Stephanie Haas singt und rezitiert auf Deutsch und Hebräisch, Christoph Haas begleitet sie mit Trommeln, Zimbeln, einem Glockenspiel und der Langhalslaute. Foto: Fridhelm Volk (z)

Das Ensemble Cosmedin aus Stuttgart-Zuffenhausen gibt auf seiner neuen CD Einblicke in Martin Luthers Welt mit Klang und Text.

Stuttgart-Zuffenhausen - Mit der soeben erschienen CD „Ein menschlich Hertz ist wie ein Schiff auf eim wilden Meer. Martin Luther und der Psalter“ öffnet das in Zuffenhausen beheimatete Ensemble Cosmedin seinen Zuhörern nicht nur die Pforte in eine andere Zeit, sondern auch in eine andere Lebenswelt: die von Martin Luther. Denn Stephanie und Christoph Haas, die zusammen das Ensemble Cosmedin sind, vermitteln ihrem Publikum einen facettenreichen Einblick in die damalige Wirklichkeit des Reformators, der mit seinem Wirken dieses Jahr allerorten gefeiert wird. Im Mittelpunkt ihres Interesses, so schreiben sie im umfangreichen und hoch spannenden Booklet, stehe die „vertikale Dimension“ im geistlichen Lied der Reformationszeit. Anders ausgedrückt: Auf der CD finden sich keineswegs Choräle, wie man sie vielleicht aus dem Kirchengesangbuch kennt. Es ist eine klug durchdachte Zusammenstellungen von Musikstücken und Texten, mit denen Luther gelebt hat und aus denen heraus viele geistliche Lieder entstanden sind, welche die Menschen teilweise bis heute singen.

Stephanie Haas singt und rezitiert auf Deutsch und Hebräisch. Sie kennt wie wenige andere Interpreten die Welt der mittelalterlichen Kirchenmusik und ihrer Neumen-Notation. Mit ihrer klaren, leuchtenden Stimme und einem ebenso scharfen wie feinen Sinn für Melodie und Artikulation vermittelt sie die musikalische Dimension, die Sprache haben kann und in diesem Bereich in besonders hohem Maße hatte. Auf ebenso eindrückliche Weise bringt sie die sprechenden Qualitäten dieser frühen Musik zur Geltung.

Eine Art klingender Zeitlosigkeit strahlt aus dieser Musik

Wie tief das Ensemble in die Zusammenhänge der Quellen eingetaucht ist, mit denen Martin Luther sich beschäftigt hat, zeigt das Booklet: Hier werden alle Bezüge ausführlich und zugleich verständlich dargestellt. Eine Besonderheit ist mit Sicherheit der von Stephanie Haas gesprochene Text, in dem Martin Luther von den ersten beiden Märtyrern der Reformation erzählt: Johannes von Esschen und Hendrik Vos wurden am 1. Juli 1523 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. „Über Flugblätter verbreitete sich die im Stil fahrender Sänger verfasste Ballade mit ihrer eingängigen, von Luther selbst komponierten Ballade rasch“, steht im Booklet zu lesen. „Das neue Lied war zu einer treibenden Kraft der Reformation geworden.“ Die biblische Wurzel bleibt das Ensemble Cosmedin den Zuhörern nicht schuldig: „Cantate Dominum canticum novum“, das in Paris um 1000 nach Christus aufgeschrieben wurde, erklingt schwebend und fließend, als wäre es ohne Anfang und Ende. Große Ruhe und eine Art klingender Zeitlosigkeit strahlt aus dieser Musik. Stephanie Haas’ Stimme schwingt sich auf zu höchsten Höhen wie das Licht eines aufgehenden Sterns.

Auf der CD finden sich ebenso Gesänge, die um 400 nach Christus in Mailand entstanden, wie etwa „Misericordia tua“ oder „Veni redemptor genium“. Stephanie Haas’ Stimme windet sich hier in Melismen weich wie eine musikalische Girlande. Dabei bringt sie den sprechenden Charakter der Musik bei beiden Gesängen auf das Schönste zum Vorschein. Beim zweiten begleitet Christoph Haas sie auf der Langhalslaute. Der anschließend erklingende Luther-Choral behält noch viel vom formelhaften Charakter der musikalischen Wendungen bei. Auch die Bezüge zwischen Psalm 130, seiner Vertonung um 950 in Laon und dem Kirchenlied „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir“ werden vorgestellt, ebenso der von Psalm 122 „Da pacem, Domine“ und „Verleih uns Frieden gnediglich“.

Zimbeln, Glockenspiel und Langhalslaute

Christoph Haas schafft mit seinem Streichpsalter einen durchscheinenden, klingenden Grund für die Gesänge. Auch eigene, stark rhythmische und von der Klangfarbe der Rahmentrommel geprägte Eigenkompositionen fügen sich harmonisch ins Gesamtgefüge der 20 Titel. Zimbeln, Glockenspiel, Langhalslaute und sogar Knochen gehören zum Ensemble der Instrumente, die zum Einsatz kommen. Zusammengehalten wird das vielschichtige Mosaik durch Auszüge aus Martin Luthers Psalter-Vorrede, aus der Stephanie Haas immer wieder rezitiert. „Die Psalmen werden für ihn existenziell“, steht im Booklet zu lesen. „Sie trösten ihn in der Traurigkeit und in der Hölle größter Verzweiflung“ – aber man schaue auch den Heiligen ins Herz, wie in schöne lustige Gärten, ja sogar den Himmel, wie Luther selbst sagt.

CD und Konzerte Die CD ist unter der Nummer 699024 bei Zweitausendeins erschienen. Die nächsten Konzerte des Ensembles Cosmedin mit diesem Programm sind am Samstag, 25. März, von 19 Uhr an in der Martinskirche in Sindelfingen und am Donnerstag, 4. Mai, von 20 Uhr an in der Schlosskirche im Alten Schluss.

Weitere Infos unter www.ensemble-cosmedin.de

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