Im Ludwigsburger Krankenhaus ist in den VIP-Zimmern der Blick aufs Blühende Barock und hinüber zum Schloss inklusive. Foto: Simon Granville

Im Ludwigsburger Krankenhaus wird eine Station eröffnet, die Hotelflair verströmen soll. Auch andere Kliniken haben Zimmer mit hohen Standards im Angebot – ein Blick auf die Extras.

Sie liegt zwar auf Ebene 13, soll aber eher heilende Glücksgefühle verströmen als Pech bringen: Die neue Station für vor allem betuchtere Patienten im Ludwigsburger Krankenhaus wird nach knapp eineinhalb Jahren Bauzeit voraussichtlich im Februar in Betrieb gehen. Knapp sechs Millionen Euro wurden dafür in die Hand genommen, die 18 Zimmer so zu gestalten, dass bei den maladen Gästen eine Art Hotelfeeling aufkommt, wie es Kliniken-Sprecher Alexander Tsongas ausdrückt. Der Bedarf für Angebote aus dem gehobenen Segment sei vorhanden. Es bestehe aber auch mit Blick auf die Konkurrenz Handlungsbedarf – denn auch die schläft nicht, buhlt mit ähnlichen Standards um zahlungskräftige Patienten.

 

Für besondere Gäste Vom einen oder anderen werden derartige Bereiche etwas neidvoll-spöttisch auch als VIP-Stationen bezeichnet, der offizielle Titel lautet aber Wahlleistungsstation. Das bedeutet, dass sich Patienten einen Schuss Extra-Komfort durch eine Zuzahlung sichern können, die dann je nach Krankenkasse oder via Zusatzversicherung erstattet wird – oder aus eigener Tasche finanziert werden muss, wie Tsongas erläutert. Somit könnten hier nicht nur Privatpatienten, sondern auch gesetzlich Versicherte einchecken, die sagen: Wenn ich schon ein Leiden habe, möchte ich mir wenigstens während des Klinik-Aufenthalts etwas gönnen.

Kosten Der Preis für ein Ein-Bett-Zimmer auf Ebene 13 in Ludwigsburg liegt bei täglich 186 Euro. Wenn man sich einen Raum teilt, sinkt der Tarif auf 89 Euro. Im Klinikum Stuttgart, unter dessen Dach das Katharinenhospital, Krankenhaus Bad Cannstatt und Olgahospital vereint sind, können 240 Zimmer aus der gehobenen Kategorie gebucht werden. Die Zuschläge bewegen sich bei 45 Euro bis 130 Euro pro Tag, teilt Pressesprecher Stefan Möbius mit. Bei den Rems-Murr-Kliniken beträgt die Zuzahlung laut seiner Kollegin Christine Felsinger je nach Zimmerkategorie 72 Euro bis 169 Euro. Im Robert-Bosch-Krankenhaus werden rund 88 Euro pro Nacht fällig. „Die Kosten sind zudem davon abhängig, ob man ein Ein- oder Zweibettzimmer, Chefarztbehandlung, et cetera haben möchte“, erklärt Sprecherin Andrea Wyrwoll.

Service Der Aufpreis lohnt sich in Ludwigsburg für alle, die Wert auf eine hochwertige Ausstattung legen. Der Boden hat einen dunklen, edlen Ton, die Armaturen im Bad zeichnen sich durch modernes Design aus. Die Patienten haben Zugriff auf eigene Monitore für eine individuelle Programmgestaltung. Bademantel und Duschgel werden gestellt, die Tageszeitung geliefert. „Es gibt einen großen Speiseplan, den Wahlleistungspatienten in Anspruch nehmen können“, nennt Lisa Ritz, Referentin Regionaldirektion, eine von vielen weiteren Annehmlichkeiten.

Untergebracht wie in einem Hotel

Das Robert-Bosch-Krankenhaus mit seinen 115 VIP-Zimmern kann unter anderem mit Ganzkörperspiegeln, Schreibtischen, Stehleuchten sowie Schminkspiegeln und einem Föhn im Bad aufwarten. Zudem dringt auf die Flure durch Oberlichter natürliches Licht. In den Gängen sind obendrein großflächige, originale Kunstwerke zu begutachten. „Darüber hinaus gibt es exklusive und geräumige Komfort-Apartments, welche mit edlen Parkettböden, erlesenen Designermöbeln, separatem Fahrstuhlzugang und vielem mehr eher an ein hochwertiges Hotel erinnern“, erklärt Andrea Wyrwoll.

