer Woche veröffentlicht, weil sie trotz des Milliardenverlusts besser aussahen als allgemein befürchtet worden war. Dass der Pandemie-bedingte Absatzrückgang bis zum Ende des Jahres noch aufgeholt werden kann, glaubt der Konzern allerdings nicht. Deshalb müssten die Effizienz- und Kapazitätsmaßnahmen intensiviert werden, hieß es.

Wie die aussehen und in welchem Umfang sie umgesetzt werden, ist allerdings unklar. Personalvorstand Wilfried Porth hatte vor knapp zwei Wochen betont, dass mehr als die bisher bekannten 1,4 Milliarden Euro im Personalbereich eingespart und auch mehr als die bisher kolportierten 15 000 Stellen gestrichen werden müssten. Zuletzt war von zwei Milliarden Euro und bis zu 20 000 Stellen die Rede, offiziell hat Daimler aber keine Zahlen genannt. Auch der eigentlich vereinbarte Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen wackelt, was für viel Unruhe in der Belegschaft sorgt.

„Die Beschäftigungssicherung bei #Daimler hat Bestand und über Standortschließungen diskutieren wir nicht“, hatte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht noch am Mittwochabend getwittert, als neue entsprechende Berichte aufkamen. „Sensationsmeldungen helfen uns nicht weiter und führen nur zu Verunsicherung. Nur gemeinsam können wir die #Transformation der Automobilindustrie erfolgreich meistern“, schrieb er.

Kündigungen als letztes Mittel

Betriebsbedingte Kündigungen seien, auch wenn die wirtschaftliche Lage sie erlaube, „immer das letzte Mittel“, beschwichtigte Källenius am Donnerstag. Man sei in konstruktiven Gesprächen, um sie zu verhindern. Wie? Da wolle er nicht vorgreifen, sagte er.

Nur negativ wollte Källenius die Zahlen für das zweite Quartal auch nicht verstanden wissen. Zwar verbucht Daimler für die Zeit einen auf die Aktionäre entfallenden Verlust von zwei Milliarden Euro - und 1,9 Milliarden vor dem sogenannten Abzug von Minderheitenanteilen. Es sei aber gelungen, die Kosten im Rahmen und das Geld zusammenzuhalten - was selbst viele Branchenkenner so nicht erwartet hatten.

Zudem sehen Källenius und auch Truck-Chef Martin Daum beim Absatz erste Anzeichen einer Besserung. Zwar sind 541 800 verkaufte Autos, Vans, Lastwagen und Busse im zweiten Quartal weit entfernt vom üblichen Niveau. Das lag aber vor allem an Europa und Nordamerika und zeigte im Juni schon wieder eine positive Tendenz, wie beide betonten. Und im wichtigsten Markt China liege die Kernmarke Mercedes-Benz Pkw schon wieder über dem Vorjahresniveau.

Niedrige Gewinne erwartet

Am Jahresende dürfte daher im Tagesgeschäft zumindest ein Gewinn im niedrigen einstelligen Milliardenbereich übrig bleiben, sagte Finanzchef Harald Wilhelm - vorausgesetzt, die wirtschaftliche Erholung gehe in der zweiten Jahreshälfte weiter und es brächen keine neuen großen Corona-Wellen über die wichtigen Märkte herein.

Was Källenius ebenfalls als Erfolg verbucht: Man habe trotz Krise die Arbeit an den strategisch wichtigen Zukunftsthemen Digitalisierung und Elektrifizierung vorantreiben können. Trotzdem müsse die Gewinnschwelle auf lange Sicht sinken. „Es ist auch strategisch wichtig, das Unternehmen wetterfester zu machen“, betonte er.

Am Ende dürfte sich das wohl auch auf die Modellpalette auswirken. Källenius will die Autosparte wieder stärker auf den Luxusbereich ausrichten, das größte Potenzial sieht er jeweils am oberen Ende der Segmente und weniger in den massentauglichen Modellen. Details dazu soll es aber auch erst in einigen Monaten geben.

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