Apothekerin Vanessa Hammel scannt den Data Matrix Code und bekommt auf dem Bildschirm eine Echtheitsmeldung. Foto: Mathias Kuhn

Arzneimittelfälschung ist lukrativ. Um sie zu unterbinden, wurde ein Sicherungssystem in Apotheken eingeführt. Jede Packung erhält ein individuelles Erkennungsmerkmal und den Erstöffnungsverschluss.

Untertürkheim - Es ist ein lukratives Geschäft: Fälschungen von Medikamenten. Um Arzneimittelfälschern das Handwerk zu erschweren, hat die Europäische Union ein Schutzsystem in Europa eingeführt. Anfang Februar hat es in den Apotheken Einzug gehalten. „Erste Erfahrungen zeigen: Das System läuft problemlos“, sagt Frank Eikmann, der Pressesprecher des Landesapothekenverbands. Es bietet dem Verbraucher eine doppelte Echtheitsgarantie. Es ist simpel, der Aufwand war jedoch enorm.

Jedes pharmazeutische Unternehmen in Europa muss während der Produktion einer verschreibungspflichtigen Arznei jede Packung mit zwei Sicherheitsmerkmalen versehen: ein individuelles Erkennungsmerkmal und einen Erstöffnungsschutz. Das Identifizierungs-Kennzeichen – quasi der Fingerabdruck – der Packung ist sowohl in Klarschrift als auch auf einem Data Matrix Code auf der Bodenseite der Verpackung aufgedruckt. Es enthält die Seriennummer, den Produktcode, die Chargennummer und das Verfallsdatum. Diese einzigartigen Kennungen werden in die Datenbank der pharmazeutischen Industrie hochgeladen. Auf diese Daten greift das sogenannte securPharm-System für die Echtheitsprüfung in den Apotheken zurück. SecurPharm wurde vor sieben Jahren von den Arzneimittel-Verbänden – den Herstellern, dem Großhandel und den Apothekern – als Verein gegründet, um die EU-Echtheitsvorschrift zu erfüllen und zu finanzieren.

Abgleich mit Datenbank

Jede Apotheke ist mit einem oder mehreren speziellen Scannern ausgestattet. Vor Abgabe des rezeptpflichtigen Medikaments an den Kunden wird der Data Matrix Code gescannt. „Eigentlich eine einfache Angelegenheit“, sagt Vanessa Hammel von der Alten Apotheke in Untertürkheim. Sie nimmt eine Packung, die bereits mit einem Code versehen ist, aus dem Schrank, schaut schnell, auf welcher Seite der Packung der Data Matrix Code steht, geht zum Verkaufstisch, hält den Code ans Lesegerät mit der roten Scheibe und blickt auf den Bildschirm. In Zehntelsekundenschnelle sind die Daten eingelesen und mit den Daten in der Datenbank abgeglichen worden.

Übergangsfrist für alte Packungen

Hammel blickt auf ihren Bildschirm. Ein grüner Haken in einem Feld signalisiert ihr, dass es sich um keine Fälschung handelt. Die Datenbank hat die Echtheit gemeldet. Gleichzeitig wird der Apothekerin und ihrem Mitarbeiterinnen das Verfallsdatum und beispielsweise die Darreichungsform schriftlich angezeigt. „Nur im Falle einer positiven Rückmeldung darf der Apotheker die Packung abgeben“, sagt Eikmann. Für den Patienten ist eine weitere Sicherheit eingebaut. „Falls der Hersteller die Charge aus einem bestimmten Grund aus dem Verkehr ziehen will, wird dies ebenfalls angezeigt.“ Im Falle eines Diebstahls kann die gestohlene Ware außerdem anhand der Seriennummer im System sofort gesperrt werden. Gleichzeitig ist jede neue Packung mit einem Erstöffnungsschutz versehen. Anhand des Originalverschlusses erkennt der Kunde schnell, ob die Packung schon einmal geöffnet und beispielsweise Arznei ausgetauscht wurde oder ob sie unversehrt ist. „Sämtlich nun hergestellte Arzneimittel in Europa müssen mit diesen beiden Merkmalen ausgestattet sein. Noch sind wir in einer Übergangsfrist, in der alte Packungen noch verkauft werden dürfen“, erklärt Eikmann.

Teure Systemumstellung

Die Umsetzung des Systems hat die Branche rund eine Milliarde Euro gekostet. Knapp 20 000 Apotheken, mehr als 300 Pharmafirmen, Großhändler und Krankenhausapotheken mussten ausgerüstet werden. Für die Apotheker bedeute es auch mehr Aufwand, weil sie sowohl beim Wareneingang als auch bei der Abgabe der Arznei die Packung scannen und ein- und auschecken müssen. „Aber es dient der Sicherheit für den Verbraucher“, sagt Eikmann. Er hofft, dass der Verbraucher auch akzeptiert, dass die Medikamentenabgabe samt Prüfung vielleicht 30 Sekunden länger als zuvor dauert.

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