Die Sängerhalle, die „gute Stube des Stadtbezirks“, muss saniert werden. Doch die Chorgemeinschaft, Besitzerin des Gebäudes, sieht sich dazu außerstande.

Untertürkheim - Die Sängerhalle ist so etwas wie die gute Stube des Stadtbezirks. Ob Familienfeier, Vereinsfest, Konzert oder Versammlung: „Hier finden an 200 bis 230 Tagen im Jahr Veranstaltungen aller Art statt“, sagt Josefine Vögl. Sie hat, wie zuvor schon ihre Mutter Gisela, das Kultur- und Kongresszentrum im Lindenschulviertel von der Chorgemeinschaft gepachtet. „Das ist ein echter Glücksfall für uns“, betont der ehrenamtliche Geschäftsführer des Vereins, Stefan Müller. Die Rahmenbedingungen für den Betrieb der Sängerhalle seien nämlich äußerst schwierig, jeder andere Gastronom hätte wohl längst aufgegeben. „Wir sind auf diese feste Einnahmequelle angewiesen.“

Die rund 200 Mitglieder zählende Chorgemeinschaft ist seit 1945 im Besitz des Gebäudes, das aus dem Jahr 1905 stammt. Die Verantwortung für das Gemäuer bringt den aus dem Liederkranz Untertürkheim hervorgegangenen Verein einmal mehr an seine Grenzen: „Es müssten dringend einige Dinge erneuert werden“, räumt Müller ein. Die Mängelliste ist lang: Küche, Heizung, Elektrik, Dach, Beleuchtung, Bühnentechnik und Boden sind aufgeführt. Alles in allem, schätzt der Verein eher vorsichtig, müsste mindestens eine Million Euro ins Notwendigste investiert werden.

Finanzielle Belastungen

Geld, dass die Chorgemeinschaft nicht hat. Bereits in den vergangenen Jahren hat sie erhebliche finanzielle Belastungen stemmen müssen. „Wir haben ständig Umbau- und Reparaturarbeiten“, berichtet Müller. So war 2004 ein besserer Lärmschutz notwendig geworden, weil sich die Anwohner durch die wöchentlichen Chorproben im Saal gestört fühlten. Dann galt es, den Brandschutzauflagen der Stadt nachzukommen. 2008 wurde das Kurt-Brenner-Stüble modernisiert, und nach einem Wasserschaden 2013 wurden die Wohnungen im Altbau saniert. Dafür musste ein Kredit aufgenommen werden, den man noch lange Zeit abzahlen wird. Für die Modernisierung der veralteten Küche hat der Gemeinderat bereits vor zwei Jahren einen Zuschuss in Höhe von 125 000 Euro bewilligt, was einem Drittel der kalkulierten Kosten entspricht.

Eigentlich, berichtet Müller, hätte man das Projekt längst angehen können. Doch die Chorgemeinschaft habe die Notbremse gezogen: „Mit dieser Sanierung allein ist es nicht getan. Wenn wir die Küche auf den neuesten Stand bringen, muss zwingend die Elektrik folgen“, meint Müller. Auch die 35 Jahre alte Ölheizung, die enorme Kosten verursache, mache nicht mehr lange mit. „Sie ist schon mehrfach ausgefallen.“ Im Winter würde man die Räume schlecht warm bekommen, im Sommer sich die Hitze darin stauen – Grund dafür seien eine nicht mehr zeitgemäße Klima- und Lüftungsanlage sowie die große Glasfront des Anbaus. 1995 sei dessen Architektur chic gewesen, sagt Müller. „Nachhaltigkeit war damals kein großes Thema.“

Gesamtkonzept wird erarbeitet

Statt immer nur Löcher zu stopfen, müsse man grundsätzlich planen, um auch in Zukunft die Halle mit Leben füllen zu können, meint der ehrenamtliche Geschäftsführer. „Wir können nicht eine Baustelle nach der anderen aufreißen.“ Die Chorgemeinschaft sei derzeit mit externer Hilfe dabei, ein Gesamtkonzept für die Sanierung der Sängerhalle zu erarbeiten. „Damit wir wissen, was genau auf uns zukommt und mit welchen konkreten Beträgen wir rechnen müssen“, erklärt Müller. Nach der Sommerpause soll die Planung vorliegen – und damit rechtzeitig zu den Beratungen des Gemeinderates über den Doppelhaushalt 2020/2021. Klar ist: Die gewünschten Eingriffe im Haus sind unter laufendem Betrieb nicht machbar. Je nach Umfang der Arbeiten müsste das Kultur- und Kongresszentrum mindestens sechs Monate geschlossen werden.

Auch im Bürgerhaushalt hofft die Chorgemeinschaft Untertürkeim auf Unterstützung. Sie hat dort einen relativ bescheidenen Wunsch formuliert: Die veraltete und reparaturanfällige Beleuchtungs- und Musikanlage sollte erneuert werden.

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