Mona Hoffmann zieht das Lamm Marie (im Bild) und deren Stiefbruder Nino mit der Flasche auf. Das ist ein Grund, warum die Tiere sehr zutraulich sind. Foto: Alexandra Kratz

Als Dankeschön organisieren zwei Frauen einen Tiernachmittag in einem Pflegeheim in Stuttgart-Vaihingen. Und sie haben noch mehr vor.

Vaihingen - Marie knabbert an dem bisschen Grün, das zwischen den Steinen beim Springbrunnen wächst. Ihr Stiefbruder Nino blökt derweil in die Runde. Sehr zur Freude der Senioren, die an diesem Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein im Kreis im Garten sitzen. „Sind die Schäfchen niedlich“, sagt eine alte Frau und lächelt. Es ist der erste Tiernachmittag im Filderhof an der Herrenberger Straße. Susann Leißing und Mona Hoffmann haben diesen in Absprache mit dem Pflegeheim-Team organisiert. Die beiden Frauen wohnen in den Honigwiesen. Leißing hat dort seit Jahren Hühner, Kaninchen, Meerschweinchen und andere Tiere. Vor etwa zwei Jahren gewann sie in Hoffmann eine Mitstreiterin. Bei ihrem ersten gemeinsamen Besuch im Filderhof haben sie neben den zwei Schafen zwei Kaninchen und den zahmen Hahn Cleo dabei.

Der Tiernachmittag ist Leißings Dankeschön für das Engagement der Pflegekräfte. Etwa vier Jahre lang wohnte ihre Mutter im Filderhof. Vor Kurzem ist sie verstorben. „Schon kurz nach ihrem Einzug ist sie richtig aufgeblüht. Das Personal war so bezaubernd zu ihr. Meine Mutter verliebte sich sogar in einen der Pfleger“, sagt Leißing und schmunzelt. Das Filderhof-Personal habe vieles möglich gemacht. „Sogar bei Dauerregen ist einer der Pfleger mit ihr hinaus in den Garten gegangen, damit sie ihre Zigarette rauchen kann“, erzählt Leißing. Zuletzt sei ihre Mutter demenzkrank und daher eine schwierige Persönlichkeit gewesen. „Sie hat gespuckt, gekratzt und um sich geschlagen“, erinnert sich Leißing. Doch die Pflegekräfte seien damit professionell umgegangenen. „Und auch für uns Angehörige waren sie immer da. Das hat es für mich und meine Geschwister leichter gemacht, mit dem Tod unserer Mutter und dem damit verbundenen Verlust umzugehen“, sagt Leißing.

Marie soll ein Therapieschaf werden

Inzwischen geht Mona Hoffmann mit Marie von Stuhl zu Rollstuhl. Die Senioren können das Lamm streicheln, die warme Wolle des Schafs erspüren. Marie ist ganz zutraulich. Ebenso wie ihr Stiefbruder Nino wird sie von Hoffmann mit der Flasche aufgezogen. Die junge Frau war als Kind regelmäßig auf der Jugendfarm Elsental. Tiere liegen ihr schon immer am Herzen. Als vor etwa eineinhalb Jahren ihr Sohn zur Welt kam, wurde ihr zu Hause bald langweilig. Sie beschloss, Leißing bei der Pflege ihrer Tiere zu helfen. Zu ihrer Hochzeit schenkte Leißing Hoffmann schließlich zwei Schafe. Das war der Beginn für eine eigene kleine Herde.

Seitdem lädt sie regelmäßig Kinder dazu ein, beim Füttern und bei der Tierpflege zu helfen. Zusammen mit Leißing möchte sie das Projekt ausbauen und Stadtkindern die Natur wieder näher bringen. Marie soll sogar ein Therapieschaf werden. Hoffmann übt bereits mit ihr. „Sie muss mit mir durch Vaihingen laufen, darf sich nicht erschrecken und muss sich von anderen berühren lassen“, nennt die Schäferin ein paar Kriterien. Sie könnte sich sogar eine Stadtschäferei vorstellen. „In Paris gibt es das bereits. Dort beweiden Schafe Wiesen in Parks.“ Doch so ein Plan müsse reifen und viele Punkte müssen sicher gestellt sein. „Den Tieren soll es dabei gut gehen und die Sicherheit soll jederzeit gewährleistet sein“, nennt sie Beispiele.

Weitere Tiernachmittage sind geplant

Das Projekt im Filderhof ist bereits weiter gediehen. Denn dem ersten Tiernachmittag sollen weitere folgen. „Es wäre schön, wenn die Bewohner sehen könnten, wie die Lämmer groß werden“, sagt Leißing. Auch Elke Schott würde das sehr freuen. „Alte Menschen freuen sich über Kontakte mit Tieren. So ein Nachmittag ist ein wunderbares Angebot. Denn wir können mit den Bewohnern unseres Hauses nicht in die Honigwiesen fahren“, sagt die Leiterin des Sozialdienstes. Sie weiß, dass alte Menschen zu Tieren eine besondere Beziehung aufbauen. „Wir haben viele Bewohner, die aufgrund einer Erkrankung nicht mehr adäquat kommunizieren können. Die Kommunikation mit Tieren ist nonverbal und braucht keine Worte. Tiere sind, wie sie sind, und sie nehmen den Menschen an, wie er ist“, sagt Schott. Die Tiere seien Türöffner. „Die Senioren sehen, riechen und fühlen. Sie erinnern sich an Erlebnisse, die sie mit Tieren hatten, und kommen ins Erzählen.“

Das sieht Ute Hildebrecht genauso. „Ich hatte den Eindruck, dass dieser Nachmittag unseren Bewohnern gut gefallen hat. Er war gut besucht, auch von Angehörigen. Und auch viele Mitarbeiter haben vorbeigeschaut“, sagt die Einrichtungsleiterin.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: