Französin in Deutschland: Francoise Carzunel fühlt sich in Untertürkheim wohl. Foto: Pia Hemme

Am 22. Januar wird jährlich der „Deutsch-Französische Tag“ gefeiert. Es wird an den Elyseé Vertrag erinnert, der 1963 unterzeichnet wurde. Die Französin Francoise Carzunel erzählt über ihr Leben in Untertürkheim.

Untertürkheim - Eine gute Flasche Wein gehört für Francoise Carzunel zum Abendessen dazu. Die 67-jährige Französin wohnt seit 1980 in Untertürkheim, pflegt aber weiterhin die Traditionen aus ihrer Heimat. „Viele schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie erfahren, dass ich erst um acht zu Abend esse“, lacht Carzunel. „Viel zu spät, sagen die meisten. Dabei machen das die meisten Franzosen so.“ Ansonsten habe sie überhaupt keine Schwierigkeiten mit den Deutschen – und auch nie welche gehabt. Die deutsch-französischen Beziehungen sind ihrer Meinung nach „sehr gut“.

Um genau diese Beziehung ging es auch im Elyseé-Vertrag, den der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle vor 56 Jahren unterzeichneten. Daran erinnert der Deutsch-Französische Tag, der jährlich am 22. Januar gefeiert wird. Der Elyseé-Vertrag sollte die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich stärken, unter anderem durch regelmäßigen Austausch der beiden Länder und durch Bildungsprogramme.

Schüleraustausch in Bayern

Die erste Begegnung mit der deutschen Kultur hatte Francoise Carzunel mit 14 Jahren bei einem Schüleraustausch. Im bayerischen Ort Lenggries schloss sie neue Bekanntschaften. Ihr „Baccalauréat“, also ihr Abitur, absolvierte sie in Frankreich, genauso wie ihr Studium Germanistik, Romanistik und Spanisch. Und wie kam sie dann nach Deutschland? „Ich habe ein deutsches Stipendium bekommen“, erzählt Carzunel. Ob sie es annehmen sollte, stand für sie außer Frage. „Das Stipendium bekamen damals nur die Besten eines Jahrgangs.“ Also ging es 1970 über den Deutschen Akademischen Austauschdienst nach Düsseldorf zum Weiterstudieren. 1976 beendete sie ihr Studium samt Examen – und blieb in Deutschland. Bis 1980 war sie als Dolmetscherin, Übersetzerin und Lehrerin in Düsseldorf tätig. Im Herbst 1980 kam sie dann nach Stuttgart, um eine Arbeit als Verlagsredakteurin im Ernst-Klett-Verlag anzutreten – seitdem wohnt sie in Untertürkheim. „Ich habe diese Stelle bekommen und so hat es sich ergeben, dass ich geblieben bin“, erzählt Carzunel mit einem Lächeln. „Ich habe mich hier einfach wohlgefühlt. Ich hatte keinerlei Schwierigkeiten, Anschluss zu finden. Schließlich konnte ich die deutsche Sprache sehr gut. Deutsch habe ich gerne in der Schule gelernt.“

Der Motor der EU

Sie begrüßt es, dass man am Deutsch-Französischen Tag an den Elyseé-Vertrag erinnert. Trotzdem wird ihrer Meinung nach viel zu wenig über die deutsch-französischen Beziehungen gesprochen. „So alle zehn Jahre, wenn das Ereignis Jubiläum feiert, wird mal darüber berichtet. Dabei ist die Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich sehr wichtig, sie sind der Motor der Europäischen Union“, sagt sie im Brustton der Überzeugung. Carzunel schlägt mehr Schüleraustausche sowie Besichtigungen von historischen Orten vor: zum Beispiel Verdun, wo eine der schrecklichsten Schlachten im Ersten Weltkrieg stattfand. Oder Klassenauslüge etwa zur Gedenkstätte nach Dachau. Traurig findet sie, dass nicht mehr so viele französische Gymnasiasten Deutsch als Fremdsprache wählen. „Das könnte man den Schülern etwas mehr nahelegen“, findet sie. Obwohl sie sich in Deutschland sehr wohl fühlt, hat sie ihren französischen Pass behalten. „Im Herzen bin und bleibe ich Französin“, sagt Francoise Carzunel.

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