Zwischen 1955 und 2015 hat sich um Umfeld der heutigen Landhauskreuzung eine ganze Menge getan. Foto:  

In unserer Serie „Stuttgart von oben“ blicken wir auf die Landhauskreuzung. Dort stand einst nur ein Wirtshaus. Mit der Zeit sind hier Bürogebäude, Hotels und ein Erlebniszentrum entstanden.

Möhringen - Das kleine Wirtshaus Zum Landhaus war einst Dreh- und Angelpunkt der Bevölkerung auf der Filderebene. An der Kreuzung Plieninger Straße mit der alten Poststraße befand sich auch ein Haltepunkt der Dampfstraßenbahn, die zwischen Degerloch, Möhringen und der Endstation Hohenheim verkehrte. Fahrgäste aus Möhringen, Echterdingen und Umgebung kehrten in der Wirtschaft ein, während sie auf die Dampfbahn warteten, tauschten die neuesten Nachrichten aus, gönnten sich ein Bier und ein Vesper.

Nachdem die Schienen Anfang des 20. Jahrhunderts Richtung Süden verlegt worden waren, musste auch das Wirtshaus dem aufkommenden Verkehr aus Sicherheitsgründen weichen. 1938 wurde das esvon der technischen Nothilfe gesprengt.

Die Sprengung war ein großes Spektakel

Rolf Hoss kann sich noch genau an diesen Tag erinnern. Der 85-Jährige, dessen Großeltern schon in Möhringen ansässig waren, war damals sechs Jahre alt. „Die Sprengung war ein großes Spektakel“, sagt er. Mit seinen Kameraden hat er sich die Sprengung des Wirtshauses angesehen, in dem bereits sein Vater und Großvater gesessen sind. „Es gab einen ohrenbetäubenden Knall, und dann fiel das Wirtshaus wie ein Kartenhaus zusammen.“

Seither hat sich die Landhauskreuzung total verändert. Lediglich der Name erinnert noch an die einstige Gaststätte, die zuletzt von Daniel Schweizer betrieben wurde. Rolf Hoss hat die Entwicklung seiner Heimat „vom idyllischen Bauerndorf zum Erlebnis- und Kasinostandort“ nicht nur aktiv erlebt, sondern in rund 3000 Fotografien und Tagebucheinträgen akribisch dokumentiert. Den Bau der Daimler-Konzernzentrale am Sternhäule in den späten 1980er-Jahren verfolgte Hoss ebenso wie die Entstehung des alten und neuen SI-Centrums. „An diesem Standort befanden sich einst Getreidefelder und Aussiedlerwohnungen“, sagt Hoss.

Eine pompöse Eröffnung mit gigantischem Feuerwerk

Davon zeugt auch das Luftbild von 1955, das im Vergleich zur Aufnahme von 2015 eine karge Landschaft zeigt. Prägend auf dem aktuellen Bild ist insbesondere das SI-Centrum. Der erste Bauabschnitt des Erlebniszentrums, das Apollo Theater, wurde im Dezember 1994 eröffnet. Nur drei Jahre später entstand zusätzlich das Palladium Theater. Rolf Hoss war bei der Eröffnung des Zentrums mit seiner Frau vor Ort. „Das war sehr pompös, mit viel Glanz und Gloria und einem gigantischen Feuerwerk.“

Das SI-Centrum beherbergt neben den Theatern zwei Hotels, die Spielbank, einen Kinokomplex, die Schwabenquellen und etliche Bars und Restaurants. 1200 Menschen arbeiten in dem Zentrum. Zwei Millionen Besucher hat das Vergnügungszentrum im Durchschnitt pro Jahr. Auch Rolf Hoss ist gelegentlich zu Gast in dem Komplex. Schlecht findet er die Entwicklung seines Ortes nicht. „Man müsse schließlich mit der Zeit gehen.“ Die Erinnerung an die Geschichte seiner Heimat aber bleibt lebendig. Nicht nur in den vielen Fotografien. Nachfahren von Daniel Schweizer, dem einstigen Wirt der Landhaus-Gaststätte, betreiben heute im Zentrum des Stadtbezirks das Gasthaus Lindenhof.

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