Stadtteilmanager Maik Bußkamp (re.) und sein Team vom Steidtteilbüro. Foto: A. Jacobs

Im Rahmen des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt bekommt Stuttgart-Dürrlewang Geld für städtebauliche Sanierungen. Geht man nach der Statistik, müsste in Dürrlewang in Sachen Engagement tote Hose herrschen. Die Realität sieht aber anders aus...

Dürrlewnag - Eigentlich sprach manches dafür, dass es schwer werden würde, ein stabiles Netzwerk an engagierten Bürgern in Dürrlewang für die verschiedenen Themengruppen des Förderprojektes „Soziale Stadt“ zu gewinnen. Etwa, dass ein verhältnismäßig hoher Anteil der Bewohner Erstbezieher sind, die bereits Mitte der 50er-Jahre nach Dürrlewang gezogen sind. 19,4 Prozent der Einwohner sind 65 Jahre und älter, im gesamten Stuttgarter Stadtgebiet sind es 18,4 Prozent. Hinzu kommt, dass die Dürrlewanger Senioren in aller Regel das aktive Alter der sogenannten Silver Ager bereits hinter sich gelassen haben. Statistisch gesehen spricht auch der hohe Anteil an Bewohnern mit Migrationshintergrund eher gegen eine hohe Beteiligung. Knapp 47 Prozent der Dürrlewanger haben ausländische Wurzeln, in Stuttgart sind es insgesamt knapp 24 Prozent. Hinzu kommt: Liegt in Dürrlewang die Arbeitslosenquote bei 7,8 Prozent, sind es im gesamten Stuttgarter Stadtgebiet 4,2 Prozent.

Gemischtes Publikum in den Gruppen

„Und dann kamen wir in die Arbeitsgruppen und sahen volle Stuhlreihen“, sagt Maik Bußkamp. Er betreut als ein Stadtteilmanager für das in Stuttgart ansässige Institut für Stadtplanung und Sozialforschung Weeber+Partner das Projekt „Soziale Stadt Dürrlewang“. Bußkamp klingt immer noch erstaunt. „In den vier Themengruppen ist das Publikum wirklich sehr gemischt.“ Seine Kollegen, die bereits das Projekt „Soziale Stadt“ in Stuttgarter Vierteln wie Giebel, Hallschlag und Gablenberg betreut haben, rieben sich in Dürrlewang ebenfalls die Augen über so viel Interesse aus der Bürgerschaft. „Das war echt auffällig“, sagt Bußkamp.

Die Ladenzeile an der Osterbronnstraße, das Herzstück des Viertels, sieht der Stadtteilmanager als Problem und Chance zugleich. „Es gibt hier tatsächlich einen Investitionstau. Die Ladenlokale sind zudem recht klein. Und eigentlich leben mit rund 3800 Menschen in Dürrlewang zu wenige Einwohner, um ein großes Ladenangebot langfristig zu halten“, sagt er. Andererseits ist die parkähnliche Grünanlage vor der Ladenzeile ein großes Plus: Alles ist bequem und sicher zu Fuß zu erreichen. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, darauf sind die Dürrlewanger stolz.“ Deswegen wolle man darauf in mehreren Bürgerbeteiligungsverfahren aufbauen, die aktuell von Bußkamp mit vorbereitet werden.

Viele Projektvorschläge eingereicht

Ebenso erstaunlich wie erfreulich: Auch jetzt, anderthalb Jahre nach der Eröffnung des Stadtteilbüros an der Osterbronnstraße und dem Beginn der Bürgerarbeit im Frühjahr 2016, habe das Engagement nicht nachgelassen. Auch die Anzahl der von den Bürgern eingereichten Projekte sei im Vergleich mit anderen Projektstadtteilen hoch. Das beginnt mit zwei Frauen, die regelmäßig Bastelnachmittage für Kinder anbieten und geht weiter mit dem Nikolaustag mit kleiner Bescherung für Kinder in der Ladenzeile bis hin zum Aufbau eines Repair-Cafés. „Die Einwohner von Dürrlewang sind echt bemerkenswert aktiv dabei“, sagt Bußkamp. Erklären kann er sich dieses Phänomen noch nicht – aber dazu ist ja auch noch ein bisschen Zeit. Sollten alle Verlängerungen genehmigt werden, ist das Projekt „Soziale Stadt Dürrlewang“ auf insgesamt zehn Jahre angelegt. Davon sind erst zwei herum.

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