Weber lebt noch immer in Büsnau. Foto: Fritsch

Seit 1939 lebt Richard Weber in Büsnau. Damit ist er einer der ersten Siedler des Stadtteils. Er hat die Geschichte Büsnaus bis in Detail recherchiert und sogar Bücher darüber verfasst.

Büsnau - Richard Weber strahlt übers ganze Gesicht, als er ein kleines Teil aus seiner Schublade kramt, das aussieht wie eine Mini-Glühbirne. Sie hat ein abgeflachtes Ende und steckt in einer schwarzen Plastikhülle. Es ist eine Wehrmachts-Radioröhre. Damit hat der 83-Jährige früher Radios gebaut.

Von seinem einstigen Hobby erzählt der Rentner gern. Sowieso fällt ihm das Reden leicht, er hat schließlich schon mit Menschen auf der ganzen Welt gefunkt. Mit seinem selbst gebauten Sender hat sich der Funkamateur bereits mit Amerikanern, Tansaniern und Mexikanern unterhalten. Das Radio war Webers großes Hobby, schon als Kind – bis zur Rente. „Dann hat es mich einfach nicht mehr so interessiert“, sagt er. Aber er hat ein neues Hobby gefunden: die Geschichte Büsnaus.

Richard Weber, einer der ersten Siedler, ist heute Ortshistoriker

Der Rentner kam 1939 als einer der ersten Siedler in den Ort, der damals aus fünf Häusern und einem Bauernhof bestand. Es gab verschiedene Geschichten und Vorstellungen darüber, wie der Stadtteil entstand. „Ich wollte mich, wenn ich einmal viel Zeit habe, dafür interessieren, wie das wirklich war“, sagt er. Und so hat er als Rentner angefangen zu recherchieren und mittlerweile kleine Bücher über die Entstehungsgeschichte seiner Heimat geschrieben. Ein langes Regal seines Bücherschranks ist reserviert für Schriften, die sich mit der Geschichte von Stuttgart und Umgebung beschäftigen. Aufzeichnungen, Sagen, Biografien – Richard Weber hat jahrelang gesammelt.

Weber ist ein gebürtiger Stuttgarter. Er ist stolz darauf, Schwabe zu sein. Auch wenn ihn das im Beruf vor sprachliche Herausforderungen stellte. Denn ein Teil seiner Arbeit war es, Betriebsanleitungen zu schreiben. „Das durfte eben nicht allzu schwäbisch sein“, sagt der Büsnauer. Zumindest heute spricht er aber nicht auffällig schwäbisch. Der Rentner hat sein technisches Interesse zum Beruf gemacht und war lange an der Technischen Universität Stuttgart tätig.

Der Vater brachte ihn nach Büsnau

Sein Vater war ein großes Vorbild für Weber. Dieser hatte den Traum, einmal ein Haus zu bauen. „Ein echter Schwabe will halt sein eigenes Häuschen bauen“, sagt Weber. In Büsnau sah er die Möglichkeit, da der Stadtteil damals gerade eine SA-Siedlung werden sollte, die größtenteils aus Eigenleistung gebaut wurde. So kam Webers Vater an sein selbst gebautes Haus, in dem Richard Weber noch heute lebt.

Es ist sehr ordentlich im Haus des 83-Jährigen. Obwohl er alleine lebt, gibt es etliche Sitzgelegenheiten, einzelne Pflanzen stehen am Fenster und in der Ecke neben dem Sofa. Wenn der Rentner von früher erzählt, leuchten seine Augen. Immer wieder steht er auf und holt alte Zeugnisse, Zeitungsausschnitte oder Zeitschriften, in denen er einen Artikel verfasst hat. Er weiß ganz genau, wo diese Sachen zu finden sind. Mit leicht zitternden Händen zeigt er seine Werke.

Weber hat sich in seinem Leben für vieles begeistert. Lange Zeit für das Basteln an Radios und Sendern; daraus entwickelte sich seine Freude an Mathematik und Physik. „Auf einmal habe ich gemerkt, für was die Formeln gut sind“, sagt er. Erst im Alter von über 70 Jahren habe ihn seine Frau dazu gekriegt, sich für Politik zu interessieren. „Ich war plötzlich aktiver Stuttgart 21-Gegner“, sagt Weber. Bald habe er das aber wieder aufgegeben, weil man „in Büsnau dafür schief angeguckt wird“. Die Radiostation im Keller des Funkamateurs ruht nun auch schon eine Weile. Heute ist es die Begeisterung für Büsnau, die den Rentner auf Trab hält – morgen vielleicht wieder etwas ganz anderes.

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