Die Rathausgarage in Stuttgart, rechts davon das Gebäude Eichstraße 9, das von der Stadt gekauft wurde. Unter diesen Flächen entsteht eine kleinere Tiefgarage. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das Projekt ist im Gemeinderat so gut wie beschlossen: Die Rathausgarage kommt weg. Sie schließt schon in wenigen Wochen. Unter dem Ersatzbau entsteht eine kleinere Tiefgarage. Manche Nachbarn wissen noch gar nicht, welche Unannehmlichkeiten ihnen bevorstehen.

Stuttgart - Der Abriss der Stuttgarter Rathausgarage und der Ersatzbau mit fünf Etagen über der Erde bleiben heftig umstritten. Am Freitag hat der Wirtschaftsausschuss dem Gemeinderat zwar den Baubeschluss empfohlen, aber mit der denkbar knappsten Mehrheit von neun gegen acht Stimmen. Das lässt erwarten, dass das Projekt auch am 17. Dezember in der Vollversammlung eine knappe Mehrheit aus öko-sozialem Lager und OB Fritz Kuhn (Grüne) erhalten wird.

Bürgermeister Föll kämpft um Projekt

Die bürgerlich-konservativen Gruppierungen und die AfD lehnten das 42,5 Millionen Euro teure Vorhaben am Freitag ab, weil rund 140 Stellplätze wegfallen. Außerdem werden an manchen Tagen bis zu 100 Plätze für die wichtigsten Verwaltungsmitglieder und die Stadträte benötigt werden. Dennoch, konterte der für das Projekt kämpfende Erste Bürgermeister Michael Föll (CDU), werde die künftige Tiefgarage teilweise oder ganz für die Öffentlichkeit verfügbar sein – an Wochenenden sowieso. Da die Stadt das Gebäude Eichstraße 9 erwerben konnte, wird sie nach dem Neubau über 154 Stellplätze verfügen. Das sind 17 mehr als nach dem bisherigen Plan, aber immer noch deutlich weniger als die momentan rund 290 Stellplätze. In der Umgebung gebe es aber genug Parkhäuser, meinte Silvia Fischer (Grüne).

Einig war man sich, dass der Bereich Rathausgarage bisher ein Schandfleck sei. Föll sprach von einer „Schmuddelecke“, die einer Landeshauptstadt nicht würdig sei. Daher ist das Vorhaben in seinen Augen ein „zentrales städtebauliches Projekt“. Die Kritiker meinten aber, den Schandfleck hätte man auch anders beseitigen können – etwa mit zehn Millionen Euro für die Sanierung und Erhaltung aller Stellplätze, sagte Bernd Klingler (AfD). Die geplanten Ladenflächen würden sich als unvermietbar erweisen, prophezeite er. Föll widersprach. Das Umfeld werde viel attraktiver, die Handelsfläche auch.

Kosten um 2,7 Millionen Euro gestiegen

2013 hatte der Gemeinderat schon 39,8 Millionen Euro bereitgestellt. Wegen gestiegener Baupreise und langer Projektlaufzeit entstehen nun Zusatzkosten von 2,71 Millionen Euro. Das ergibt 42,5 Millionen Euro. Für die Unterbringung von städtischen Computeranlagen werden weitere 2,7 Millionen Euro fällig. Für den Vollausbau einer Küche im Erdgeschoss würde nach Auffassung der Verwaltung zudem eine Million Euro nötig werden, doch darauf will man verzichten, die Fläche stattdessen als veredelten Rohbau für Gastronomie verpachten. Zum Rathaus-Altbau hin ist das Lokal samt Außengastronomie geplant. Am Töpferplatz will man Ladenflächen unterbringen. Auf drei Etagen wird die Stadtkämmerei, bisher in einem sanierungsbedürftigen Gebäude in der Schmalen Straße, einziehen. Die EDV beansprucht weitere Flächen. Außerdem entsteht eine Kita mit Freibereich.

Baustellenverkehr vor der Wirtshaustüre

Bis der Neubau fertig wird, ist erst eine Durststrecke für die Nachbarn und die Kunden der dortigen Gaststätten angesagt. Die Baulogistik wird bei Pane e Vino an der Ecke Steinstraße/Nadlerstraße sozusagen vor der Wirtshaustür abgewickelt, die Barriere zwischen Stein- und Nadlerstraße beseitigt. Am 10.  Januar soll die Garage das letzte Mal geöffnet sein, am Abend schließen. Dann geht es Schlag auf Schlag: Mitte Januar beginnen Baumfällungen und die Entkernung der Rathausgarage, im Februar der Abbruch von Obergeschossen. Im August 2018 soll der Neubau fertig werden. Die Tiefgarage wird dann von der Eberhardstraße her auf kürzerem Weg in der Eichstraße anzufahren sein. Nur Lieferverkehr kann dann noch bis zur Einfahrt zum Rathaushof vorfahren. In der Bauphase ist auch dies nur bedingt möglich. Anlieger können die Rathausgarage noch bis Mai 2016 umrunden. Danach können nur noch Fußgänger die Baustelle umrunden.

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