Wo gibt es in Stuttgart einen abwechslungsreichen Mittagstisch? Foto: dpa

Wo gibt es in Stuttgart einen abwechslungsreichen Mittagstisch? Wir haben zehn Restaurants unter die Lupe genommen: Von italienischer über französische Feinkost bis hin zu Essen im Seniorenheim – die Tagesbars bieten ein leckeres Programm.

Stuttgart - Wer keine Kantine und keine Kochstelle am Arbeitsplatz hat, kann tagtäglich in Nöte geraten: Wieder einmal belegte Brote ohne alles? Oder muss zum dritten Mal in der Woche der Pizzaservice her? Nein! Denn inzwischen gibt es in Stuttgart eine Reihe von Gastronomen, die sich mit sogenannten Tagesbars auf den Mittagstisch spezialisiert haben. Wir stellen zehn vor: von italienischer und französischer Feinkost über vegane und glutenfreie Küche bis zum Essen im Seniorenheim. Kein Witz – auch das ist besser als sein Ruf.

1. Café Moulu

Wer um die Mittagszeit sein Postfach in der Senefelderstraße im Westen leert, wundert sich, wie viele Menschen in das Ecklokal schräg gegenüber strömen. Das Café Moulu ist berühmt für die selbst gebackenen Kuchen und den Cappuccino. Im früheren Lebensmittelladen, den Erdal Cahir in ein liebenswertes Lokal umgewandelt hat (Kronleuchter, viel Holz und an der Wand alte Zeitungen und junge Kunst), kann man von 12 bis 14.30 Uhr auch prima zu Mittag essen. Von den zwei Hauptgerichten (je 8,20 Euro) auf der Tafel ist eines vegetarisch, das andere gerne mal schwäbisch (Linsen mit Spätzle etwa), dazu kommen eine Suppe (4,40 Euro) und als Klassiker der Salat mit Ziegenkäse oder Haloumi (je 7,60 Euro). Im Sommer ist es besonders hübsch, wenn unter der gestreiften Markise die Tische auf dem Trottoir stehen.

2. Café Babel

Vor rund zweieinhalb Jahren wurde aus der Lichtbildnerei Babel das Café Babel. Der künstlerische Anspruch ist geblieben, was man nicht nur an den kunterbunt eingerichteten Räumen mit alter Schreibmaschine im Fenster, Sofa an der Wand und dem wilden Mix aus Tischen und Stühlen sieht, sondern auch bei Konzerten, Lesungen und Ausstellungen erfahren kann. Das Team um Juan Ostolaza ist so international wie das Speisenangebot. Die Wochenkarte listet ein täglich wechselndes Mittagsgericht, das immer vegetarisch ist (zum Beispiel Kürbis-Karotten-Süßkartoffel-Rösti mit Apfel-Birnen-Mus, Bohnen und Salat, 6,80 Euro) und zweimal die Woche zusätzlich eine Fleischvariante bereithält (Rinder-Hamburger mit selbst gemachter Mayo, Ofenkartoffeln und Salat, 7,20 Euro). Hier ist auch abends geöffnet, allerdings gibt’s dann nur Tapas, samstags Brunch.

3. Café Da

Krimskrams? Nein, danke! Daniela Emrich punktet in ihrem Café Da mit klaren Linien, trotzdem sitzt man hier im Bohnenviertel gemütlich, ob beim Frühstück (mit selbst geröstetem Knuspermüsli!), Mittagessen oder bei Kaffee und Kuchen. Stärken können sich Gäste mit handgebrühtem Fairtrade-Filterkaffee, Bio-Tees, hausgemachten Limos, Wein und Bier von regionalen Produzenten. Dazu schmecken herzhafte Tagesgerichte wie Kürbiseintopf mit Kichererbsen und Quinoa (7,90 Euro) oder cremige Linsen-Tomaten-Suppe (4,90 Euro). Stets auf der Karte: Quiche (4,90 Euro, mit Salat 7,90 Euro), etwa mit Roter Bete und Gorgonzola. Spezialität des Hauses sind Kuchen – auch vegan und glutenfrei. Unbedingt testen: das Bananenbrot und die roh-veganen Cupcakes.

4. Super Jami

Vegan schmeckt nicht? Wer immer noch dieser Meinung ist, sollte mal im Super Jami im Heusteigviertel vorbeischauen und sich vom Gegenteil überzeugen lassen. Katharina Bretsch und Roman Herb servieren in ihrem individuell gestalteten Deli köstliche Gerichte ohne tierische Produkte und manche auch glutenfrei. Neben Tagesgerichten wie Erdnuss-Süßkartoffel-Ragout gibt es Frühstücksangebote, Salate (ab 4,50 Euro), Chili sin Carne (4,90 Euro) und Sandwiches – etwa üppig mit Antipasti belegt zu 4,70 Euro, wunderbar saftig und bei kleinem Hunger auch für zwei ausreichend. Aber Vorsicht: Zur Mittagszeit wird es voll. Es hat sich eben herumgesprochen, dass es in der Mischung aus Tagescafé und Feinkostladen superhübsch ist – und su- pergut schmeckt, selbst Fleischessern.

