An der Schockenriedstraße in Möhringen befindet sich einer von derzeit drei Betriebshöfen der SSB. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Nach dem Willen des Bezirksbeirates läuft es beim SSB-Betriebshof auf den Standort nahe Hausen zu. Aber das ist die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub.

Stuttgart-Weilimdorf - Volker Christiani, der Leiter des Stabsbereiches Planung der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), ist aktuell Stammgast bei den Sitzungen des Bezirksbeirates. Kein Wunder, schließlich geht es um den Bau eines neuen Betriebshofes für die Stadtbahn auf der Gemarkung Weilimdorf. Letzteres steht fest. Stellt sich also nur die Frage, wo genau der Standort sein soll. Nach der Flachter Straße war die Motorstraße-Süd der Favorit. Dann aber hatte der Bezirksbeirat einen Standort auf der anderen Seite der Bundesstraße ins Spiel gebracht – verbunden mit der Forderung, mit dem Betriebshof auch einen Stadtbahnanschluss für Hausen zu schaffen. Eine Forderung, für die Christiani noch vor vier Wochen keine Chance sah. Er sagte aber zu, dass die SSB den Vorschlag prüfen werde. Das Ergebnis präsentierte er nun in der aktuellen Sitzung des Gemeinderates.

SSB hat keine Bedenken wegen der Lärmfrage

Christiani brachte das positive Ergebnis gleich auf den Punkt: „Wir könnten uns diese Lösung gut vorstellen. Sie hätte den Vorteil, dass man Hausen voll anbinden kann und zudem den Charme, dass über das offene Ende im Westen perspektivisch ein Anschluss nach Ditzingen möglich wäre.“ In seiner Präsentation war dann auch nicht nur der Standort, sondern auch die Trasse via Hausen samt zweier Haltestellen dargestellt. Und da die Anlage fünf Meter unter die Oberkante platziert werden müsste, als gerade mal gut zwei Meter herauslugen würde, hatte Christiane nun auch keine Bedenken mehr hinsichtlich der Lärmfrage für die knapp 300 Meter entfernte Wohnbebauung.

Aktuell der größte Haken an diesem Standort: Er liegt nicht nur in einem fürs Stadtklima relevanten Grünzug, sondern sogar in einer „regionalen Grünzäsur. Und das ist ein noch härteres Kriterium“, sagte Christiani. Es wäre also ein „Zielabänderungsverfahren“ zum Regionalplan erforderlich. In zwei Wochen werden man sich mit den Zuständigen treffen und erkunden, „ob das denkbar wäre“.

Im Gremium fand die Planskizze für den neuen Standort allgemeine Zustimmung. Stephan Gier (CDU) nannte dies „ein gute Lösung“. Auch Annekathrin Essig (Bündnis 90/Die Grünen) fand es „toll, dass Hausen angeschlossen wird“ und führte weitere Positiva an: dass der Betriebshof quasi im Boden versenkt wird“ und dass „die Flächen am Fasanengarten nicht angetastet werden. Hinsichtlich des betroffenen Landwirts habe man aber „die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub“.

Der betroffene Landwirt ist am Boden zerstört

Am Standort Motorstraße-Süd träfe es den Hof von Konrad Ritz mit über zwei Hektar Flächenverlust, am neuen Alternativstandort den von Thomas Ludmann. Hinzu kämen noch knapp zwei Hektar für die Trasse nach Hausen. Mehrere Mitglieder des Gremiums berichteten, dass der Landwirt ob dieser Nachricht „am Boden zerstört“ sei. Christiani räumte die Problematik ein und formulierte dazu die Besonderheit für die Weilimdorfer Landwirte: „An jedem Standort ist immer nur ein Landwirt extrem betroffen.“ Man wolle sich nun mit Herrn Ludmann „an einen Tisch setzen“ und die Situation besprechen. Ratlos zeigte er sich dabei hinsichtlich von Ausgleichsflächen als auch bezüglich einer Entschädigung: „Es gibt keine Flächen, die nicht schon landwirtschaftlich genutzt werden.“ Zu einer Entschädigung sagte er: „Das bringt in der Regel nicht sehr viel. Und wegen der gesetzlichen Vorschriften können wir nicht sagen: Komm, legen wir noch was drauf!“

Analog zur Info-Veranstaltung in der Lindenbachhalle im März kündigte die Bezirksvorsteherin Ulrike Zich nun eine solche auch für Hausen an: am 14. Mai um 18 Uhr im Bürgertreff.

Mit Blick darauf versuchte Christiani, den bereits Protest-Mails erreicht haben, den Bezirksbeirat in die Pflicht zu nehmen: „Sollte es dazu kommen, hoffe ich auf eine gewisse Unterstützung Ihrerseits, denn der Wunsch, Hausen anzubinden, ist ja aus Ihrem Gremium gekommen.“

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