Schaukeln allein reicht vielen Kindern auf dem Spielplatz nicht – sauber soll er auch sein, mit ausreichend Platz und ausreichend Spielgeräten. Foto:  

Kinder finden, dass in Stuttgart die Spielplätze zu schmutzig sind und das Schulessen zu wünschen lässt. Stuttgart will aber kinderfreundliche Kommune werden und hat bereits in vielen Punkten nachgebessert. Doch es gibt auch noch etliche Lücken.

Stuttgart - Wie weit ist Stuttgart auf seinem Weg zur kinderfreundlichen Kommune? Der Gemeinderat hat 2015 eine Konzeption beschlossen. Die soll bis 2020 umgesetzt sein. Im Jugendhilfeausschuss hat die Kinderbeauftragte Maria Haller-Kindler Zwischenbilanz gezogen. Ihren Bericht zieren 35 lachende Smileys und 24 traurige Smileys. Er umfasst neun Handlungsfelder. „Wir haben drei Viertel der Strecke“, meint sie. Hier sind die wichtigsten Ergebnisse.

Sicherheit und Sauberkeit

Positiv: Die Stadtteilrundgänge mit Kindern im Blick auf Sicherheit und Wohlbefinden haben sich bewährt. Die Hochschule der Polizei wertet die Ergebnisse aus. Der Ausbau der Schulsozialarbeit und des städtischen Vollzugsdienstes kommt den Bedürfnissen der Kinder nach Sicherheit und Sauberkeit entgegen. Zentrale Spielplätze werden nun dreimal statt einmal pro Woche gereinigt.

Negativ: Bei der Kinderbefragung 2018 mahnten die Kinder mehr Schutz vor Gewalt an, vor allem an Schulen. Hier ist noch Handlungsbedarf.

Umwelt und Natur

Positiv: Es gibt vielfältige naturpädagogische Angebote für Kita- und Schulkinder, Einzelne und Gruppen. Das Projekt Naturzeiten im Ganztag fördert Naturerfahrung. Ein Waldpädagoge baut Zugangshürden ab.

Negativ: Die Nachfrage von Schulen und Kitas nach naturpädagogischen Angeboten übersteigt das Angebot. Für den Ausbau fehlt es an Personal und Geld.

Gesundheit, Bewegung, Ernährung

Positiv: Die Projekte ‚Gesund aufwachsen in der Kita’, ‚Kitafit’ und der Bewegungspass sind erfolgreich. Der Stuttgarter Minisport-Gutschein wird sehr gut angenommen. Die Infos über Sportangebote wurden durch zwei Online-Portale verbessert. Zum Thema Übergewicht im Kindes- und Jugendalter wurde im September 2018 eine Beratungsstelle eingerichtet.

Negativ: Der Bewegungspass wird noch mit Drittmitteln finanziert. Es gibt Engpässe bei Hebammen und Kinderärzten. Es fehlt an urbanen Bewegungsräumen, besonders für Jugendliche. Kinder kritisieren das Schulessen aus ganz unterschiedlichen Gründen: „Schmeckt nicht“, „ich werd nicht satt“, „es sieht nicht gut aus“, „ich hab zu wenig Zeit“.

Stadtraum und Spielflächen

Positiv: Das Projekt temporäre Spielstraßen hat neue Spielmöglichkeiten erschlossen und wird gut angenommen. Es werden Standards für inklusive Spielflächen für behinderte Kinder geplant.

Negativ: Das Angebot für behinderte Kinder auf öffentlichen Spielflächen sollte verbessert werden. Das muss im Spielflächenleitplan berücksichtigt werden.

Armut, Teilhabe, Chancen

Positiv: Minisport-Gutschein, Kubi-Card und erweiterte Familiencard verbessern die Teilhabe-Chancen von Kindern aus armen Familien. Willkommensfrühstücke für Eltern mit Kleinkindern sowie Kinder- und Familienzentren bewähren sich.

Negativ: Kinder aus armen Familien haben dennoch unterdurchschnittliche Entwicklungschancen. Die Situation der Flüchtlingskinder sollte verbessert werden, etwa durch Teilnahme am Ganztag.

Mobilität und Verkehr

Positiv: Verkehrserziehung läuft sehr gut.

Negativ: Für die Erstellung von Radschulwegplänen fehlen in Schulen und Verwaltung die Ressourcen.

Kinderbeteiligung

Positiv: Bei Spielplatzprojekten, einzelnen Sanierungsprojekten und in den Stadtbezirken werden Kinder beteiligt.

Negativ: Ein verbindliches Gesamtkonzept zur Kinderbeteiligung in der Stadtplanung fehlt, ebenso ein Online-Portal der Stadtverwaltung für Kinder.

Schule und Kita

Positiv: Im Schulsanierungsprogramm erhält jede Grundschule, die Ganztagsschule wird, 3,5 Millionen Euro für die Gestaltung des Außengeländes. Inklusion an Kitas soll durch das Programm „Kita für alle“ verbessert werden.

Negativ: An Schulen und Kitas sind die Bedingungen für Inklusion verbesserungswürdig. Es fehlt Personal für die Betreuung behinderter Ganztagskinder. Kinder kritisieren Außengelände an Schulen.

Kultur

Positiv: Das Kulturangebot für Kinder im Stadtteil wurde ausgebaut, etwa durch Musikschule und Kinderbibliothek. Sie profitieren von kostenlosen Angeboten im Stadtpalais sowie vom Musikprogramm an fünf Ganztagsschulen. Es gibt zahlreiche Mitmachangebote – Krimi-, Film-, Theater-, Zirkusprojekte.

Negativ: Für den Ausbau von Patenprogrammen fehlen Ehrenamtliche. In der VHS-Ökostation übersteigt die Nachfrage das Angebot. Es gibt eine weitergehende Nachfragen nach Werkstätten zur aktiven Beteiligung. Das erfordert eine Förderung.

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