Der Bürgerverein feiert am Samstag das 40-jährige Bestehen des Wochenmarkts. Foto: Denise Kupka

Der Wochenmarkt in Stuttgart-Vaihingen wird 40. Am 27. August 1977 haben die Händler zum ersten Mal ihre Waren angeboten. Gerda Lenz hatte damals den Vorstoß im Bezirksbeirat gewagt. Wir haben mit ihr gesprochen.

Vaihingen - Gerda Lenz erinnert sich noch genau. Vor mehr als 40 Jahren kam sie nach Stuttgart. Damals war sie frisch verheiratet und zog zu ihrem Ehemann nach Vaihingen. „Das war ein Schock“, sagt die Seniorin. Denn in dem Stadtteil habe es nichts zu kaufen gegeben. „An der Hauptstraße war das Filderkaufhaus. Die hatten Socken und so. Aber keine Lebensmittel“, sagt Lenz. Und wo gingen die Menschen einkaufen? „Gute Frage“, antwortet Lenz. Sie und ihr Mann wohnten damals in der Nähe der Honigwiesen. Dort sei ein kleiner Tante-Emma-Laden gewesen. „Aber die Auswahl war nicht besonders groß“, sagt Lenz.

Für die gebürtige Ulmerin war das zu wenig. „Mein Elternhaus stand direkt am Münsterplatz. Dort gab es alles“, betont Lenz. Und vor allem habe es dort einen wunderschönen Wochenmarkt gegeben. So einen wollte Lenz auch in ihrer neuen Heimat Vaihingen ins Leben rufen. „Ich dachte mir, dass sich das schnell und leicht umsetzen lassen würde“, sagt Lenz. Doch das Projekt entpuppte sich zunächst als ein Kampf gegen Windmühlen.

Es gab mehrere Versuche, einen Wochenmarkt zu installieren

Gerda Lenz war damals schon für die CDU im Bezirksbeirat. Zusammen mit ihrem Parteikollegen Rainer Pohl von Elbwehr brachte sie in der Sitzung am 15. März 1977 folgenden Antrag ein: „Aufgrund guter Erfahrungen, die in anderen Stadtbezirken mit Wochenmärkten gemacht worden sind, beantragen wir, in Vaihingen die Vorbereitung und Durchführung eines Wochenmarktes unverzüglich zu veranlassen.“ Im Bezirksbeirat seien damals vorrangig Männer gewesen, sagt Lenz und ergänzt: „Die waren von dem Antrag nur wenig begeistert.“ Dennoch, laut Sitzungsprotokoll nahmen die Lokalpolitiker den Antrag einmütig an.

Am 10. Mai 1977 stand das Thema erneut auf der Tagesordnung. Im Protokoll heißt es: „Bezirksvorsteher Mezger führt einleitend aus, dass in der ehemals selbständigen Gemeinde Vaihingen in den Jahren 1907, 1925 und 1937 Versuche unternommen wurden, einen Wochenmarkt einzurichten. Alle Versuche scheiterten nach einiger Zeit.“ Doch die Zeiten hatten sich geändert. An jenem Tag war ein Herr Breitkreuz vom Marktamt als Berichterstatter in dem Gremium. Er erklärte, „daß bei den Verbrauchern in jüngster Zeit eine gesteigerte Bereitschaft zu verzeichnen ist, Wochenmärkte aufzusuchen“. Die Gelegenheit war also günstig. Zusammen mit Vaihingen forderten damals Lokalpolitiker aus acht Stadtbezirken, dass bei ihnen Wochenmärkte eingerichtet werden. „Herr Breitkreuz beurteilt die Fußgängerzone südlich des Bezirksrathauses als günstig für den Wochenmarkt“, heißt es im Sitzungsprotokoll. Und weiter steht dort: „Nachdem der Einzugsbereich des Stadtbezirks groß genug ist, könnte ein Wochenmarktversuch erfolgversprechend sein, wenn es gelingt, eine ausreichende Zahl von Beschickern zu finden.“

Ein Wochenmarkt ist kein Selbstläufer

Darum kümmerte sich Gerda Lenz schließlich selbst. Und binnen kurzer Zeit hatte sie eine ordentliche Zahl beisammen. Am 16. August 1977 stand das Thema wieder auf der Tagesordnung. Im Sitzungsprotokoll heißt es: „Durch die aktive Mitarbeit von Mitgliedern des Bezirksbeirats konnten neun endgültige Zusagen von Marktbeschickern eingeholt werden. Das Marktamt konnte weitere sechs Betriebe gewinnen, so daß für den Beginn des Marktes 15 Betriebe zugelassen sind.“ Der erste Markttag war der 27. August 1977. Von 9.30 Uhr an machten der Spielmannszug des Heimatrings und der Schwabenbräu-Singchor Musik. Danach wurde von der Brauerei Leicht gestiftetes Freibier ausgeschenkt.

„Der Markt war von Anfang an ein Erfolg“, sagt Lenz. Das ist bis heute so geblieben. Möhringen hatte bereits vor Vaihingen einen Wochenmarkt. Doch in anderen Stadtteilen war das Projekt weniger erfolgreich. Der Bürgerverein Dachswald versuchte im vergangenen Jahr, einen Wochenmarkt zu installieren, um die Nahversorgungslücke zu schließen. Doch nach nur wenigen Monaten war der Versuch mangels Nachfrage beendet. Auf dem Fasanenhof gibt es seit 2008 einen Wochenmarkt – allerdings mit nur wenigen Ständen.

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