Das Einkaufszentrum Löwen-Markt ist aktuell im Fokus der Stadtplaner. Für dessen Entwicklung steht rund eine halbe Million Euro bereit. Foto: Georg Linsenmann

Eine Versammlung von Eigentümern aus dem Einkaufszentrum am Löwen-Markt in Stuttgart-Weilimdorf stimmt die Akteure von „Stadtteilzentren konkret“ zuversichtlich.

Weilimdorf - Schwer vom Wetter gezupft und ausgebleicht wirkt die eine gelbe Fahne, die weithin sichtbar auf das Einkaufszentrum Löwen-Markt (EKZ) aufmerksam machen soll. Die andere aber hat noch durchschlagende Leuchtkraft und verweist mit ihrer frischen Anmutung auf robuste Gegenwart und ungefährdete Zukunft. Ein Kontrast an den Flaggenmasten, der sich durchaus als ein Sinnbild nehmen lässt für die Situation vor Ort. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass das EKZ neuen Schwung gut brauchen könnte.

Aber das gilt für die City insgesamt, wo der Handel um seine Zukunft kämpft. Wegen verändertem Einkaufsverhalten samt Online-Konkurrenz, die Zentren in „Geisterstädte“ zu verwandeln droht, wie Weilimdorfs Bezirksvorsteherin Ulrike Zich zum Jahreswechsel angemerkt hat. Aber auch wegen struktureller Schwächen und ein wenig in die Jahre gekommener Immobilien. Eine Tendenz, die auch in anderen Stadtbezirken Sorgen macht. Um diesem Abwärtstrend mit Leerständen, Billigstanbietern und anderen Auffälligkeiten entgegenzuwirken, hat die Stadt das Projekt „Stadtteilzentren konkret – Handlungskonzepte für lebendige Stadtteilzentren“ aufgesetzt, vom Gemeinderat mit 600 000 Euro pro Bezirk unterfüttert.

Erster konkreter Ansatz

Trotzdem war das Auffälligste daran bis dato der beträchtliche rhetorische Aufwand, mit dem die einschlägigen Ziele präsentiert wurden. Nun aber keimt die Hoffnung, dass ein erster Ansatz konkret wird: Bei einer Eigentümerversammlung haben Ladenbetreiber vergangene Woche erstmals Interesse bekundet, städtische Förderung in Anspruch zu nehmen. Und zwar aus einem aktuell mit 50 000 Euro gefüllten Topf, mit dem Eigeninvestitionen gefördert werden können. Von den 80 im Fördergebiet angeschriebenen Gewerbetreibenden waren immerhin zwei Dutzend gekommen, was Hermann-Lambert Oediger vom Stadtplanungsamt als „gute Resonanz und gute Basis“ bezeichnete.

Zum einen habe es, so der Leiter der Abteilung Stadtentwicklung, der das Projekt federführend betreut, „viele konkrete Fragen“ gegeben, zum anderen schon „relativ konkretes Interesse“. Etwa von einer Ladenbetreiberin, die in ihr zugiges und wenig attraktives Schaufenster investieren will: „Es fruchtet, dass auch Pächter profitieren können“, befand Oediger. Man wolle „erst mal klein beginnen, in überschaubaren Größenordnungen“. Davon erhoffe er sich dann einen Schneeball-Effekt: „Andere sehen, da tut sich was, und so kann sich das ausbreiten.“ So zeigte er sich sicher, dass es, wie bereits in anderen Stadtbezirken, „auch in Weilimdorf Entwicklungen geben wird“.

Ideenkonzept für das Einkaufszentrum

Zumal auch WeilAktiv als Verbund der einheimischen Gewerbetreibenden hinter dem Projekt steht: „Ich finde das eine gute Sache. Wir müssen was gegen Leerstände machen“, sagte der WeilAktiv-Vorsitzende Eckhardt Binder und fügte hinzu: „Ich hoffe, dass die Eigentümer das als Chance begreifen. Und dann muss man dranbleiben an der Sache.“

Und schließlich auch zu dem Punkt vorstoßen, bei dem es laut Oediger „Sinn macht, auch groß zu denken“. Dabei geht es dann um das Einkaufszentrum, für dessen Entwicklung eine halbe Million Euro bereitstehen. Was beim EKZ möglich ist, dafür werde derzeit ein Ideenkonzept erarbeitet. Dabei geht es auch um jene Aspekte, auf die die Stadt direkten Zugriff hat: öffentliche Flächen oder die Tiefgarage, die zur Hälfte im Eigentum der Stadt ist. Aufgänge, Zugänge, Licht seien erste Ansätze, um auch das Umfeld attraktiver und freundlicher zu machen. Auch hier zeigte sich Stadtplaner Oediger überzeugt, dass „es gelingen wird, dem Stadtteilzentrum neue Lebendigkeit zu verschaffen“. Auch in dieser Hinsicht sei die Eigentümerversammlung „ein positives Zeichen“ gewesen. Er hat dabei sicher nur an die eine der beiden Fahnen gedacht.

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