5. Incontro

Tavola Calda, wörtlich heißer Tisch, ist die italienische Variante des Mittagstischs, auf die sich Leonardo Gorgoglione seit 1992 konzentriert. Seit 1974 ist er Gastronom, hat auch schon ein Ristorante betrieben, wie es sein Bruder mit dem La Fenice und seine Schwester mit Nannina immer noch tun. Qualität ist also Ehren- und Familiensache. In der winzigen Küche in der Calwer Straße steht seine Frau Carmela, Sohn Alessandro ist im Service. Geboten werden täglich drei, vier Gerichte, die je nach Zutaten zwischen 10 und 20 Euro liegen und italienische Gedichte sind. Wie die frische Pasta mit Pfifferlingen, Tomatensugo und Kräutern oder die mit Burrata gefüllten Ravioli mit leichter Trüffelnote. Gemüse aus der Vitrine gibt es auch, dazu feine Weine – kein Wunder, dass ohne Reservierung vor allem samstags nichts geht.

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6. Epicerie Fine

Gibt es in der Olgastraße den feinsten Mittagstisch der Stadt? Vorsicht vor Superlativen! Aber zumindest hat das „Feinschmecker“-Magazin das Angebot von Gert und Cornelia Hebener gewürdigt. Das besteht nicht nur etwa aus Jakobsmuscheln mit Dukkah-Kürbissoufflé an Moscatosabayon oder Kalbsbäckchen in Kokoscurry mit Zitronen-Tamarindencouscous, sondern auch aus Pasteten und edlen Käsesorten, die in der Vitrine zum Verkauf liegen. Denn eigentlich handelt es sich um einen Feinkostladen, eine Epicerie eben. Im vorderen Raum hübsch blau-weiß gekachelt, im hinteren mit Holzdielen. 11 Euro kostet das täglich wechselnde Mittagsgericht, samstags gibt es mit Reservierung ein Drei-Gänge-Menü für 25 Euro. So lässt sich’s nicht nur in Frankreich göttlich leben.

7. Café neunundvierzig

Essen im Seniorenheim? Im Haus Veronika, das zu den Diensten der Vinzenz von Paul GmbH gehört, gibt es einen Mittagstisch, der allen offen steht. Denn der Auftrag der Einrichtung ist, „ins Quartier zu wirken“, sagt Heimleiter Manfred Pfefferle. Okay, das Café neunundvierzig hat etwas Gemeindesaalflair, aber was Küchenchef Detlef Kühn kocht – aus frischen und guten Produkten meist biologischer Herkunft – schmeckt! Es gibt täglich zwei Gerichte, an diesem Donnerstag Lammbällchen in Gemüse-Gewürzcurry (8,60 Euro), am Freitag gar Red Snapper in Weißweinsoße mit Chili-Schmorgurken und Pasta (9,60 Euro), ergänzt von Standards wie Maultaschen und Wraps. Dankbar nehmen auch Mitarbeiter der umliegenden Kanzleien und des Staatsministeriums das Angebot an. Online gibt es weiteres zum Mittagstisch im Café neunundvierzig.

8. Alimentari Da Loretta

Das Alimentari Da Loretta ist anders. Ganz anders. Mehr Bistro als Restaurant, mehr Selbstbedienung als Service. Es geht herzlich unkompliziert zu. Man bestellt an der Theke mit Blick auf die Töpfe, aus denen es schon so verführerisch duftet. Nimmt sich Salat, Besteck, Brot selbst. Loretta Petti und ihre Frauen, die hier in der Küche stehen, sind wahre Zauberinnen, die italienische Hausmannskost bieten. Hier schmeckt einfach alles: die Pastagerichte sowieso, die italienischen Würstchen, die Petti aus ihrer Heimat Toskana importiert oder auch das Hähnchen mit Kartoffeln und Gemüse. Und weil jeder weiß, wie unglaublich gut das hier ist, kann es um die Mittagszeit schon mal enger zugehen. Ein Wermutstropfen bleibt: Warum hat Loretta nur drei Mal die Woche Mittagstisch?

9. Tiffin

Tiffin nennt man in Indien die Blechbüchsen, in denen die Menschen ihr Mittagessen auf Arbeit dabeihaben. Das eigentlich tolle System der stapelbaren Boxen, in denen die verschiedenen Gänge verstaut sind, setzt sich langsam auch bei uns durch. Ganz konsequent in der gleichnamigen Cafébar im Stuttgarter Westen, in der man seine Tiffins vorbestellen und abholen – oder eben auch vor Ort verzehren kann. Der Ort ist modern und hip, könnte so auch am Prenzlauer Berg in Berlin sein. Wichtiger aber: Das Essen gibt es für 7,50 Euro (am Testmittag: Geschnetzeltes vom Huhn mit Reis, das fade aussieht, aber ganz gut schmeckt). Zum Aufpreis von einem Euro gibt es einen Salat und süße Überraschung dazu. Das Saftschorle zum Mittagsangebot für 2 Euro. Faire Sache.

10. Auszeit

Die einfachsten Rezepte sind oft die besten: Mike Dieterle hat im Westen einfach eine Metzgerei übernommen, dort alles belassen und am Mittag eine Kleinigkeit über den Tresen geschoben – damit war eines der ersten Mittagslokale geboren. In den Hinterzimmern der Auszeit steht ein Mix aus Tischen und Stühlen, wie in einer Besenwirtschaft, die Gäste tragen ihre Teller selbst zum Spülen. Wie bei Mutter! Mike Dieterle bietet zwei Gerichte an (6,80 bis 7,20 Euro), manchmal mit asiatischem Einschlag. Mit den Gewürzen kriegen die Sachen ihren Pfiff – auch einfache wie Schupfnudeln mit frisch angebratenem, noch knackigem Gemüse, das eine schöne Schärfe begleitet. Das schmeckt grandios, ein bisschen so, wie wenn Muttern Reste verwertet. Drängt sich die Frage auf: Warum hat der Laden abends zu?

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