An der Schockenriedstraße im Stadtbezirk Möhringen befindet sich einer von derzeit drei Betriebshöfen der Stuttgarter Straßenbahnen AG. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Mit klarer Mehrheit hat der Weilimdorfer Bezirksbeirat den weiteren Planungen zum Stadtbahn-Depot zugestimmt.

Weilimdorf - Das alles überragende Thema im Bezirksbeirat war im ersten Halbjahr der Plan der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), auf Weilimdorfer Gemarkung einen Betriebsbahnhof zu bauen, der mehr als vier Hektar Fläche braucht. Vor allem wegen dieses Flächenverlustes standen die Sitzungen jeweils unter Hochspannung. Nachdem die prinzipielle Entscheidung für den Standort „Bei Ditzingen-Ost“ an der westlichen Gemarkungsgrenze bei Hausen mit breiter Mehrheit gefallen ist, war von dieser Spannung in der aktuellen Sitzung nicht mehr viel zu spüren.

Gleichwohl hatte SSB-Chefplaner Volker Christiani bei seinem Sachstandsbericht Informationen zu bieten, die die Realisierung des Projektes immer wahrscheinlicher machen. Nachdem auch der Gemeinderat den Standortvorschlag für gut befunden hatte, sei „planerisch in der Zwischenzeit nicht viel passiert“, sagte er zunächst. Fast beiläufig klang dann Christianis Hinweis, dass die Idee, in einem zweiten Ausbauschritt eine Verlängerung der Strecke nach Ditzingen zu realisieren, „im Gemeinderat Ditzingen sehr positive Resonanz“ erfahren habe.

Standort liegt in einer „regionalen Grünzäsur“

Ein Punkt, der in seiner Bedeutung kaum überschätzt werden kann. Denn damit stößt das Projekt in eine Dimension vor, mit der ein möglicher Hinderungsgrund für den Standort bei Hausen in einen großräumigeren Horizont zu bewerten ist: Der Standort berührt nicht nur die fürs Stadtklima wichtige Frischluftzone, sondern liegt zudem in einer „regionalen Grünzäsur“, in der gemäß Regionalplan jegliche Bebauung tabu ist. Es sei denn, dass ein solcher Eingriff „wegen seiner regionalen Bedeutung zu rechtfertigen ist“. Just zu dieser Einschätzung war in der Zwischenzeit der Verband Region Stuttgart gekommen, der bei nur einer Gegenstimme für den avisierten Ausbau plädiert hat. Dazu stellte Christiani nun fest: „Wenn es jetzt schon eine so klare Aussage gibt, können wir davon ausgehen, dass wir die Zustimmung bekommen.“

In der Folge sei die SSB auch bereits dabei, an Ingenieurbüros die Aufträge zum Ausarbeiten der Trasse zu erteilen. Chris­tiani geht davon aus, das die konkretisierte Planung „im Laufe des Jahres 2020 dem Regierungspräsidium unterbreitet werden kann und dass 2022 die Planfeststellung erfolgt“. Danach soll im ersten Abschnitt der Bau des Depots und der Stadtbahnanschluss von Hausen erfolgen: von 2023 bis 2025. Und danach könnte dann die Verlängerung nach Ditzingen in Angriff genommen werden.

Planungen werden weitgehend gutgeheißen

In den Stellungnahmen wurden die Planungen weitgehend gutgeheißen. Vorneweg fasste Jürgen Lehmann (CDU) Eckpunkte der Zustimmung zusammen: „Wir haben einen Anschluss ins Industriegebiet, können die S-Bahn gut erreichen und bekommen einen Stadtbahnanschluss für Hausen.“ Im Übrigen zeigte er sich „erfreut, was wir in einem halben Jahr hinbekommen haben. Das soll uns erst einmal jemand nachmachen“. Annekathrin Essig (Bündnis 90/Die Grünen) nannte den Entscheidungsprozess ein „Paradebeispiel dafür, wie man Beteiligung machen kann“. Bei der Zustimmung habe ihre Fraktion wegen des Flächenverlustes allerdings „einen Knoten im Bauch“. Im Prinzip sei es aber „gut, dass die Stadtbahn Erfolg hat und Verkehr von der Straße auf die Schiene holt“. Mit Nachdruck forderte sie, dass „Ausgleichsmaßnahmen in Weilimdorf erfolgen und nicht zu Lasten der Landwirtschaft gehen“. Michael Schrade (Freie Wähler) sprach von einer „Konsenslösung“, die im Abgleich der Alternativen aber „die allerbeste“ sei: „Wenn wir die Stadtbahn stärken wollen, dann müssen wir diese Kröte schlucken“. Peter Hanle (SÖS-Linke-PluS) plädierte einmal mehr für die Variante „Straßenäcker“, die von Christiani als nicht realisierbar abgelehnt worden war. Hanle bestand darauf: „Man könnte das Depot dort unterbringen, und die Landwirtschaft wäre weniger betroffen.“ Damit begründete auch Frank Ebel (AfD) seine Ablehnung: „Das Depot gehört ins Industriegebiet. Ich bin gegen die Minimierung von Ackerflächen. Das ist nicht reversibel. Der Tag des Spatenstiches wird ein trauriger Tag sein.“ Mit der Mehrheit von 13 gegen 2 Stimmen wurden die Planungen „zustimmend zur Kenntnis“ genommen. Zusammenfassend zeigte sich Bezirksvorsteherin Ulrike Zich überzeugt, dass das „eine Lösung geworden ist, mit der die Mehrheit gut leben kann, einschließlich der Landwirtschaft“.

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