Stuttgart im Juni: Ein Himmel wie im Katastrophenfilm. Foto: 7aktuell/Adomat

Der Juni bringt extrem viel Wasser nach Stuttgart – das aber nur an zwei Tagen. Der sonnige und warme Sommer soll jetzt erst mal bleiben.

Stuttgart - Roland Emmerich, der schwäbische Spezialist für den cineastischen Weltuntergang, dürfte sich am 7. Juni in seiner Wahlheimat Kalifornien ein wenig neidisch die Berichte aus Stuttgart angehört haben. Da brauchte es keine Tricktechnik und Effektspezialisten. Die Natur bot an diesem Tag live ein düsteres Spektakel mit Sintflutpotenzial. Zur Blockbuster-Kulisse fehlten nur noch ein unrasierter Russel Crowe oder ein Bruce Willis im zerrissenen Unterhemd, die unter Einsatz ihres Lebens hilflose Maultaschen-Vorräte aus den Kühltruhen gefluteter Keller gerettet hätten.

Heftige Unwetter mit Starkregen

Was war passiert? „Das Tief Xisca brachte von Süden schwülwarme und instabile Luftmassen nach Baden-Württemberg“, erklärt Andreas Pfaffenzeller. Der Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart maß an diesem Abend stolze 58,2 Liter Regen pro Quadratmeter, die sich aus einem hollywoodreif düsteren Himmel begleitet von Blitz, Donner und Sturmböen über die Stadt ergossen.

Keller wurden geflutet, Straßen gesperrt, eine schlammige Brühe suchte sich vielerorts einen Weg in den Kessel. 58,2 Liter sind deutlich mehr als die Hälfte an Niederschlag, der in einem kompletten durchschnittlichen Juni gemessen wird (93,2 Liter). Die Folge davon war, dass der erste Sommermonat mit insgesamt 98,5 Litern Niederschlag nasser war, als der langjährige Durchschnitt. Bemerkenswert daran – geregnet hat es eigentlich nur an acht Tagen, normal sind es für einen Juni 15. Es gab also auch sehr lange trockene Phasen und seit dem 12. Juni hat es bis auf ein paar Spritzer in vielen Teilen der Stadt überhaupt nicht mehr geregnet. Für einen Katastrophenfilm und ausgetrocknete Parkseen reicht es zwar nicht, die Obstbauern karren aber schon lange wieder Wasser in die Anlagen und auch die Bewässerungsanlagen für den Wein am Rotenberg laufen schon wieder.

Der dritte zu warme Monat nacheinander

Das Unheilvolle am Juniregen war die Intensität. An neun Tage wurden Gewitter gezählt, teilweise mit Hagel. An besagtem 7. Juni kamen auch noch Sturmböen von maximal 72,4 Stundenkilometer dazu. Ein höchst unruhiger Start in den Sommer also, wobei extreme Ereignisse dieser Art nach Meinung vieler Experten in Zeiten des Klimawandels zunehmen werden. Auch weil es immer wärmer wird, die Energie in der Atmosphäre also höher und die Entladungen kräftiger werden. Was man auch am 13. Juni noch einmal erleben konnte, als 32,4 Liter Wasser vom Himmel stürzten. So fiel also nahezu der gesamte Regen des Juni an nur zwei Tagen.

Was man dann auch an den Temperaturen spüren konnte. Der Juni war deutlich zu warm, mit 19,4 Grad satte drei Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt. „Zusammen mit 1976 liegt der Juni auf Platz vier der Rangliste sein Beginn der Aufzeichnungen 1951“, erklärt Andreas Pfaffenzeller. Der Wärmetrend 2018 hält also an. Der April und der Mai waren bereits absolute Rekordmonate, der Juni nicht weit davon entfernt. Es müsste also viel passieren, dass 2018 nicht das achte Jahr nacheinander wird, dass als deutlich zu warm in die Statistik eingehen wird. Das Ganze nennt man dann doch wohl Klimawandel, obwohl es denn zumindest nach US-Präsident Donald Trump gar nicht gibt.

Auch die Sonne machte Überstunden

Der freundliche Juni war also wie geschaffen für das groß Fußballmärchen im Freien, dass ja dann aus deutscher Sicht in einem Horrorszenario endete, das so wohl nicht einmal Roland Emmerich eingefallen wäre. Aber man soll nicht klagen, zumal ja auch die Sonne im Juni Überstunden machte und gut 36 Stunden länger schien als als in einem durchschnittlichen Juni, der mit 210 Sonnenstunden in der Statistik gelistet ist. Und so wie es aussieht, geht das warme und sonnige Wetter auch genauso weiter. Langfristige e Prognosen versprechen einen Paradesommer. Bleibt nur zu hoffen, dass Stuttgart nicht vom englischen Problem ereilt wird. Dort gibt es Engpässe an Kohlensäure zur Bierproduktion. Fußball ohne Deutschland in der Gartenwirtschaft mag ja noch gehen, aber mit stillem Wasser wird es dann schon kritisch. Aber vielleicht sollte man das eine oder ander Spiel doch lieber zu Hause schauen. Die Atmosphäre lädt sich in den kommenden Tagen wieder auf, die Schwüle nimmt zu damit von Dienstag an auch die Gewitterneigung. Es könnte also bald wieder mal eine dramatischen Himmel geben – schöne Grüße nach Kalifornien.

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