Das Olgahospital hat 2017 wieder mehr jugendliche Komatrinker behandelt. (Symbolbild) Foto: dpa

Das Olgahospital hat hochgerechnet, wie viele Jugendliche mit Alkoholvergiftung in diesem Jahr voraussichtlich noch in der Klinik aufgenommen werden. Die Zahl überrascht.

Stuttgart - Am Stuttgarter Olgahospital rechnen die Ärzte in diesem Jahr mit einer deutlich höheren Zahl von jugendlichen Patienten, die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden, als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Stand Freitag waren im Jahr 2017 bereits 103 Jugendliche wegen eines Alkoholintoxikation in der Kinder- und Jugendklinik. Auf der Grundlage der Erfahrungswerte der vergangenen Jahre gehen die Mediziner davon aus, dass diese Zahl noch auf etwa 140 junge Patienten steigen könnte. „Zwischen Weihnachten und Neujahr kommen immer noch einige Fallzahlen hinzu, auf der Grundlage dieser Erfahrungen ist die Hochrechnung entstanden“, erläutert Ulrike Fischer, die Sprecherin des Klinikums Stuttgart. Das wären knapp 40 Fälle mehr als im Jahr 2016, als insgesamt 104 junge Leute mit dieser Diagnose eingeliefert wurden, ein Anstieg um rund 34 Prozent.

Die Fallzahlen sind auf dem Niveau des Jahres 2010

Die Fallzahlen sind in den zurückliegenden Jahren immer wieder vor dem Hintergrund des Alkoholverkaufsverbots nach 22 Uhr diskutiert worden, das am Freitag gefallen ist, zugunsten einer neuen Regelung: Stattdessen können Kommunen nun ein Alkoholkonsumverbot auf öffentlichen Plätzen verhängen. Kritiker der Regelung vermuteten, dass das Verkaufsverbot keinen Einfluss auf den Alkoholkonsum Jugendlicher haben würde. Befürworter der Beschränkung argumentierten mit sinkenden Fallzahlen.

Sollte die Hochrechnung der Ärzte am Olgäle zutreffen, wäre die Zahl der Jugendlichen mit Alkoholvergiftung wieder so hoch wie vor dem nächtlichen Verkaufsverbot. Im Jahr 2010 hatte das Olgahospital 145 Fälle gezählt. 2012 waren es 115 Jugendliche, im Jahr 2013 zählte man 105. Direkt nach dem Inkrafttreten kamen 131 Jugendliche mit Alkoholvergiftung im Jahr 2011 in das Krankenhaus. Danach sanken die Zahlen, Tiefstwerte wurden 2014 und 2015 mit 85 beziehungsweise 86 Fällen verzeichnet.

Die Sprecherin des Klinikums weist daraufhin, dass es sich bei den Zahlen nur um diejenigen Jugendlichen handelt, die ins Olgahospital kamen. Eine zuverlässige Aussage für die ganze Stadt sei auf dieser Grundlage nicht möglich, da nicht alle Jugendlichen nach gesundheitsgefährdendem Alkoholkonsum ins Krankenhaus gehen und einige auch andere Kliniken aufsuchen würden, nicht nur das Olgahospital.

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