Für musikalische Untermalung und einen gelungenen Start in den Tag sorgte der „Coro hispano americano“ mit seiner Darbietung des Liedes „Gracias a la vida“. Foto: Jullia Schenkenhofer

Im Bürgerzentrum West feierte der Circulo Latino am Sonntag den Weltfrauentag. An die hundert Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen kamen an die Bebelstraße 22, um am Programm teilzunehmen.

S-West - Um 13:30 Uhr öffneten sich die Türen des Bürgerzentrums Stuttgart-West. Es war die erste Veranstaltung dieser Art des Circulo Latino (Arbeitskreis der lateinamerikanischen Vereine e.V.). An die hundert Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen kamen an die Bebelstraße 22, um am Programm zum Weltfrauentag teilzunehmen. Feministische Parolen gab es allerdings nicht, vielmehr wurde bei Tamales (Maistaschen in Bananenblättern), Papas rellenas (frittierter Kartoffelteig mit Fleischfüllung), Zumba und ausgelassener Stimmung gelacht und gefeiert.

Weiblichkeit feiern

Nichts anderes war das Ziel des Dachverbandes lateinamerikanischer Organisationen für diesen Sonntag: „Wir wollen einfach die Weiblichkeit feiern“, sagt Lucia Jung vom Circulo Latino. „In Lateinamerika feiert man diesen Tag normalerweise nicht“, ergänzt sie. Dass sie den Weltfrauentag dennoch feiern, hat einen einfachen Grund: „Wir sind in unserem Verein größtenteils Frauen, wir sind sozusagen die Seele des Vereins.“ Die Idee zur Veranstaltung kam aber von einem Mann. Dem Vorsitzenden Jorge Castilla aus Spanien: „Frauen müssen oft noch unter dem Machogehabe vieler Männer leiden, das ist schade. Die charakterstarken Frauen in unserem Verein haben so ein Fest verdient. Ich selbst bin heute nur Zuschauer.“

Am meisten freut er sich auf die Vorträge, die auch politisch brisante Themen ansprechen – wie im Beispiel des Vortrages von Awa K. Njie aus Gambia, die über Genitalverstümmelung bei Frauen sprach. Lucia Jung sieht darin keinesfalls einen Widerspruch zur ansonsten lockeren Veranstaltung: „Man kann in allem etwas Positives sehen. Erlebnisse, die man mit Kraft durchgestanden hat stärken einen. Ein Vortrag wie der von Frau Njie soll den Zuhörern Mut und Kraft schenken.“

Das war für Jung auch das Motto des Tages „Die Stärke in uns ist wichtig, man wird nur durch Kämpfe stark.“ Als Frauenrechtlerin sieht sie sich dabei keinesfalls: „Natürlich hat der Kampf um Gleichberechtigung nicht aufgehört, gerade für uns Südamerikanerinnen hat sich in den letzten Jahren viel getan. Aber heute soll nicht gekämpft, sondern gefeiert werden, denn wir als Frauen sollen uns einfach heute und immer in unserer Haut wohlfühlen.“

Für Gleichberechtigung kämpfen

Gefeiert wurde bis abends 19 Uhr aber nicht nur von den Frauen. Auch zahlreiche Männer waren zu Besuch. So wie Luis Polanco aus der dominikanischen Republik. Der Master-Student findet es ganz selbstverständlich, dass er sich für die Gleichberechtigung der Frauen interessiert: „Schließlich habe ich eine Mutter, Schwester und Freunde, das ist es mir Wert um Gleichberechtigung zu kämpfen.“

Nicht nur die Gleichberechtigung war eines der brisanten Themen des Tages. Lucia Jung freute sich außerdem über den Austausch mit anderen Kulturen „Viele denken Latinas können nur Salsa tanzen und hübsch aussehen. Natürlich tanze ich gerne und mache mich gerne hübsch, aber das tue ich für mich. Wenn die Menschen heute nach Hause gehen und ein paar Vorurteile abbauen können, dann haben wir alles erreicht.“

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