Die Polizei muss am Montagabend die Lage in einer Unterkunft in Aich beruhigen. Foto: SDMG

In gleich zwei größeren Flüchtlingsunterkünften hat es Großeinsätze der Polizei gegeben: In Aichtal kam es zu einer Massenschlägerei wegen eines Handys, in der Landesmesse gingen Bewohner des Notquartiers wegen einer Umstellung bei der Essensausgabe auf die Barrikaden.

Stuttgart/Aichtal - Eine Umstellung der Modalitäten bei der Essensausgabe hat am Sonntagabend zu massiven Protesten im Notquartier in der Landesmesse am Flughafen geführt. Dort sind noch bis 15. November rund 960 Flüchtlinge in der Halle 9 untergebracht. Etwa 200 von ihnen gingen so vehement auf die Barrikaden, dass die Polizei mit einem Großaufgebot von rund 50 Beamten anrücken musste, um die Lage zu beruhigen. Die Einsatzkräfte kamen von mehreren Polizeipräsidien sowie der Bundespolizei.

Der Auslöser war laut Robert Hamm, Sprecher des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart, eigentlich eine Nichtigkeit. Bisher konnten sich die Flüchtlinge das Essen einfach holen. „Am Samstag haben wir Essensmarken eingeführt, um zu verhindern, dass einige Leute mehrmals Essen fassen und dann für die am Ende der Schlange nichts mehr da ist“, so Hamm. Einen Nachschlag für die besonders Hungrigen gebe es auch mit dem neuen System. Während das am Samstag reibungslos geklappt habe, sei es am Sonntag zu großem Aufruhr gekommen. Warum, lasse sich nicht sagen: „Da hat man es auch mit Stimmungen zu tun. Die sind am einen Tag anders als am nächsten, manchmal kommen dann vielleicht noch falsche Gerüchte dazu“, so Hamm.

Die Polizei bekam die Lage am Sonntag erst wieder in den Griff, als man kurzfristig zum alten System zurückkehrte. Daraufhin beruhigten sich die Gemüter schnell. Seit Montag jedoch funktioniert die Essensausgabe mit Wertmarken – bisher ohne weitere Zwischenfälle.

Laut Polizei erster Großeinsatz in der Landesmesse

Laut Polizei war der Einsatz der erste große im Notquartier in der Landesmesse. Allerdings komme es immer wieder zu kleineren Streitigkeiten und Körperverletzungen. Eine davon hat sich ebenfalls am Sonntagabend abgespielt: Ein 40 Jahre alter Afghane traktierte einen 26-jährigen Iraner mit Faustschlägen. Weil der Täter bereits mehrfach durch Gewalttätigkeit aufgefallen war und die Situation sich zuzuspitzen drohte, wurde der 40-Jährige in Gewahrsam genommen. Die Polizei, so ein Sprecher, sei zusätzlich zum Sicherheitsdienst in der Halle auf dem Gelände präsent.

Für Beobachter kommen die Ereignisse nicht überraschend. „Man merkt, dass die Stimmung in der Halle gereizter wird. Viele Flüchtlinge erkennen mittlerweile, dass sie noch lange in Notunterkünften sein werden, bis ihr Asylverfahren in Gang kommt“, sagt einer, der täglich mit den Betroffenen zu tun hat. Andere berichten von Unzufriedenheit, die sich auch immer wieder durch Proteste gegen das Essen oder das Ablehnen von Kleiderspenden äußert. RP-Sprecher Hamm dagegen spricht von Einzelfällen und beurteilt die Lage als „ruhig“. Durch den Umzug in die kleinere Halle 9 seien weniger Leute in der Landesmesse untergebracht als zuvor, was es dem Betreiber und den Helfern dort generell einfacher mache.

Der Messebetrieb in den Nachbarhallen wird bisher nicht gestört, sagt Sprecher Markus Vogt: „Wir hatten inzwischen zwei Messen, seit die Flüchtlinge eingezogen sind. Berührungspunkte mit den Besuchern oder Ausstellern hat es nicht gegeben.“ Auch am benachbarten Flughafen beobachtet man keine Auffälligkeiten. Die Messe könnte indes noch länger Notquartier bleiben: Derzeit wird offenbar darüber verhandelt, die Flüchtlingsunterbringung bis Mitte Dezember zu verlängern.

In Aich prügeln sich hundert Beteiligte wegen eines Handys

Unruhig geht es derzeit aber nicht nur in der Landesmesse zu. Am Montagabend ist die Lage auch in einer Flüchtlingsunterkunft in Aichtal-Aich (Kreis Esslingen) eskaliert. Dort lieferten sich rund hundert Bewohner eine wüste Schlägerei. Die Polizei spricht von einer „tumultartigen Auseinandersetzung“ und einer „aufgeheizten Atmosphäre“. Auslöser war offenbar der Diebstahl eines Handys. Daraufhin gerieten im Hof Beteiligte unterschiedlicher Nationalitäten aneinander. Dabei versetzte ein 31 Jahre alter Tunesier einem anderen Bewohner einen Faustschlag, durch den das Opfer Gesichtsverletzungen erlitt und in ein Krankenhaus gebracht werden musste.

Die Polizei musste mit 14 Streifenwagenbesatzungen anrücken, um die Prügelei zu beenden und die Lage zu beruhigen. Dazu wurden Kräfte mehrerer umliegender Reviere zusammengezogen. Die Beamten blieben bei dem Einsatz unverletzt.

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