Stuttgart von oben - Wilhelmsplatz Chronisch am Rand des Verkehrsinfarkts

Von Georg Linsenmann 

Aus heutiger Sicht ist der Wilhelmsplatz viel zu stark auf  die Belange des Straßenverkehrs ausgerichtet. Foto: Stadtmessungsamt
Aus heutiger Sicht ist der Wilhelmsplatz viel zu stark auf die Belange des Straßenverkehrs ausgerichtet. Foto: Stadtmessungsamt

Einst war der Bad Cannstatter Wilhelmsplatz ein Automobil-Drehkreuz par excellence. Das soll sich langsam, aber sicher ändern.

Bad Cannstatt - Diese Luftaufnahme in Schwarz-weiß ist von gnadenloser Klarheit. Nichts, was ablenkt und beschönigt: Dort, wo rein stadträumlich der südwestliche Eingang von Bad Cannstatt sein soll, flatscht eine sternförmig gezackte, graue Fläche. Wie eine frisch planierte, scheinbar ungegliederte Großbaustelle, neben der die umgebenden Häuser ins Märklinformat schrumpfen. Das Grau erweist sich in der Auflösung als die Schnittfläche von kreuz und quer in alle Himmelsrichtungen führenden Straßen, der Stadtraum als ein Automobil-Drehkreuz par excellence. Ein Sammelbecken und eine Verteilerstation von und für acht Durchgangsstraßen: Das ist der Wilhelmsplatz auf der alten Luftaufnahme. Und nichts darüber hinaus.

Die Acht ist hier eine eher unheilige Zahl – und sie ist es all die Jahrzehnte geblieben. Hinzugekommen sind zudem die Gleiskörper für die durchführenden Stadtbahnen. Selbstredend ist der Platz durch umgebende Gebäude inzwischen gefasst. Die Grundsituation, die am Wilhelmsplatz chronisch an den Rand des Verkehrsinfarktes führt, erscheint aber auch für Matthias Hahn auf dem Schwarz-Weiß-Foto besonders kenntlich.

Der langjährige Baubürgermeister der Stadt, der lange in Bad Cannstatt gewohnt hat, sieht auf dem Foto „eine universale Kreuzung mit groß aufgebohrten Verkehrswegen“. Aus heutiger Sicht sei das „eindeutig zu groß dimensioniert“. Hahn fügt hinzu: „Heute ist man schlauer. Die Dimension ist dem damaligen Konzept der autogerechten Stadt geschuldet.“

Hahn gibt aber auch zu bedenken, „dass Cannstatt mit 60 000 Einwohnern der größte Stadtbezirk ist und die König-Karls-Brücke die Hauptverbindung zur City. Das muss man auch mal ganz nüchtern sehen. Die Frage ist vielleicht, wie man die Menge perspektivisch dämpfen kann. Denn lösbar ist das Problem nur mit weniger Verkehr.“

Redaktion Bad Cannstatt

Ansprechpartner
Torsten Ströbele
cannstatt@stz.zgs.de

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