Das neue dreigeschossige Gebäude des Zentrums für angewandte Quantentechnologie soll sich optisch an die umliegenden Unigebäude anpassen. Foto: Hammeskrause Architekten

Am Allmandring haben die Arbeiten für das Zentrum für angewandte Quantentechnologie (ZAQuant) begonnen. In dem 35 Millionen Euro teuren Neubau sollen ab 2020 etwa 70 Mitarbeiter aus verschiedenen Instituten tätig sein und an den Technologien der Zukunft arbeiten.

Vaihingen - Auf dem Gelände neben dem sogenannten Zitronenschnitz, einem Gebäude der Hochschule der Medien (HdM) auf dem Unicampus in Stuttgart-Vaihingen, sind Bauarbeiten im Gange. Es handelt sich um „Erdbewegungen“, erklärt Sybille Müller, die Leiterin und Pressereferentin des Universitätsbauamts Stuttgart und Hohenheim. Die Arbeiten stehen demnach in Zusammenhang mit dem Neubau des Zentrums für angewandte Quantentechnologie (ZA-Quant). „Das heißt, es handelt sich um die Zwischenlagerung von Aushubmaterial, das im Zuge der Errichtung des Neubaus ZA-Quant zur Verfüllung der Arbeitsräume des Neubaus wieder eingebaut wird“, so Müller.

Das Zentrum forscht fakultätsübergreifend und interdisziplinär rund um die Quantensensorik, wirbt die Universität Stuttgart. Für geschätzte 35 Millionen Euro wird nun für das ZA-Quant ein eigenes Gebäude am Allmandring gebaut. Die Kosten werden jeweils zur Hälfte vom Bund und vom Land getragen. Die Bauarbeiten haben im Januar begonnen. Läuft alles wie geplant, soll der Neubau Ende 2020 in Betrieb genommen werden.

Forschung und Lehre sollen voneinander profitieren

Das Zentrum soll sich auf drei anwendungsrelevante Bereiche konzentrieren: aktive Sensorelemente, Peripherie und Ansteuerung von Quantensensoren sowie die Integration von Quantensensoren in Bauteile. „Ziel der Forschungsarbeiten ist es, neuartige nanofotonische Quantensensoren zu entwickeln, um wegweisende Fortschritte in Empfindlichkeit, Spezifität und Energieeffizienz in der Sensorik zu erreichen“, erklärt Jörg Wrachtrup, dessen 3. Physikalisches Institut die Federführung für das Projekt hat, in einer Pressemitteilung. Quantensensoren sind nicht nur wesentlich empfindlicher als klassische Sensoren, sie erlauben zudem die Verknüpfung von Messergebnissen mit atomaren Größen. Bisher sind jedoch noch keine Quantensensoren so weit entwickelt worden, dass sich ein technischer Einsatz abzeichnet. Diese Lücke soll das neue Zentrum schließen, schreibt die Uni.

Dank der unmittelbaren Nachbarschaft zu dem ebenfalls geplanten Neubau Physik und der Nähe zum Max-Planck-Institut für Festkörperforschung auf Büsnauer Gemarkung soll ein Komplex entstehen, in dem Forschung und Lehre voneinander profitieren. Potenzielle Anwender der Quantentechnologien, etwa aus der Automobilindustrie, sollen mit den prototypischen Bauteilen experimentieren können. Das sei weltweit einzigartig, wirbt die Uni.

Kernstück sind die Hochpräzisionslabore

Mit der Planung ist das Stuttgarter Büro Hammeskrause Architekten beauftragt. Auf einer Grundfläche von 36 auf 72 Meter entsteht eine Bruttogeschossfläche von 8560 Quadratmetern. Das Gebäude, welches seinen Haupteingang am Allmandring haben wird, soll drei Stockwerke plus Untergeschoss haben und sich damit optisch an die Unigebäude östlich davon anpassen. Kernstück sind die Hochpräzisionslabore im Zentrum des Hauses. Zudem sollen Reinräume, Laserlabore, physikalische, chemische und bio-chemische Labore, Büros und Kommunikationsflächen sowie die zugehörigen Neben- und Technikräume in dem Neubau Platz finden.

70 Mitarbeiter aus etwa einem Dutzend verschiedenen Instituten sollen dort arbeiten. Der Neubau soll 15 Arbeitsgruppen aus der Quantenoptik, der Atom- und Festkörperquantenphysik, dem Maschinenbau sowie der Elektro- und Fertigungstechnik Raum bieten.

Die Anforderungen an das Gebäude, welches nach Kopfbau, Laborbau und Seminarbau unterteilt ist, sind hoch: Es muss so gestaltet werden, dass Einflüsse, etwa Erschütterungen durch vorbeifahrende Fahrzeuge, keine Auswirkungen auf den Laborbereich haben. Aus diesem Grund soll eine möglichst steife Bauwerkskonstruktion aus Stahlbeton errichtet werden. Wo immer es die technischen und funktionalen Vorgaben zulassen, sollen die Dachflächen des Neubaus begrünt werden.

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