Ende Februar haben die letzten Mitarbeiter das fast 8000 Quadratmeter große Tagungszentrum in Stuttgart-Birkach verlassen. Was wird nun aus dem Haus Birkach?
Der Gebäudekomplex in schöner Stadtrandlage, der 2013 zuletzt für 14 Millionen Euro technisch saniert wurde, hat es im Wortsinn in sich: Neben Büroflächen, mehreren Seminarräumen und einer großen Kantine finden sich in dem Gebäude auch 60 Gästezimmer, eine Sporthalle, eine Bibliothek und eine Kegelbahn. Doch das Haus Birkach ist auch ein Kostenfresser, von dem sich die evangelische Kirche trennen möchte.
Die Eigentümerin des verwaisten Hauses sagt nichts Konkretes
Als Eigentümerin gibt sich die Landeskirche auffallend schmallippig, wenn es um die Frage nach der Zukunft der Tagungsstätte geht, die Ende der 70er-Jahre errichtet wurde: Ob es derzeit konkrete Verhandlungen mit Interessenten gibt, die das denkmalgeschützte Bauwerk samt großem Grundstück mieten oder gar erwerben wollen, will die Kirche nicht preisgeben.
Deren Sprecher Dan Peter lässt in diesem Zusammenhang lediglich wissen, dass derzeit „verschiedene Optionen für eine langfristig verlässliche und wirtschaftlich tragfähige Perspektive des Areals“ geprüft werden. Ziel sei es, „künftig eine Lösung zu finden, die den Haushalt der Landeskirche nicht dauerhaft belastet“.
Teilnutzung für das Haus Birkach?
Die Hoffnung, dass die Stadt Stuttgart in die Bresche springt, hatte sich bereits im vergangenen Jahr zerschlagen. Für eine Vollausnutzung gebe es keinen Bedarf, hieß es damals. Besonders aufhorchen ließ die weitere Begründung, die auch eine Teilnutzung ausschloss: Denn dazu, so die Stadt, wären Umbaumaßnahmen erforderlich, denen der Denkmalschutz entgegenstehe. Zudem würde eine umfangreiche Umnutzung eine Änderung des bestehenden Bebauungsplans verlangen.
Hohe Hürden also, mit denen auch jeder andere Interessent konfrontiert ist.
Die Vielfalt des Gebäudes, die für potenzielle Nutzer ein Problem darstellen könnte, sieht der Verein „Zukunft Haus Birkach“ indes als Chance: Der aus einer bürgerschaftlichen Initiative hervorgegangene Verein macht sich seit längerem dafür stark, dass die ehemalige Tagungsstätte in gemeinwohlorientierter Nutzung verbleibt.
Die Idee des Vereins heißt Nutzung durch Viele.
Neuer Verein sieht Potenzial für das Haus Birkach
Die Vereinsvorsitzende Monika Lehmann sieht in dem Gebäude Potenzial für Seminare, Schulprogramme, öffentliche Werkstätten, Co-Working-Spaces, Gästezimmer, Sport oder Beratung und vieles mehr. „Ziel ist, das Haus zu einem offenen, solidarischen Ort für Wohnen, Bildung und Kultur zu machen“, sagt Lehmann. Beraten wird der Verein von der Tübinger Nestbau AG, die auf gemeinwohlorientierte Wohnprojekte spezialisiert ist. Über die sogenannte Allianz für Beteiligung fördert das Land die Beratung durch die Nestbau AG mit 10.000 Euro. Die Stadt wiederum unterstützt die Förderung.
Wohnraum statt neuer Lost Place?
Auf Nachfrage spricht die Landeskirche vage von einem „konstruktiven Austausch“ mit dem Verein. „Aktuell befinden wir uns aber noch in einer Phase, in der Fragen zur Finanzierung, Betrieb und möglichen Trägerstrukturen geklärt werden müssen“, so Dan Peter.
Von einer aktiven Unterstützung des Vereins ist nicht die Rede. Wie groß die Begeisterung der Landeskirche über den bürgerschaftlichen Vorstoß tatsächlich ist, bleibt unscharf. Möglicherweise fürchtet die Kirche als Vermieter in diesem Fall erneut Kosten auf sich zukommen.
Rückenwind aus dem Ministerium
Rückenwind bekommt das Vereinsprojekt indes von höchster Stelle: Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen hat im vergangenen Jahr angesichts von schätzungsweise 5000 kirchlichen Immobilien, die in den kommenden 15 Jahren frei werden, einen Preis für künftige Nutzungsideen ausgelobt. Als einer von zehn Preisträgern wurde nun der Verein „Zukunft Haus Birkach“ mit seinem Ansatz ausgezeichnet. Dessen Konzept einer „zivilgesellschaftlichen Nachnutzung“ des ehemaligen Tagungszentrums war der Jury 5000 Euro wert. Geld, um die Initiative „frühzeitig zu stärken“, so die Begründung.