Botengänge werden übernommen

Die Rems-Murr-Kliniken, die unter anderem in ihrem neuen Krankenhaus in Winnenden auf zwei Komfortstationen mit 42 Zimmern und auf der Wöchnerinnenstation mit weiteren acht Zimmern mit einem gehobenen Standard aufwarten, verwöhnen die zuzahlende Klientel zum Beispiel mit einem Begleit- und Einkaufsservice. Man übernehme Besorgungen und Botengänge im Haus, etwa zur Cafeteria, erläutert Sprecherin Christine Felsinger. Auf Wunsch werde auch Wäsche gewaschen. Zudem gebe es für Besucher mehr Sitzmöglichkeiten.

Hostessen für Patienten

Sogar übernachten können Begleitpersonen auf Wunsch im Klinikum Stuttgart. Patienten erhielten ferner „eine persönliche Betreuung durch Patientenhostessen mit Angeboten wie besonderem Wäscheservice, Tageszeitung, Dusch- und Pflegeset sowie Bademantel“ und mehr, berichtet Sprecher Stefan Möbius. Inbegriffen sei zudem der Zugang zum Medienangebot, wozu auch der Pay-TV-Sender Sky gehöre. Große Flachbildfernseher, Kühlschrank und Safe könne man ebenfalls bieten.

Die besondere Note Das alles ist nur ein Ausschnitt aus dem Programm der Kliniken. Und mit einigen der genannten Leistungen können alle oder mehrere Häuser aufwarten, was auch damit zusammenhängt, dass die privaten Krankenversicherungen Vorgaben zum Grundniveau der Zimmer machen. Zugleich haben alle genannten Häuser Alleinstellungsmerkmale, mit denen sie Patienten den Aufenthalt versüßen. In Ludwigsburg können Malade von ihren Zimmern auf der neuen Wahlstation beispielsweise den Blick in Richtung Blühendes Barock und Schloss schweifen lassen. Andrea Wyrwoll vom Robert-Bosch-Krankenhaus streicht die Lage des Klinikums in den Weinbergen und der Wahlleistungsstationen im Obergeschoss hervor, „von denen man den Blick auf Stuttgart genießen kann“.

Ihr Kollege Stefan Möbius vom Klinikum Stuttgart verweist auf die neuen Stationen am Standort Mitte, wo das moderne Farbkonzept in den Fluren samt Illustrationen die Geschichte des Katharinenhospitals aufnehme. „Wir sind Mitglied im größten deutschen Qualitätsnetzwerk ,Wir für Gesundheit’, welches nur Kliniken aufnimmt, die auch die medizinische Qualität über einen Zeitraum von mehreren Jahren nachweisen können“, erklärt zudem Christine Felsinger von den Rems-Murr-Kliniken.

Die medizinische Versorgung steht über allem

Wobei die Sprecher der Kliniken eines auch deutlich machen – besondere Ausstattung hin, spezieller Service her: Priorität hat das Wohl der Patienten. „Natürlich geht es in erster Linie um die medizinische Versorgung. Aber das versucht man so komfortabel wie möglich zu gestalten“, fasst Lisa Ritz von den Ludwigsburger Kliniken zusammen.

Wer darf auf die Komfortstationen?

Bedarf
 Alexander Tsongas, Sprecher der Ludwigsburger Kliniken, macht keinen Hehl daraus, dass die Wahlleistungsstationen wirtschaftlich lukrativ sind. Aber der Bedarf sei auch gegeben. Sein Kollege Stefan Möbius vom Stuttgarter Klinikum erklärt ebenfalls, dass das Angebot „sehr gut angenommen“ werde. Die Nachfrage steige, konstatiert zudem Andrea Wyrwoll vom Robert-Bosch-Krankenhaus.

Versicherung
 Von durchgängig voll belegten Komfortstationen berichtet Christine Felsinger von den Rems-Murr-Kliniken. Belegt würden die Betten nicht nur von Privatversicherten, sondern auch von Selbstzahlern oder gesetzlich versicherten Patienten mit Zusatzversicherung. Eine Rolle spiele dabei auch, dass es im Rems-Murr-Kreis Unternehmen gebe, die Mitarbeitern eine entsprechende private Zusatzversicherung bieten könnten.